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Claudia Roth in Schleswig : „Dialog mit der Türkei nicht abbrechen“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Grünen-Politikerin Claudia Roth spricht über die Lage in der Türkei – und auch über Schleswigs SPD-Ratsfrau Nilgün Demir.

Nilgün Demir war nicht im Raum, und auch keine anderen Schleswiger mit türkischen Wurzeln. Dennoch war die SPD-Ratsfrau sehr präsent, als die Grünen-Politikerin Claudia Roth gestern Vormittag mit 25 Gästen im Alten Kreisbahnhof über die politische Lage in der Türkei diskutierte. Die Bundestags-Vizepräsidentin, die vielfältige Kontakte in das Land hat, beschrieb, wie Präsident Recep Tayyip Erdogan die Republik aus ihrer Sicht immer weiter zu einem autoritär regierten Land umbaut.

Gleich die erste Frage aus dem Publikum, vorgebracht von Grünen-Mitglied Bärbel Karstens, betraf die umstrittenen Aussagen von Nilgün Demir in ihrem SN-Freitagsinterview in diesem Sommer, in dem sie Verständnis für Erdogans Kurs hatte durchblicken lassen. Viele andere Schleswiger mit türkischen Wurzeln würden ähnlich denken, sagte Karstens und fragte: „Wie kann das sein?“

Claudia Roth ging insbesondere auf Nilgün Demirs Bekenntnis ein, sie würde keine deutschen Zeitungen mehr lesen, sondern sich nur aus türkischen Medien informieren. Eine wichtige Rolle, meinte Roth, habe dabei die Resolution des Bundestags zum Völkermord an den Armeniern gespielt. „Da wurde vom Bundestag etwas behauptet, was aus meiner Sicht stimmt, was aber bei den Menschen in der Türkei nie angekommen ist.“ Wichtig sei es, den Kontakt zu den türkischstämmigen Nachbarn nicht abreißen zu lassen – „auch wenn es kontrovers ist“. Dass das schwieriger wird, sobald es um politische Themen geht, das hat sie jedoch zu Hause in ihrem Augsburger Wahlkreis selbst erfahren. Dort seien Vertreter der türkischen Gemeinde zu Gesprächen mit ihr nicht mehr erschienen und hätten mitgeteilt, dies sei „eine Anweisung aus Ankara“.

Dennoch machte sich Roth dafür stark, die Dialoge auch mit der türkischen Regierung nicht abzubrechen. „Es wäre sehr falsch, wenn wir jetzt von uns aus alle Türen zuschlagen. Denn das wäre genau das, was Erdogan erreichen will.“ In dem Punkt erntete die einstige Grünen-Vorsitzende keinen Widerspruch. Kontrovers wurde es in der Runde im Alten Kreisbahnhof erst ganz zum Schluss, als eine Teilnehmerin das Thema Kopftuch ansprach und ein generelles Verbot forderte. Claudia Roth lehnte das ab. Es gebe viele muslimische Frauen, die sich aus freien Stücken für das Kopftuch entschieden. Ihnen das zu untersagen, stärke die Rechte der Frauen nicht.

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erstellt am 05.Dez.2016 | 08:40 Uhr

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