Überfall auf Schleswiger Bistro-Mitarbeiterinnen : Der Tipp kam aus der Küche

An dieser Kreuzung zwischen Hafenstraße und Hafengang wurden 24. Mai des vergangenen Jahres zwei junge Frauen überfallen.
An dieser Kreuzung zwischen Hafenstraße und Hafengang wurden 24. Mai des vergangenen Jahres zwei junge Frauen überfallen.

Fünf junge Männer müssen sich seit Montag vor dem Flensburger Landgericht verantworten.

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19. Mai 2015, 07:47 Uhr

Fast genau ein Jahr ist es her, dass zwei junge Mitarbeiterinnen aus dem Fisch-Bistro Esch am Hafen nach Dienstschluss von drei maskierten Männern überfallen wurden. Die Beute: Die Tageseinnahmen in Höhe von 4500 Euro. Wochenlang tappte die Polizei im Dunkeln, suchte mit Fahndungsplakaten in der gesamten Altstadt nach Hinweisgebern. Im Spätsommer des vergangenen Jahres wurden die drei Täter gefasst. Seit Montag sitzen sie im Flensburger Landgericht auf der Anklagebank, und mit ihnen zwei mutmaßliche Komplizen. Es dürfte ein langwieriger Prozess werden. Denn jeder der fünf Beschuldigten hat seine eigene Version der Geschehnisse an jenem Sonnabend kurz nach 23 Uhr. Jeder der fünf Verteidiger versuchte, seinen eigenen Mandanten möglichst gut aussehen zu lassen. Einmal gerieten sich die Anwälte gestern sogar bei der Frage in die Haare, in welcher Reihenfolge sie die Angeklagten befragen dürfen.

Die Männer, die sich dem Vorwurf der räuberischen Erpressung stellen müssen, sind alle zwischen 25 und 30 Jahre alt. Zwei von ihnen – ein Pole und ein Staatenloser aus dem Nahen Osten – sitzen noch in Untersuchungshaft. Die drei deutschen Angeklagten sind inzwischen auf freiem Fuß. Ihnen ist gemeinsam, dass sie vor einem Jahr offenbar dringend Geld brauchten – für die Spielhalle, für Drogen oder für beides.

Einer von ihnen arbeitete in der Küche des Fischbistros. Er wusste genau, was am Abend, wenn die letzten Gäste gegangen waren und das Lokal gereinigt war, mit den Einnahmen des Tages geschah. Manchmal nahm der Chef persönlich das Geld mit nach Hause. Häufig kam es aber auch vor, das zwei Servicekräfte die Geldkassette in einem Wäschekorb in sein nahe gelegenes Wohnhaus brachten.

In den Wochen vor dem Überfall hatte er in der Wohnung eines anderen Angeklagten mehrmals davon erzählt. Am Tatabend soll er, als er bereits auf dem Heimweg war, einem der Täter per Handy den entscheidenden Tipp gegeben haben, dass diesmal nicht der kräftig gebaute Chef das Geld trägt, sondern zwei Mitarbeiterinnen. Er selbst bestreitet das. Die anderen Angeklagten bestätigen aber diese Version. Der Überfall selbst ging ganz schnell: „Wir brauchten die beiden Mädels gar nicht zu bedrohen“, beschrieb es einer der Täter. „Als sie die Pistole sahen, haben sie den Korb mit dem Geld sofort fallen gelassen.“

Ansonsten aber waren auch sie sich untereinander uneins. Mit der Freundschaft, die sie einst verband, scheint es nicht mehr weit her zu sein. Niemand will derjenige gewesen sein, der beim Überfall die silber glänzende Gaspistole in der Hand hielt. Unklar ist auch, wie sie die Beute untereinander aufteilten. Die beiden Rädelsführer scheinen sich jeweils mindestens 1400 Euro gesichert zu haben. Der dritte Mann, den sie kurzfristig mit ins Boot holten, weil sie bei ihm eine gewisse kriminelle Erfahrung vermuteten, soll 1000 Euro bekommen haben. Nach dieser Rechnung wären die restlichen 700 Euro zwischen dem Tippgeber aus der Bistroküche und dem Fahrer des Fluchtfahrzeugs aufgeteilt worden. Beide sagen aber, sie hätten wesentlich weniger Geld erhalten.

Der Fahrer – Nachbar von einem der Täter – stellte sich selbst eher als Opfer dar. Er ist Soldat und wurde inzwischen wegen des Vorfalls bei halbierten Bezügen beurlaubt. Er beteuert, bis zum letzten Moment nicht geahnt zu haben, dass es bei der Fahrt an den Hafen um einen Raubüberfall ging. „Wir wollten zum Billard spielen in die Spielhalle“, sagte er. Auch als seine Mitfahrer einen Abstecher zum Hafen machen wollten, habe er sich nicht gewundert. „Ich dachte, es geht um irgendeine Drogensache.“ Als er begriff, was tatsächlich geschehen war, habe er sich krankschreiben lassen und in psychiatrische Behandlung begeben.

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