zur Navigation springen

„Menetekel“-Comeback : Die alten Männer wollen’s nochmal wissen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Auch Torfrock-Legende Klaus Büchner ist dabei: Mitglieder der Schleswiger Band Menetekel planen ein Comeback.

von
erstellt am 09.Sep.2015 | 12:45 Uhr

15 Männer sitzen im rauchgeschwängerten Clubsaal des Hotels Ruhekrug. Lachend erzählen sie sich Geschichten aus der guten alten Zeit. Von damals in den wilden 70ern, als ihre Haare noch lang und nicht grau waren. Und als sie gemeinsam Rockmusik machten – in der Schleswiger Band Menetekel. Gut, nicht alle 15 sind waschechte „Menes“, haben selbst gespielt. Einige der Anwesenden sind gekommen, weil sie zur Clique rund um die Band gehören. Alle zusammengetrommelt hat sie Stefan Weinert. Der 63-Jährige lebt heute in Ravensburg unweit des Bodensees. Die Sehnsucht hat ihn zurück nach Schleswig geführt. Im Frühjahr hatte er eine Anzeige in den Schleswiger Nachrichten geschaltet: „Ex-Schlagzeuger und Gründungsmitglied der Band Menetekel sucht Kontakt mit den alten Weggefährten/innen der 70er Jahre.“

1968 hatte Weinert mit zwei Freunden Menetekel aus der Taufe gehoben worden. „Wir haben damals gecovert“, erinnert er sich. „Wir haben zum Beispiel Stücke der Beatles und der Stones gespielt oder von Creedence Clearwater Revival und Cream.“ In den 70er Jahren sei man dann dazu übergegangen, eigene Lieder zu spielen, ergänzt Willi Lück (59). „Die Texte waren nicht immer tiefgründig. Hauptsache, es war melodisch.“ Sein Lieblingssong heiße „Frühling“, sagt Lück. „Ein Instrumentalstück. Wir spielen es mit ‚Coast to Coast‘ immer noch.“ „Coast to Coast“ hat 2009 die Nachfolge der 1992 aufgelösten Band Menetekel angetreten. „Ich hätte den alten Namen gerne beibehalten, aber die anderen wollten das nicht“, bedauert Lück.

Der Gitarrist hat die glorreichen Zeiten von Menetekel miterlebt. Die knapp zwei Jahre Mitte der 70er etwa, als Klaus Büchner Sänger der Gruppe war, ehe er mit Torfrock berühmt wurde. Oder als die „Menes“ 1980 als Vorgruppe von Lake in Husum vor mehr als 1000 Musikfans spielten. „Menetekel war ein echter Name“, betont Lück. Die Band habe mit ständig wechselnden Besetzungen gespielt, habe zwischen 40 und 50 verschiedene Musiker gehabt. „Am Ende war dann nur noch ich übrig.“

Stefan Weinert war 1978 ausgestiegen. „Ich bin damals fromm geworden“, sagt er und lacht. „Ich wollte nichts mehr mit Rockmusik zu tun haben. Ich habe mein Schlagzeug verkauft und alle meine Schallplatten verbrannt.“ Weinert verließ seine Heimatstadt Schleswig und studierte Theologie – vom Rocker zum Pastor. Später arbeitete der Baptist als Sozialarbeiter unter anderem in der Flüchtlingsbetreuung. Inzwischen ist Weinert im Ruhestand – und hat Zeit für die Rolle rückwärts.

Bei Weinert und seinen alten Freunden von damals ist die Idee gereift, Menetekel in der Besetzung der 70er Jahre wieder aufleben zu lassen. Unter dem Motto „old friends – young hearts“ wolle man im nächsten Jahr wieder gemeinsam auf der Bühne stehen, kündigt Weinert an. „Die Jungs sind noch begeisterungsfähig“, hat er festgestellt und erntet ein Nicken von Bassist Walter Kröber (63). Das erste Konzert werde im Ruhekrug stattfinden, so Weinert, der selbst wieder nach Schleswig ziehen will. Auch Klaus Büchner werde seinen Teil zum Programm beitragen. Zum Ehemaligen-Treffen ist die Torfrock-Legende jedenfalls schon mal gekommen.

Mit welcher Musik die alten Männer ihr Publikum beim Comeback verzücken wollen, darüber herrscht noch Uneinigkeit. „Ich denke, wir werden zu 50 Prozent Coversongs spielen“, sagt Stefan Weinert. „Da bin ich dagegen“, kontert Willi Lück. „Wir werden höchstens zu einem Drittel covern.“ Doch die Hauptsache ist – da sind sich beide einige –, als Menetekel wieder gemeinsam Musik zu machen. Im November stehen die ersten beiden Übungsabende an.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen