zur Navigation springen

Geplanter Bundeswehr-Einsatz in Syrien : Die Aufklärungs-Tornados aus Jagel – flexibler als jede Drohne

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Taktische Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ übernimmt die Rolle als Aufklärer im Syrien-Konflikt.

Jagel/Schleswig | Die Bundeswehr will Tornados in den Luftkrieg gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) schicken. Doch laut einem dpa-Bericht ist nur jeder zweite Tornado einsatzfähig. Von 93 angeschafften Flugzeugen sind 66 in Betrieb. Verteidigungsminsterin von der Leyen (CDU) beruhigt: „30 Tornados sind einsatzbereit, und wir brauchen davon 6. Das heißt wir haben einen breiten Spielraum, der vorhanden ist.“

Der Bundestag will am Freitag den Einsatz der Bundeswehr gegen den IS in Syrien beschließen. Zum Einsatzkontingent gehören auch die Tornados aus Jagel im Kreis Schleswig-Flensburg.

Das Taktische Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ setzt auf Erfahrung. Denn die Rolle als Aufklärer, die sie im Kampf gegen den Terror übernehmen sollen, ist seit Jahrzehnten die Hauptaufgabe des in Jagel bei Schleswig beheimateten Verbandes gewesen. Die Recce-Tornados – Recce ist die Abkürzung für Reconnaissance (Aufklärung) – haben schon von 1995 bis 2001 über Ex-Jugoslawien und von 2007 bis 2010 über Afghanistan für gestochen scharfe Bilder der Geschehnisse am Boden gesorgt. Damals jedoch noch mit analogen Filmrollen, die nach der Landung erst entwickelt werden mussten.

Seitdem hat längst das Digital-Zeitalter Einzug gehalten. 2009 wurde der israelische RecceLite -Aufklärungsbehälter eingeführt, der farbige oder schwarz-weiße Bilder in Echtzeit verschlüsselt an eine Bodenstation zur sofortigen Auswertung übertragen kann – so lange es eine direkte, durch kein Hindernis gestörte Sichtverbindung zwischen Flugzeug und Bodenstation gibt. In dem Behälter, der unter dem Rumpf des Jets angehängt wird, ist eine Zeiss-Digitalkamera mit einer Brennweite von 42 bis 500 Millimetern Brennweite installiert. Damit lassen sich laut Hersteller beispielsweise Panzertypen noch aus 3000 Meter Höhe und zehn Kilometer Entfernung identifizieren – der Jet kann also außerhalb der Reichweite von tragbaren Flugabwehrsystemen bleiben, mit denen auch die Kämpfer des IS ausgerüstet sind. Weiterhin ist ein Infrarotsensor eingerüstet, der Wärmestrahlung aufzeichnet und somit auch Aufklärung bei Nacht und schlechter Sicht ermöglicht.

Der Aufklärungs-Tornado.

Der Aufklärungs-Tornado.

Foto: dpa
 

Genutzt werden kann der RecceLite-Behälter nur von Tornados, die das Modernisierungsprogramm ASSTA 3 durchlaufen haben. Zehn solcher Maschinen gibt es bereits im Jageler Geschwader. In denen hat der Waffensystemoffizier im zweiten Cockpit hinter dem Piloten ein Digital-Display, auf dem er die Bilder der Kamera oder des Infrarot-Sensors sofort sehen und wichtige Aufklärungsergebnisse notfalls auch per Funk weitergeben kann, falls keine direkte Sichtverbindung zur Bodenstation besteht oder die Entfernung zu dieser zu groß ist.

Spezialisten analysieren die Fotos an der Auswertestation.
Spezialisten analysieren die Fotos an der Auswertestation. Foto: SP
 

Diese Flexibilität bietet einen enormen Vorteil gegenüber den propellergetriebenen Drohnen, die nur langsam fliegen können und zudem auch leichter abzuschießen sind, sobald sie entdeckt werden. Hier kann eine für derartige Einsätze trainierte Tornado-Crew viel besser reagieren als der Drohnenpilot vor seinem Monitor. Zur Abwehr von Raketen haben die Flugzeuge Radar-Täuschkörper und Hitzefackeln an Bord, die die Suchköpfe gegnerischer Lenkwaffen von ihrem Ziel ablenken.

Wobei die zweite Rolle der Jageler Tornados der Kampf gegen genau diese Bedrohung ist: In der Version ECR sind die Maschinen für die elektronische Kriegführung optimiert und können mit speziellen Luft-Boden-Waffen radargestützte Flugabwehrsysteme bekämpfen. Schaltet die Anlage am Boden ihr Radar ein, wird das Signal aufgefasst und leitet die Lenkwaffe vom Typ „Harm“ des ECR-Tornados präzise ins Ziel. Oft ist ein Schuss mit dieser Waffe gar nicht nötig, denn um der Bekämpfung zu entgehen, bleibt der gegnerischen Stellung nur die Möglichkeit, das Radar ausgeschaltet zu lassen, wenn ECR-Tornados in der Nähe sind. Doch damit ist deren Flugabwehrsystem blind – und erfolgreich neutralisiert.

Ein Einsatz der deutschen Jets in dieser Rolle ist in Syrien allerdings nicht vorgesehen, es sollen nur Fotos gemacht werden. Um die detailreichen Aufnahmen – die Zeiss-Kamera hat eine Sensorgröße von 2048 mal 2048 Pixel – zu analysieren, hat das Geschwader erfahrene Luftbildauswerter, die die Fotos an speziellen Bildschirm-Arbeitsplätzen begutachten, bewerten und einen Ergebnisbericht fertigen. Ohnehin wird die gesamte Aufklärungsmission am Boden vorgeplant und über einen Datenrekorder in die Systeme der Recce-Tornados eingespeist, so dass dessen Besatzung im Idealfall nur die vorgesehenen Wegpunkte abfliegen muss – der Rest funktioniert dann automatisch.

 

zur Startseite

von
erstellt am 01.Dez.2015 | 19:12 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen