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Direktkandidaten wahlkreis Flensburg-Schleswig : Der Zählkandidat

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Chancenloser Direkt-Kandidat: Frank Hansen, der Kreisvorsitzende der AFD, rechnet fest mit dem Einzug seiner Partei in den Bundestag

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2017 | 17:08 Uhr

In loser Reihenfolge stellt unsere Zeitung die Direktkandidaten im Wahlkreis 1 (Flensburg-Schleswig) vor. Dabei werden jene sechs Parteien berücksichtigt, die bereits im Bundestag vertreten sind beziehungsweise laut Umfragen realistische Chancen haben, ins Parlament einzuziehen. Folge 4: Frank Hansen (AfD).

Er hat keine Chance, das ist schon mal klar. Dennoch fiebert Frank Hansen aus Langballig dem Wahltag entgegen. Für den Direktkandidaten der Alternative für Deutschland (AfD) ist der 24. September der lang ersehnte Termin, an dem seine Partei die große politische Bühne betritt. Und er ist sicher, davon wird auch die AfD in den kleineren Gliederungen auf kommunaler Ebene profitieren. „Ich arbeite daran, die Partei so aufzustellen, dass hier niemand mehr Angst haben muss, sich zur AfD zu bekennen.“

Das ist im Moment in der Tat mit Risiken verbunden – das weiß der 47 Jahre alte Marineoffizier (Fregattenkapitän) aus eigener Erfahrung. Der Bundestagskandidat und Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Schleswig-Flensburg wurde mit seiner Familie wiederholt zum Ziel von Farbanschlägen und Sachbeschädigungen.

Am 24. September sieht er sich wohl sehr realistisch nur als Zählkandidat. Für die Bundestagsliste zu kandidieren, kam nicht in Frage, weil Hansen schon zur Landtagswahl auf Platz 8 der Landesliste angetreten war. Als Kreisverbandsvorsitzender hofft der studierte Staats- und Sozialwissenschaftler gleichwohl auf einen willkommenen Nebeneffekt des als sicher geltenden Einzugs der Alternative für Deutschland in den Bundestag. „Viele unserer Kandidaten für Berlin haben großes Potenzial“, stellt Hansen fest.

Er ist sicher, dass die AfD sich im politischen Diskurs als das profilieren wird, was sie seiner festen Ansicht nach ist: eine liberal-konservative Partei mit libertären Einsprengseln. „Viele, die uns kennen lernen, stellen immer wieder fest: Das negative Bild, das sie von uns haben, das passt ja gar nicht.“ Er ist daher zuversichtlich, dass seine Partei in Berlin Einfluss nehmen kann. Gewiss: Aktuell haben alle Etablierten die Zusammenarbeit ausgeschlossen, räumt er ein. Aber wie war das noch gleich 1982 mit dem grünen Revoluzzer Joschka Fischer und dem roten Ministerpräsidenten Holger Börner und der berühmten Dachlatte?

Schrille Töne gab’s schon damals, ganz gewiss. Und Hansen schiebt ganz offen noch hinterher, dass er sich durchaus so manches Mal gewünscht hätte, die „Lautsprecher“ seiner Partei hätten sich mehr Zurückhaltung auferlegt. Das ändert freilich nichts am programmatischen Dreiklang, der provoziert: Austritt aus dem Euro, Kampf der Islamisierung der deutschen Gesellschaft, Kritik am übermächtigen Parteienstaat, dessen Vertreter, so Hansen, nach der Landtagswahl Schleswig-Holstein nichts Eiligeres zu tun hatten, als sich die Diäten zu erhöhen.

Der Schritt auf die große Bühne, das hofft er, wird den Umgang der anderen mit der AfD normalisieren. „Dann wird die oft ungerechte Behandlung aufhören.“ Frank Hansen glaubt, seine Partei könne die etablierten Parteien in die Richtung ihres Programms bewegen – besonders in Richtung einer plebiszitären Demokratie, die ihm besonders am Herzen liegt. „Das ist ein spannendes Projekt. Wenn wir erreicht haben, dass das Volk mitbestimmen kann, dann haben wir es geschafft. Dann ist die Existenz der AfD zweitrangig.“

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