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Schleswiger Nachrichten

18. Dezember 2017 | 18:19 Uhr

Schleswig : Deutsch lernen mit allen Sinnen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im DaZ-Zentrum an der Bugenhagenschule nehmen zurzeit 75 Kinder aus Schleswig und Umgebung am Sprachunterricht teil.

von
erstellt am 28.Feb.2017 | 14:15 Uhr

Noch kann die kleine Hala nur ein paar Brocken Deutsch sprechen. Das ist allerdings auch kein Wunder, schließlich ist die Siebenjährige erst vor wenigen Wochen mit ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland gekommen. Jetzt aber geht es für sie mit Riesenschritten voran. Täglich erweitert sie ihren Wortschatz, auch erste Sätze hat sie schon gelernt – und zwar spielend. Denn Hala ist eines von 75 Kindern, die zurzeit das DaZ-Zentrum (Deutsch als Zweitsprache) in der Bugenhagenschule besuchen. Und dort sind Lernspiele nicht nur ein wichtiges Arbeits-Instrument für die Lehrer, sondern sie stehen auch ganz weit oben auf der Beliebheits-Rangliste der bunt gemischten Schülerschar.

Seit bereits drei Jahren gibt es innerhalb der Grundschule die Einrichtung, die sowohl vom Land als auch dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) unterstützt wird. Insgesamt sieben Lehrkräfte stehen der Schule derzeit für den DaZ-Bereich zur Verfügung. „Insbesondere im vergangenen Jahr sind im Zuge der Flüchtlingswelle sehr viele Schüler zu uns gekommen, die kein Deutsch sprechen konnten. Zum Glück haben da das Bildungsministerium und das Schulamt schnell reagiert, so dass wir personell jetzt ganz gut ausgestattet sind“, sagt Schulleiterin Maike Rickertsen.

Tatsächlich würde es ohne genügend und vor allem auch gut ausgebildetes Personal gar nicht funktionieren. Schließlich müssen täglich verschiedenen Gruppen mit verschieden Sprachniveaus betreut werden. Los geht es für die Kinder, die so gut wie kein Deutsch können, in der Basisstufe. Davon gibt es im DaZ-Zentrum zurzeit zwei Gruppen. Ist diese Hürde gemeistert, wechseln die Mädchen und Jungen in die Aufbaustufe. „Das bedeutet, dass sie nur noch fünf bis neun Stunden bei uns und den Rest der Schulzeit in ihren normalen Klassen sind“, erklärt DaZ-Leiterin und Lehrerin Christiane Zeitz-Balduhn. Hiervon gibt es aktuell drei Gruppen, und zwei weitere befinden sich zurzeit in der Integrations-Phase, in der die Schüler bereits gute Deutschkenntnisse vorweisen können, in der Regel aber noch zwei Stunden pro Woche den Sprachförder-Unterricht besuchen. „Jedes Kind hat dabei seinen ganz individuellen Lernweg. Manche sind schneller, andere langsamer. Denn wir haben hier vom Förderschüler bis zum künftigen Gymnasiasten alles dabei“, betont Zeitz-Balduhn.

Nur weil das DaZ-Zentrum in der Bugenhagenschule ist, bedeutet dies indes nicht, dass alle Schüler, die es besuchen, auch automatisch an der Friedrichsberger Grundschule den Regelunterricht besuchen. „In der Basisstufe betreuen wir Schüler aus halb Schleswig und auch aus Busdorf oder Fahrdorf. Wenn sie soweit sind, gehen sie auch wieder dorthin und werden dann vor Ort weiter betreut in Sachen Sprachförderung“, erklärt Zeitz-Balduhn. Unter anderem gebe es dafür differenziertes Lernmaterial für DaZ-Schüler, damit diese am normalen Unterricht teilnehmen können.

Dass einige Eltern sich Sorgen machen, dass das Unterrichtsniveau sinken könnte, wenn mehrere Schüler mit nur geringen Deutschkenntnissen in der Klasse ihrer Kinder sitzen, weiß man auch an der Bugenhagenschule. „Den meisten ist aber bewusst, dass wir an unserer Schule – gerade weil wir traditionell einen hohen Ausländeranteil haben – stets viel Wert auf Qualität legen. Nicht umsonst schneiden unsere Schüler bei Vergleichen immer sehr gut ab“, sagt Christiane Zeitz-Balduhn. Und Maike Rickertsen fügt an: „Wir waren immer schon eine bunte Schule, das zeichnet uns aus. Deswegen klappt die Intergration der DaZ-Schüler auch ohne Probleme.“

Dazu trägt sicherlich auch das hohe Niveau der Sprachförderung bei. Um das noch weiter anzuheben, nimmt die Bugenhagenschule als eine von 13 Schulen landesweit künftig an dem Programm „DaZ-digital“ teil. Dabei soll mit Hilfe von Tablet-Computern eine noch individuellere Förderung der Schüler möglich sein. Hinzu kommt die gezielte Unterstützung durch Sponsoren, etwa dem Schleswiger Lions Club, dem Kreis Schleswig-Flensburg und dem Service-Club „Tangent 55“. Hinzu kommt eine von der Awo betreute Hausaufgabenhilfe sowie die Unterstützung von Praktikanten, Flüchtlingslotsen und auch einigen Flüchtlingen.

Unabhängig davon heißt es für die DaZ-Lehrer immer auch selbst kreativ zu sein, wie Christiane Zeitz-Balduhn betont. „Man muss sich laufend etwas Neues ausdenken. Die Kinder entdecken die Welt und auch die fremde Sprache mit allen Sinnen“, sagt sie. Diese Aufgabe sei eine Herausforderung. „Sie macht aber auch unheimlich viel Spaß. Es ist täglich ein neues Abenteuer.“

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