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Neue Ausstellung im Stadtmuseum : Deutschland blickte auf den Lollfuß

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wie Schleswig am Vorabend des Ersten Weltkriegs den Sieg über Dänemark von 1864 feierte.

von
erstellt am 06.Feb.2014 | 17:15 Uhr

Es war ein Volksfest, über das in ganz Deutschland berichtet wurde. Die Schleswiger Nachrichten veröffentlichten ein 48-seitiges Sonderheft, das mehrmals nachgedruckt wurde. Heute vor genau 100 Jahren wurde ein Gedenkstein eingeweiht, der noch immer an der Ecke von Lollfuß und Flensburger Straße am Gehweg steht, aber kaum jemandem mehr auffällt. Das Stadtmuseum widmet diesem Stein, der den Sieg im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 feiert, jetzt eine kleine Ausstellung. Höhepunkt ist ein fünf Minuten langer Film über die Feierlichkeiten. Er ist einer der ältesten erhaltenen Filmdokumente aus ganz Schleswig-Holstein. Schon einen Tag nach den Feierlichkeiten war er in den Schleswiger Kinos zu sehen. Danach schlummerte er über Jahrzehnte nahezu vergessen im Tresor der Stadtkasse im Rathaus. „Mein Vorgänger Theo Christiansen berichtete mir davon, als ich sein Amt übernahm“, sagt Museumsleiter Holger Rüdel. Das war 1985. Inzwischen hat das Landesarchiv den Film digitalisiert.

In beeindruckend scharfen Bildern können die Ausstellungsbesucher jetzt sehen, wie preußische Offiziere mit Pickelhauben und Beamte mit Zylindern durch den Stadtweg und den Lollfuß marschieren – vorbei an Häusern, die mit Tannengrün geschmückt sind und von denen manche ihr Aussehen bis heute kaum verändert haben. Manchmal stehen uralte Männer in fremdartig anmutender Kleidung im Bild. Es sind österreichische Veteranen, die 50 Jahre nach den Schlachten rund um Schleswig zur Jubiläumsfeier eingeladen wurden. Die Stadt Schleswig hatte über Zeitungen in der Steiermark nach den alten Kämpfern gesucht.

Zu den Ausstellungsstücken in den Vitrinen des Stadtmuseums zählen auch Antwortschreiben aus Österreich, in denen die Veteranen entweder zu- oder absagten. Wer selbst nicht lesen und schreiben konnte, ließ seinen Brief von einem Bekannten verfassen. Die Fundstücke stammen überwiegend aus dem Gemeinschaftsarchiv von Stadt und Kreis in der Suadicanistraße. Archivleiter Matthias Schartl hat die Ausstellung gemeinsam mit Holger Rüdel gestaltet. „Mit unserem Blick auf die Jubiläumsfeiern vom 6. Februar 1914 grenzen wir uns ab von den vielen anderen Veranstaltungen, die in diesen Tagen an den Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 erinnern“, sagt Rüdel. Mit Schartl ist er sich einig, dass es angebracht wäre, den Gedenkstein, der heute 100 Jahre alt wird, mit einer Erläuterung zu versehen. Bürgermeister Arthur Christiansen hat bereits angedeutet, dass dies demnächst geschehen könnte. Die Inschrift des Steins feiert die „Befreiung“ der Stadt. Schartl sieht darin eine preußische Umdeutung der tatsächlichen Ereignisse. Als preußische und österreichische Truppen die Dänen aus der Stadt vertrieben, habe man dies als deutsch gesinnter Schleswiger zwar als Befreiung empfunden, sagt er. „Aber statt des erhofften unabhängigen Schleswig-Holstein in einem geeinten Deutschland kam dann die preußische Knute.“ In den Festreden 1914 sei stets spürbar, wie die Bevölkerung bereits auf den nächsten Krieg eingeschworen wurde – den Ersten Weltkrieg, der noch im selben Jahr ausbrach.

> Die Ausstellung im Stadtmuseum, Friedrichstraße 9-11, ist bis zum 18. April täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

 

 

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