Flüchtlinge im Berufsleben : Der weite Weg auf den Arbeitsmarkt

Der gelernte Fotograf Alex Dordani (36) aus dem Iran hat hier schon viele Berufe ausgeübt, nun beginnt er bald eine Ausbildung zum Friseur in Hamburg. Hier zeigt er seine beeindruckend filigranen Holzarbeiten.
Der gelernte Fotograf Alex Dordani (36) aus dem Iran hat hier schon viele Berufe ausgeübt, nun beginnt er bald eine Ausbildung zum Friseur in Hamburg. Hier zeigt er seine beeindruckend filigranen Holzarbeiten.

In einem einjährigen Projekt des Jobcenters lernen Flüchtlinge, sich im deutschen Berufsalltag zurechtzufinden.

shz.de von
11. April 2018, 13:45 Uhr

Alex Dordani aus dem Iran lebt seit zweieinhalb Jahren in Deutschland, arbeitet bereits sein ganzes Leben und sucht eine langfristige Perspektive. Im Sommer beginnt der frühere Fotograf eine Ausbildung zum Friseur, vermittelt durch das Projekt „Integration durch Arbeit“ (Ida). Die Initiative schafft neue Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt, und das nicht nur für Geflüchtete. Im ersten halben Jahr vermittelte sie von 74 Teilnehmern 14 in Arbeit und 33 in Praktika. Sprachliche Barrieren, Respekt vor der Bürokratie, ausländische Qualifikationen: Es gibt viele Gründe, die vor allem Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt erschweren. Sie machen knapp 15 Prozent der erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger aus, drei Viertel von ihnen unter 30 Jahre alt. „Ihre hohe Motivation bei uns auf dem Arbeitsmarkt anzukommen, haben sie nicht nur durch den weiten Weg hierher bewiesen“, sagt Nils Wienke, Fachdienstleister für berufliche Eingliederung im Jobcenter Schleswig-Flensburg. Gemeinsam mit der „Gesellschaft für Beruf + Bildung “ (BB) nimmt sich das Jobcenter der Probleme an. Viele bringen die vielfältigsten beruflichen Erfahrungen und Qualifikationen aus ihren Heimatländern mit. Jedoch sind diese oft nicht eins zu eins auf den deutschen Arbeitsmarkt übertragbar.

Auch funktioniert die hiesige Arbeitswelt häufig nach anderen ungeschriebenen Gesetzen, die sich Menschen aus anderen Kulturkreisen nicht auf Anhieb erklären. „Für den deutschen Arbeitgeber ist es ein Problem, wenn statt des Azubis sein Bruder auftaucht, um diesen mal zu vertreten“, erklärt Wienke exemplarisch.

Die Teilnehmer erhalten bei Ida die Möglichkeit, ihr berufliches Können nachzuweisen, neue Berufsfelder zu erkunden und aussagekräftige Bewerbungen zu verfassen. Auf dieser Basis findet die Analyse statt, was für Fähigkeiten die Teilnehmer mitbringen und ob es eine Entsprechung dafür gibt. Es entstehen auch neue Perspektiven: „Hier kann man sich ausprobieren, will ich das machen, was ich bisher tue?“, schildert Melanie Gross von der BB. In den Werkstätten und der Küche vermitteln Ausbilder Grundlagenkenntnisse in den Bereichen Bau, Metall und Hauswirtschaft/Gastronomie. Die erworbenen Kenntnisse sollen zu einem erfolgreichen Abschluss von Praktika und Ausbildungsverträgen beitragen, die hier auch vermittelt werden. Dadurch, dass Ida nicht nur Geflüchteten, sondern allen erwerbsfähigen Arbeitslosen offen steht, ist es auch eine Begegnungsstätte für das interkulturelle Verständnis. Auch nach erfolgreicher Teilnahme hält die Organisation den Kontakt zu den Teilnehmern und ihren Ausbildungsbetrieben. Ida ist zunächst für die Dauer von einem Jahr angelegt und endet im September.

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