zur Navigation springen

Ingo appelt : Derber Humor und ein Treffen in den Katakomben

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Comedian schwankte bei Auftritt auf der Freiheit zwischen Genialität, Plattitüden und Sprüchen unter der Gürtellinie.

shz.de von
erstellt am 22.Feb.2014 | 07:45 Uhr

Eines gleich vorweg: Wer glaubte, der geläuterte Sexist Ingo Appelt komme mittlerweile ohne das „F-Wort“ aus, wurde am Donnerstagabend in der „Heimat“ eines Besseren belehrt. Ob als verbaler Befreiungsschlag für die unterdrückte Männlichkeit oder als preiswürdige Integrationsmaßnahme – der Begriff war zweieinhalb Stunden lang sein ständiger Begleiter. Wer also Probleme mit derber Wortakrobatik zum zwischenmenschlichen Akt hatte, hielt sich besser die Ohren zu. Alle anderen hielten sich die Bäuche – vor Lachen.

Eigentlich stand ja die Huldigung der Frauen als „Göttinnen“ auf dem Programm, doch die 300 Zuschauer lagen lieber dem Entertainer aus Essen zu Füßen. Der sorgte von Beginn an mit provokanten Frotzeleien für Lacher im Sekundentakt. Während die Männer als dauerbrünftige Kollateralschäden ihr Fett wegbekamen, wurde es bei den Frauen subtiler: „Eine Frau wird nicht dick, sie dehnt sich nur zusammen mit ihrem Universum aus“. Dabei trugen seine derben Sprüche jenseits aller Oberflächlichkeit zuweilen ungeahnt kritische Züge, die alsbald in sich zusammenfielen: „Statt Maxi-Cosi im Panzer brauchen wir das Kölner Modell: schwule deutsche Soldaten, eingekleidet von Harald Glööckler. Schwul in Kabul – da schmeißen die Taliban ihre Kalaschnikows auf den Boden, wie ihr die Flaschen.“ Gleiches galt für die Politik: „Stoiber reitet gerne auf Ossis rum, nur bei Angela Merkel machte er eine Ausnahme.“ Und so schwankte der 46-Jährige fortwährend zwischen Plattitüden und Sprüchen unter der Gürtellinie.

Brillant dagegen, wie Appelt andere Komiker wie den einschläfernden Dieter Nuhr oder Mario Barth auf die Schippe nahm: „Der gehört in die Anstalt, stattdessen spielt er im Olympiastadion. Hitler weint deshalb heute noch, denn dafür hat er es nicht gebaut.“

In der Pause traf sich Appelt in den Katakomben der „Heimat“ mit Corinna Meyer aus Busdorf und deren Mutter Inge Maaßen. Bei Wein und Wasser plauderte er mit den Gewinnern des von den SN verlosten „Meet and Greet“ über Frisuren, Comedy und die „Provinz am Polarkreis“ (Schleswig-Holstein). Dazu gab’s signierte DVDs.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen