Opferhilfe : Der Weiße Ring sucht Mitstreiter

Wollen Kriminalitätsopfern zur Seite stehen: Der stellvertretende Landesvorsitzende Uwe Rath und Werner Loges (rechts), der die Außenstelle in Schleswig leitet.
Foto:
1 von 2
Wollen Kriminalitätsopfern zur Seite stehen: Der stellvertretende Landesvorsitzende Uwe Rath und Werner Loges (rechts), der die Außenstelle in Schleswig leitet.

Die Zahl der Fälle hat sich mehr als verdoppelt.

von
16. Januar 2015, 07:45 Uhr

Die Schleswiger Außenstelle des Weißen Ringes muss immer häufiger Opfern von sexuellem Missbrauch helfen. Dies geht aus der Jahresstatistik hervor, die der Außenstellenleiter Werner Loges gestern vorstellte. Der Weiße Ring betreut Opfer von Straftaten – die sieben ehrenamtlichen Mitarbeiter der Schleswiger Außenstelle sind für das südliche Kreisgebiet zwischen Kappeln und Erfde, Satrup und Schleswig zuständig. „Die Zahl der Fälle hat sich 2014 im Vergleich zum Vorjahr auf fast 90 erhöht und damit mehr als verdoppelt“, erklärt Loges. Das hat nicht so sehr damit zu tun, dass die Zahl der Straftaten sprunghaft gestiegen sei – der Weiße Ring ist in Schleswig einfach bekannter geworden, der Mitarbeiterkreis hat sich erweitert und mehr Opfer als zuvor wenden sich an die Hilfsorganisation. Ein Drittel aller Menschen, die im vergangenen Jahr von der Schleswiger Außenstelle des Weißen Ringes betreut wurden, waren Opfer von sexuellen Straftaten.

Der Anstieg der Zahlen hat natürlich Konsequenzen. Die Arbeitsbelastung der ehrenamtlichen Mitarbeiter ist gestiegen – teilweise sogar über ein zumutbares Maß hinaus. „Eine Dame aus unserem Team war im abgelaufenen Jahr 360 Stunden im Einsatz – das ist einfach zu viel. Die Tätigkeit ist schließlich ehrenamtlich und soll auch noch Spaß machen“, sagt Loges, der einen Fall pro Monat mit etwa fünf Stunden Arbeit für angemessen hält. Aber: „Jedes Opfer hat das Recht, dass wir alles geben“, sagt der Außenstellenleiter.

Gesucht werden deshalb Menschen, die sich in der Opferhilfe engagieren möchten. Wichtigste Voraussetzung ist die Fähigkeit, zuhören zu können. „Und man sollte ein Teamplayer sein“, sagt Werner Loges, „denn wir bieten regelmäßig Gruppengespräche an, in denen wir über unsere Fälle sprechen. Das hilft, um das Gehörte zu verarbeiten.“

Der Weiße Ring finanziert sich ausschließlich aus Spenden und will auch keine öffentliche Förderung, weil er unabhängig bleiben will. An der Ausbildung der Berater wird dennoch nicht gespart. Wer Teil des Teams werden möchte, wird zunächst zu einem „Bewerbungsgespräch“ gebeten. Verläuft das positiv, beginnt die Ausbildung, und zwar damit, dass der Anwärter vier oder fünf erfahrene Berater bei unterschiedlichen Fällen begleitet. Loges: „Danach kann man schon besser beurteilen, ob man für die Aufgabe geeignet ist.“ Es folgen ein Grund- und ein Aufbauseminar, ehe die neuen Berater endlich ihre ersten eigenen Fälle bearbeiten können. „Das kann bis zu einem Jahr dauern“, weiß Loges.

Er ist als Leiter der Gruppe auch dafür zuständig, dass jeder Mitarbeiten nach seinen Neigungen und seinen Fähigkeiten eingeteilt wird. Nicht jeder Mitarbeiter wird in der Lage sein, sich mit Opfern sexueller Gewalt zu beschäftigen, auch Auftritte vor größeren Gruppen in der Schule zu Mobbing oder Cybermobbing sind nicht jedermanns Sache. Die Aufgaben des Weißen Rings sind nämlich vielfältig: Die Mitarbeiter begleiten die Opfer zu Strafprozessen und bei Behördengängen, vermitteln professionelle psychologische Hilfe, organisieren finanzielle Unterstützung, Erholungsmaßnahmen und übernehmen auch Anwaltskosten zur Wahrung des Rechts auf Opferentschädigung. Und manchmal reicht auch ein Gespräch unter vier Augen.

Werner Loges (Tel. 0  46  24/ 80  90  24) ist für Interessenten erreichbar. Eine einfache Aufgabe kann er nicht versprechen: „Aber die Arbeit ist dringend notwendig. Und wenn man einem Opfer aus seiner Not helfen kann, auch sehr befriedigend.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen