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Verein Bunde Wischen : Der Todesschuss fällt auf der Weide

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Schlachttiere des Vereins Bunde Wischen – Robustrinder, die ganzjährig auf der Weide leben – werden ebendort per Kugelschuss stressfrei getötet.

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2014 | 15:19 Uhr

Schleswig | Entspannt schauen die Galloways zu den Menschen hinüber. Dann ein Schuss, nahezu im selben Moment fällt eines der Tiere lautlos in sich zusammen. Bei den anderen ist höchstens ein kurzer Schreck zu spüren, dann gehen sie zur Tagesordnung über. Auf diese Weise, mit einer Kugel aus der Herde heraus statt mit Bolzenschuss im Schlachthof, werden beim Verein Bunde Wischen Schlachttiere getötet, deren Fleisch dann auf dem vereinseigenen Bioland-Hof vermarktet wird.

Aus Sicht von Geschäftsführer Gerd Kämmer ist diese Praxis ein konsequenter Bestandteil artgerechter Tierhaltung, wie der Verein sie praktiziert. Man dürfe nicht die Augen verschließen vor dem letzten Gang, wenn die Tiere zu Lebensmitteln werden: „Gerade dann fügen wir ihnen sonst den meisten Stress zu.“

Anders bei Bunde Wischen: Die Trennung von der Herde, das Treiben und Einsperren, die Kopffixierung – all das bleibt den schlachtreifen Robustrindern erspart. Möglich macht das ein Passus in der Schlachtverordnung, der eine entsprechende Ausnahmegenehmigung für „Rinder, die ganzjährig im Freien gehalten werden“, vorsieht – vorbehaltlich einer behördlichen Genehmigung. Die Nachweise, die Voraussetzung dafür sind, haben Gerd Kämmer und ein Mitarbeiter erbracht.

Geschossen wird, anders als bei der klassischen Jagd, mit einem Kleinkalibergewehr „genau ins Hirn“. Der Einsatz dieser Waffe gewährleistet nach Kämmers Worten „einen minimalen Eingriff bei maximaler Wirkung“. Diese Erkenntnis ist eine von vielen, die im Rahmen des Forschungsvorhabens mit der Universität Witzenhausen gewonnen wurden, mit dem das Projekt seinen Ausgang nahm.

Seit Juni nun liegt die endgültige Genehmigung für diese Praxis vor. „Wir töten unsere Tiere nur noch per Kugelschuss auf der Weide“, sagt Biologe Kämmer. 180 Robustrinder sind das pro Jahr, der Großteil davon Galloways. Nach dem Schuss werden sie vor Ort ausgeblutet, die Körper dann umgehend in einen Schlachtbetrieb transportiert.

Die Gesamtherde von Bunde Wischen umfasst etwa 600 Galloways und 100 Schottische Hochlandrinder. Rund ums Jahr leben sie im Herdenverband auf verschiedenen Flächen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. „Wir bewirtschaften insgesamt 1300 Hektar, schwerpunktmäßig in den Kreisen Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde und der Stadt Flensburg“, erläutert der Bunde-Wischen-Geschäftsführer.

Den Tod finden alle Tiere auf einer Weide in Schleswig, auf die sie rechtzeitig vorher gebracht werden. Hier ist ein fester Schießstand installiert, der den sicheren Schuss gewährleistet. Fachgerechtes Töten, ein stressfreier Tod: Für Bunde Wischen das ein Stück Verantwortung gegenüber den Tieren.

Wer wissen möchte, wie die Tötung der Tiere in der Praxis vor sich geht, kann sich das in einem Video im Internet anschauen.

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