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Wahlkreis 1 Flensburg-Schleswig : Der Wahlkampf um die Kandidatur

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Am 11. Juli küren die Mitglieder ihren Direktkandidaten zur Bundestagswahl: Der Schleswiger Helge Lehmkuhl kritisiert den Versammlungsort Tarp.

Der Andrang dürfte ziemlich groß sein, wenn die CDU-Mitglieder am Dienstag, 11. Juli (19.30 Uhr), in Tarp zusammenkommen, um ihren Direktkandidaten im Bundestagswahlkreis 1 (Flensburg-Schleswig) zu küren. Immerhin haben mit Petra Nicolaisen, Helge Lehmkuhl und Christoph Weitkamp mittlerweile gleich drei Bewerber ihre Ansprüche auf die Nachfolge von Sabine Sütterlin-Waack geltend gemacht. Und wer weiß, ob nicht kurzfristig ein weiterer Politiker seinen Hut in den Ring wirft. Die CDU-Spitze hat darauf reagiert und das Lokal gewechselt. Statt im bereits gebuchten „Haus an der Treene“ wird die Wahlkreismitgliederversammlung nun im nur wenige hundert Meter entfernten Tarper „Landgasthof“ stattfinden. Der dortige Saal hat annähernd 600 Plätze und ist damit erheblich größer als der im „Haus an der Treene“. In diesen Tagen werde man die Mitglieder darüber informieren, kündigte Johannes Callsen, Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Schleswig-Flensburg, an.

Die Parteiführung reagierte damit auch auf ein Schreiben von Helge Lehmkuhl. Der Schleswiger Ratsherr und CDU-Stadtverbandsvorsitzende hatte moniert, dass die zuvor vorgesehenen Räumlichkeiten viel zu klein seien. Doch Lehmkuhl geht es in seiner Mail, die er auch an alle Orts- und Bezirksverbandsvorsitzenden geschickt hat, um noch viel mehr. So wirft er die Frage auf, warum die Veranstaltung überhaupt in Tarp und nicht etwa in Schleswig stattfindet. Die Kreisstadt, so argumentiert er, sei die „verkehrstechnisch goldene Mitte“. Dort fänden schließlich auch die ordentlichen Kreisparteitage statt, damit die Mitglieder aus dem südlichen Kreisgebiet keine unverhältnismäßig langen Anfahrtswege hätten. Dabei verweist Lehmkuhl zugleich darauf, dass allein sein Stadtverband mehr als 200 Köpfe stark sei und somit nur unwesentlich weniger Mitglieder zähle als der CDU-Kreisverband Flensburg.

Natürlich befürchtet der Schleswiger, dass seine Kontrahentin Petra Nicolaisen in Tarp ein Heimspiel haben wird. Die Landtagsabgeordnete wohnt im benachbarten Wanderup. Lehmkuhl, der für viele Parteifreunde überraschend den Sprung von der Kommunalpolitik auf die große Bühne wagt, gilt ohnehin als Außenseiter. Das gilt in noch stärkerem Maße für den ebenfalls aus Schleswig stammenden Steuerberater Christoph Weitkamp, der parteipolitisch bislang überhaupt noch nicht in Erscheinung getreten ist – sich als Mann aus der Wirtschaft gleichwohl Chancen ausrechnet.

Lehmkuhls Bedenken werden in der Partei allerdings nur bedingt geteilt. Nicht nur der Kreisvorsitzende Callsen erinnert daran, dass die CDU-Wahlkreisversammlungen in den vergangenen Jahren stets in Tarp stattgefunden haben. „Da hat es nie Widerspruch gegeben.“ Auch im südlichen Kreisgebiet gibt man sich gelassen. „Wir sind es gewohnt, nach Tarp zu fahren. Wir bilden immer Fahrgemeinschaften“, sagt etwa der Kropper Ortsverbandsvorsitzende Holger Schwien. Ähnlich äußert sich Thomas Klömmer, Vorsitzender des Bezirksverbands Stapelholm, dessen Mitglieder einen noch weiteren Anfahrtsweg in Kauf nehmen. Klömmer empfindet es jedoch als „unglücklich“, dass die beiden Kreisvorstände eine Empfehlung für Petra Nicolaisen ausgesprochen haben. Das sei bei der Nominierung von Jost de Jager vor der Bundestagswahl 2013 genauso gewesen. „Dabei sollen doch die Mitglieder entscheiden“, sagt Klömmer.

Der damalige CDU-Landesvorsitzende de Jager hatte sich in der parteiinternen Kampfabstimmung um die Direktkandidatur im Wahlkreis 1 hauchdünn gegen Sabine Sütterlin-Waack durchgesetzt. Als er sich dann Anfang 2013 aus der Politik zurückzog, stimmten die CDU-Mitglieder im zweiten Anlauf für Sütterlin-Waack, die bei der Bundestagswahl im Duell mit ihrem SPD-Kontrahenten Dirk Peddinghaus schließlich auch das Direktmandat errang und in den Bundestag einzog. Im vergangenen November wurde die Lürschauerin mit 99,3 Prozent der Stimmen in Tarp abermals für die Bundestagswahl im kommenden September nominiert. Doch da Sütterlin-Waack nun als Justizministerin in die neue Landesregierung gewechselt ist, müssen die Christdemokraten einen neuen Kandidaten küren, der im Herbst mit dem von der SPD aufgestellten Clemens Teschendorf (Steinbergkirche) um das Direktmandat ringen wird.

Die Empfehlung für seine Landtagskollegin Nicolaisen verteidigt Callsen. „Als Kreisvorsitzender ist es meine Verantwortung zu gucken, wie wir die besten Voraussetzungen schaffen, um das Direktmandat zu gewinnen“, sagt er. Petra Nicolaisen sei vor allem in Flensburg bekannter, weil sie sich als Landtagsabgeordnete schon immer auch um die Stadt gekümmert habe.

Hinter den Kulissen versuchen die jeweiligen Lager, möglichst viele Anhänger für die Abstimmung am 11. Juli zu mobilisieren. Dass es dabei zu unlauteren Methoden wie im Vorfeld der Landtagswahl kommen könnte, das wird allgemein ausgeschlossen. „Es muss alles fair und sauber bleiben“, stellt Helge Lehmkuhl klar. Zugleich unternimmt er wie sein Mitbewerber Christoph Weitkamp alles, um sich bei den Parteifreunden bekannter zu machen. Beide haben die CDU-Kreisgeschäftsstelle in Schleswig gebeten, entsprechende Vorstellungsschreiben zu versenden. Die Kosten dafür, so betonen sowohl Lehmkuhl als auch Weitkamp, werden sie natürlich persönlich übernehmen.

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erstellt am 03.Jul.2017 | 10:57 Uhr

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