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Schleswiger Nachrichten

12. Dezember 2017 | 06:15 Uhr

Kropp : „Der Weg zum Paradies“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Filmvorführung in der Geestlandschule – mit anschließender Aussprache mit dem Regisseur.

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2016 | 07:56 Uhr

„Der Weg zum Paradies“ – auf Persisch „Rahe Behesht“ – heißt der Film, der heute um 19 Uhr in der Aula der Kropper Geestlandschule gezeigt wird. Der Film des Regisseurs Mahmoud Behraznia stammt aus dem Jahr 2002 und thematisiert die Lebensgeschichte von Jalil Nazari. Der junge Afghane war Ende der 90er Jahre in den Iran geflüchtet, wo er Schauspieler wurde – der Film „Djomeh“, in dem er mitgespielt hat, gewann 2000 die Goldene Kamera in Cannes. Dieser Film führte ihn auch zum Filmfest Hamburg, wo seine Biographie eine schicksalhafte Wendung nahm: Ihm wurde die Rückreise in den Iran verweigert.

Die Filmvorführung in Kropp nun hat Andrea Heinrich, die Gleichstellungs- und Flüchtlingsbeauftragte im Amt Kropp-Stapelholm, organisiert. Sie erklärt, wie der Kontakt zu dem in Hamburg lebenden Regisseur Mahmoud Behraznia zustande gekommen war: „Eine Lotsin kommt aus dem Iran und kennt ihn persönlich“, erzählt sie. Als sie vom Inhalt des Films erfuhr, dachte sie sich, dass „das für alle interessant is“. Daher hofft sie auf rege Beteiligung am Filmabend. Die Aula wird mit 100 Stühlen bestückt – umso voller es werde, desto besser, betont Andrea Heinrich und ergänzt: „Ich habe unseren Flüchtlingen auch Bescheid gesagt.“

Ebenfalls mit in Kropp dabei sein wird Mahmoud Behraznia. Mit dem Besuch des gebürtigen Iraners hatte Andrea Heinrich gar nicht gerechnet, freut sich darüber aber sehr. Der Regisseur selber sagt, dass er mit den Zuschauern ins Gespräch kommen, Fragen beantworten und einfach nur diskutieren wolle. Die Geschichte, die der Film erzählt, sei etwas Besonderes, sagt er und ergänzt: „Ich habe auch den Kropper Bürgermeister eingeladen und hoffe, dass er kommt.“ Übrigens: Durch die Filmvorführung hat Kropp ab sofort etwas gemeinsam mit Weltstädten. Denn „Der Weg zum Paradies“ wurde bereits auf dem Tribeca Film Festival in New York gezeigt, das Schauspieler Robert de Niro mit ins Leben gerufen hatte. Auch in Brasilien und Japan sowie auf dem Londoner Film Festival wurde die Geschichte gezeigt – „das allein ist schon eine Auszeichnung“, so Mahmoud Behraznai. Nun also steht die kleine Geestgemeinde im Kalender.

Dabei kam der Regisseur erst über einen Umweg zum Film. Zunächst war der gebürtige Teheraner in den 70er Jahren nach Deutschland gekommen. Doch – anders als der Protagonist seines Dokumentarfilms – sei er damals nicht als Flüchtling gekommen, sondern von seiner Familie zum Studieren des Chemieingenieurwesens in den Westen geschickt worden. Doch nach seinem Abschluss merkte er schnell, dass diese Arbeit nichts für ihn ist. Stattdessen studierte er Film an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und machte 1991 sein Diplom. Seitdem ist er sowohl als Regisseur als auch als Schauspieler aktiv – beim Film „Djomeh“ spielte er die zweite Hauptrolle und lernte so Jalil Nazari kennen, dessen Leben er über ein Jahrzehnt lang mit der Kamera begleitete.

Wie es dem jungen Afghanen in Deutschland ergangen ist, wo er die „Hölle“ erlebt, wie und wo er „den Weg zum Paradies“ gefunden hat, das alles erfahren die Zuschauer heute bei der Filmvorführung in der Aula der Geestlandschule. Nur eins vorweg: Wäre Schauspieler Jalil Nazari im Jahr 2001 nach Afghanistan abgeschoben worden, hätte der Künstler sein Leben verloren, ist Regisseur Mahmoud Behraznia überzeugt.

Wer nach dem Filmabend wissen möchte, was aus Jalil Nazari geworden ist, kann darauf hoffen, dass der Nachfolgefilm von 2016 „Der Prinz“ aus dem Jahr 2016 ebenfalls in Kropp gezeigt wird.

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