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Schleswig : Deutsch lernen am „Ort des Friedens“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bildungsministerin Britta Ernst besuchte gestern Sprachunterricht an der Dannewerkschule.

von
erstellt am 07.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Allein die Begrüßung machte mächtig Eindruck. Denn gleich in 13 verschiedenen Sprachen – von Mazedonisch über Arabisch bis hin zu Kurdisch – wurde Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) gestern an der Dannewerkschule willkommen geheißen, als sie das dort installierte Daz-Zentrum (Deutsch als Zweitsprache) besuchte. Sie hatte sich bereits in den vergangenen Wochen, mit Blick auf die zunehmenden Zahl von Flüchtlingen auch in Schleswig-Holstein, mehrere Sprachförderungseinrichtungen angesehen, um sich ein Bild von der Arbeit und den Problemen vor Ort zu machen.

Bereits seit 2009 werden im Daz-Zentrum der Dannewerkschule Schüler aus Schleswig und der gesamten Region unterrichtet. Aktuell lernen hier 40 Mädchen und Jungen aus 14 Nationen Deutsch – Tendenz steigend. „Diese Räume sind für viele der Jugendlichen die erste Bildungsstation, nachdem sie das Auffanglager für Flüchtlinge in Neumünster verlassen haben. Sie sollen deshalb auch ein Ort des Friedens sein“, erklärte Daz-Koordinator Stefan Brömel. Das sei, neben dem Erwerb der Sprache, besonders wichtig. Denn über 40 Prozent der Schüler kämen inzwischen aus Syrien. „Und diese hatten, bis sie hier zu uns kamen, bereits sehr viel durchgemacht.“

Das Konzept, mit dem an der Dannewerkschule gelernt wird (in Kooperation mit dem Daz-Zentrum am Schleswiger Berufsbildungszentrum), hat sich inzwischen landesweit einen guten Ruf erarbeitet. Dabei setzen die Lehrkräfte in erster Linie auf individuelle Förderung der Jugendlichen und vielfältiges Arbeitsmaterial. „Es kommt so gut wie nie vor, dass zwei Schüler gleichzeitig an der selben Aufgabe arbeiten“, erklärte Daz-Lehrerin Katrin Keden-Laußer. Denn es gebe viele verschiedene Probleme zu beachten: Während einige Neuankömmlinge zumindest ein wenig Englisch sprechen könnten, säßen anderen Teenager zum ersten Mal in ihrem Leben in einer Schule oder hätten noch nie das lateinische Alphabet gesehen. Diese unterschiedlichen Voraussetzungen und Begabungen führen schließlich dazu, dass jeder Schüler einen eigenen Stundenplan hat. So kann er nach und nach in den Regelunterricht integriert werden.

Eine, die in dieser Entwicklung schon Riesenschritte gemacht hat, ist die 13-jährige Majeda. Seit Oktober 2013 lebt sie in Eggebek und hat seitdem schon so gut Deutsch am Daz-Zentrum gelernt, dass sie – bis auf wenige Ausnahmen – ganz normal am Unterricht teilnimmt. „Ich möchte mal Kinderärztin werden“, sagt sie. Najeeb, wie Majeda ebenfalls aus Syrien stammend, ist sogar noch einen Schritt weiter. Er kam im August 2013 – ohne ein Wort Deutsch sprechen zu können – nach Schleswig. Inzwischen beherrscht er es so gut, dass er jetzt die achte Klasse der Lornsenschule besucht.

Britta Ernst zeigte sich, nicht nur mit Blick auf diese beiden Schüler, „sehr beeindruckt“ von den Arbeitsabläufen innerhalb des Daz-Zentrums. „Man spürt den guten Geist hier. Ich sehe viele positive Ansätze, die ich mitnehme ins Ministerium“, lobte sie.

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