zur Navigation springen

Konzeptstudie : Der Traum vom neuen Theater-Viertel in Schleswig

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Frankfurter Beratungsbüro schlägt vor: Bücherei und Volkshochschule aufs Theatergrundstück – außerdem Hotel und Seniorenwohnungen. Was fehlt, ist jemand, der das bezahlt.

Schleswig | Es sind hoch fliegende Pläne, die Sven Graven vom Frankfurter Beratungsbüro Wüest & Partner gestern im Rathaus vorgestellt hat. Werden die Vorschläge Wirklichkeit, dann entsteht rund um das Theater im Lollfuß ein neues Kultur-Viertel mit Hotel, Wohnungen, Stadtbücherei und Volkshochschule. Wenn. Denn bisher ist alles nur ein Traum, wenn auch seit gestern Abend ein sehr konkreter.

Graven betonen ausdrücklich, dass sich die Konzeptstudie nicht auf das Theater selbst bezieht, sondern nur auf die angrenzenden Grundstücke. In allen Skizzen, die er gestern vorlegte, geht er stillschweigend davon aus, dass das Stadttheater, wenn es wieder aufgebaut wird, so ähnlich aussieht wie der einsturzgefährdete Vorgängerbau, der noch in diesem Herbst abgerissen werden soll. In seiner Studie heißt es lapidar: „Das Kerntheater am Lollfuß 49 soll durch öffentliche Mittel/städtisches Engagement errrichtet werden.“

Aufgabe des Planungsbüros war es nun, ein Konzept für die Umgebung vorzulegen, mit dem der Bürgermeister und andere städtische Interessenvertreter für die Rettung des Theaterstandortes werben können. Der Grundgedanke: Die Sache soll für potenzielle Investoren so attraktiv sein, dass sie bereit sind, zugleich Büros und Werkstätten für das Landestheater zu bauen und diese zu einem besonders günstigen Preis zu vermieten. Die Studie macht deutlich, dass das schwierig wird. Graven empfiehlt, „möglichst nur kleinere Nebenflächen für das Theater privatfinanziert zur Verfügung zu stellen“. Er geht eher von 750 Quadratmeter aus als von den im günstigsten Fall angepeilten 1800 Quadratmetern. Außerdem ist eingepreist, dass die Stadt Schleswig mit der Stadtbücherei und der Volkshochschule in das neue Theaterviertel umzieht – und entsprechende Mieten an den Investor zahlt. Das Volkshochschulgebäude in der Königstraße könnte die Stadt dann verkaufen. Die Stadtbücherei in der Moltkestraße befindet sich schon jetzt in angemieteten Räumen.

Potenzial sieht die Konzeptstudie in der Idee, bis zu 50 seniorengerechte Wohnungen zu bauen – und eventuell auch ein Pflegeheim. Sie verbannt aber aber einige Ideen, die in den vergangenen Monaten in der Stadt die Runde machten, auch direkt nach Wolkenkuckucksheim: Eine Spielbank (Investitionsvolmen drei bis vier Millionen Euro) wird es am Lollfuß definitiv nicht geben. Schleswig-Holstein habe bereis eine sehr hohe Spielbankendichte, eine Genehmigung durch Finanz- und Innenministerium sei nahezu ausgeschlossen.

Auch was ein Hotel betrifft, rät Graven dazu, kleinere Brötchen zu backen. Von einem großen Tagungshotel – womöglich in Konkurrenz zum Waldschlösschen – rät er ab. Die notwendige Ausnutzung sei kaum zu erreichen. Feriengäste blieben meist nur wenige Tage in der Stadt, und für eine nennenswerte Zahl an Geschäftsreisenden fehlte Schleswig das produzierende Gewerbe. Große Hotelketten würden sich für Schleswig als Standort nicht interessieren. Erfolgversprechender sei es, mit Hotelbetreibern aus der Region zusammenzuarbeiten.

Graven macht zudem deutlich, dass die Konzeptstudie kein starres Modell ist. Vielmehr werde es erforderlich sein, auf die Wünsche von möglichen Investoren einzugehen. Mit Blick auf die Ratsversammlung betont er: „Eine breite politische Unterstützung für das Projekt ist anzustreben.“

zur Startseite

von
erstellt am 16.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen