Diabetes-Warnhund : Der treue Begleiter muss draußen bleiben

Florian und seine Hündin Nitha mit Lena-Marie und  Ben. Die vier besuchen einen Lehrgang  in der Hypo-Hundeschule in Uelsby.
Florian und seine Hündin Nitha mit Lena-Marie und Ben. Die vier besuchen einen Lehrgang in der Hypo-Hundeschule in Uelsby.

Sabine Sandvoß lässt den Hund ihres kranken Sohnes zum Diabetes-Warnhund ausbilden – der ist vielerorts jedoch unerwünscht. Dabei hat die Landesregierung die Rechte von Menschen mit Assistenzhhunden gerade erst gestärkt:

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22. März 2014, 12:00 Uhr

Verweigert man einem kleinen Jungen, der von seinem Diabetes-Warnhund begleitet wird, weil jederzeit ein gefährlicher Krampfanfall droht, den Zutritt? Schwer vorstellbar, doch für Sabine Sandvoß aus Hörup bittere Realität. „Man wird skeptisch beäugt, und wir sind mit unserer Nitha oft gar nicht erst in ein Geschäft hineingelassen worden oder wurden rigoros rausgeschmissen“, berichtet die 34-Jährige. Sie sei schockiert von der Verständnislosigkeit einiger Menschen.

Ihr Sohn Florian leidet seit er knapp zwölf Monate alt ist an Diabetes Typ I, ist noch dazu „Briddle“-Diabetiker. „Das heißt, dass er oft von einem Moment auf den anderen lebensbedrohlich unterzuckert, schlimme Krampfanfälle hat“, erklärt die vierfache Mutter. Deshalb hat der Sechsjährige seit einem halben Jahr eine treue Begleiterin: Nitha. Sie ist zwar noch in der Ausbildung zum so genannten Hypo-Hund, besucht die darauf spezialisierte Hundeschule von Anna Sophie und Felix Müller in Uelsby, doch schon jetzt ist Nithas Anwesenheit laut Sandvoß Gold wert: Sie kratze mit der Pfote oder gebe ihr oder ihrem Mann Bescheid, wenn Florians Blutzuckerspiegel absinkt. Nitha trägt bereits eine auffällige Weste, die sie als Assistenzhund kennzeichnet. „Aber viele wollen nicht einmal die Bescheinigung sehen, die ich immer dabei habe. Erst vor kurzem wurde ich mit Florian und Nitha nicht in eine Apotheke gelassen.“

Die Landesregierung hat die Rechte von Menschen, die von einem Assistenzhund begleitet werden, gerade erst gestärkt: Hypo-Hunde stehen demnach auf derselben Stufe wie Blindenhunde, sind unter anderem vom Verbot in Schulen, Krankenhäusern, Badeanstalten und weiteren Einrichtungen – auch während der Ausbildung – ausgenommen. „Das ist ein bedeutender Schritt, vor dem Gesetz sind die Hunde wichtige medizinische Hilfsmittel“, sagt Sandvoß – doch davon merkt sie im Alltag nichts. „Man muss tagtäglich mit Konfrontationen rechnen.“ Sie könne verstehen, wenn andere Menschen zunächst skeptisch sind, sagt sie. „Aber selbst, wenn man es ihnen erklärt, reagieren viele ablehnend. Nitha ist nun mal ein besonderer Hund, der Florian das Leben retten kann.“

Eines Tages habe sie bemerkt, dass die Hündin einer Freundin anschlägt, wenn Florian unterzuckert. „Das war unglaublich. Hätte ich es nicht miterlebt, würde ich es wahrscheinlich selbst nicht glauben“, gibt sie zu. Sie informierte sich, fand heraus, dass Hunde eine Unterzuckerung riechen können und man sie darauf trainieren kann, diese anzukündigen. Schnell stieß sie auf die Hypo-Hundeschule, beschloss, für Florian einen Begleiter anzuschaffen. Die Krankenkasse und die „Aktion Kindertraum“ unterstützen Nithas Grundausbildung, die fast 5000 Euro kostet. Sandvoß erklärt: „Florians Blutzuckerspiegel muss alle zwei Stunden gemessen werden, wir müssen sogar Nachtwache halten. Wenn er abrupt unterzuckert, kommt selbst der Sensor seiner Insulin-Pumpe oft nicht mit.“ Nitha reagiere schon jetzt, obwohl die Ausbildung noch läuft.

„Man kann sich besser auf den Hund verlassen als auf das Gerät“, sagt auch Freundin Britta Greve aus Schafflund, die wie ihre Tochter Lena-Marie (15) Diabetikerin ist und für diese „Ben“ anschaffte. Auch er wird zum Hypo-Hund ausgebildet. „Viele meinen, Diabetes ist leicht zu handhaben, aber auch Lena kann jederzeit plötzlich unterzuckern. Ich bin schon jetzt beruhigt, wenn Ben bei ihr ist“, sagt Greve. Lena-Marie hat Ben eine Zeit lang mit in die Schule genommen, um ihn daran zu gewöhnen. Dort sei er jederzeit willkommen. Nitha geht einmal pro Woche mit Florian in die Kita, mehr soll auch ihr noch nicht zugemutet werden. Lena-Marie erzählt aber auch: „Ich musste Ben in einem Laden schon einmal tragen, weil ich sonst nicht hinein gedurft hätte.“ Dies sei aber ein Einzelfall gewesen. Ansonsten hätten sie Glück, sagt ihre Mutter, in Schafflund gebe es keinerlei Probleme, die meisten Menschen seien verständnisvoll.

Das wünscht sich Sabine Sandvoß nur zu sehr. In Hörup seien sie und ihr Sohn erst vor zwei Wochen aus einem Laden hinaus zitiert worden. Greve sagt, es dürfe einfach nicht passieren, dass kranke Menschen mit ihren Assistenzhunden auf so viel Widerstand stoßen – schließlich habe man diese nicht zum Spaß. „Es ist viel Arbeit.“ Vor der Tür anbinden werde sie Nitha jedenfalls nicht, sagt Sabine Sandvoß. „Das wäre ja, als wenn man die Insulin-Pumpe abbaut und draußen vor die Tür legt.“


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