Heino Deltefsen : Der Soja-Bauer aus Hüsby

Auch seine Kühe sind neugierig: Heino Detlefsen mit einem Sack voll Soja-Saatgut.
Auch seine Kühe sind neugierig: Heino Detlefsen mit einem Sack voll Soja-Saatgut.

Heino Detlefsen aus Hüsby geht beim Futteranbau neue Wege – und findet bereits einige Nachahmer

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05. Januar 2018, 12:32 Uhr

So manch ein Hüsbyer Bauer blieb im vergangenen Jahr ebenso neugierig wie ratlos stehen an den Feldern von Heino Detlefsen (51). Bei ihrem Kollegen nachzufragen, was er denn dort anbaut, das trauten sie sich aber auch nicht. „Es wollte sich wohl keiner die Blöße geben“, sagt Detlefsen und lacht. „Irgendwann hab’ ich dann ein Schild aufgestellt – mit dem Hinweis: Soja. Und dann wussten alle Bescheid.“

Tatsächlich ist die Sojabohne als Nutzpflanze in Norddeutschland noch wenig verbreitet – und den Menschen entsprechend kaum vertraut. Aber Heino Detlefsen ist ein Landwirt, der gerne über den Tellerrand blickt und in jungen Jahren schon Erfahrungen im südamerikanischen Paraguay sammelte. Und so baute er – animiert von erfolgreichen Tests im Kreis Segeberg – im vergangenen Jahr erstmals auf acht Hektar Fläche Soja an, um es als Silage an seine Kühe zu verfüttern. Zuvor habe er Soja in Form von Schrot ins Futter gegeben. Die Pflanze ist sehr eiweißreich und somit eine gute Ergänzung zum stärkehaltigen Mais. „Und dann wollten wir sehen, ob wir Soja nicht auch selber anbauen können“, sagt Detlefsen, der gemeinsam mit seinem Sohn Henrik (22) insgesamt 170 Hektar Land bewirtschaftet und 110 Kühe hält.

Das Saatgut besorgte sich Heino Detlefsen aus Kanada. Dabei kamen ihm seine Kontakte in der Branche zugute. Der Hüsbyer arbeitet nebenbei auch als Sortenberater für eine Saatgutfirma. Bevor das Saatgut im Mai in den Boden kam, wurde es mit Knöllchenbakterien geimpft, damit die Frucht anschließend in der Lage ist, sich ausreichend Stickstoff aus der Luft zu holen. Dadurch, so Detlefsen, brauche man die Felder kaum zu düngen.

Bei der Ernte Anfang September wurden die Pflanzen zunächst gemäht („auf Schwad gelegt“). Den zweiten Schritt erledigte der Feldhäcksler. Mit dem Ertrag seines Feldversuchs – zirka 35 Tonnen Frischmasse pro Hektar – zeigt sich Detlefsen zufrieden. Und vor allem: „Die Kühe haben das gut gefressen.“ Der Aufbau der Eiweißmoleküle im Soja, erklärt der Landwirt, sei dem tierischen Eiweiß sehr ähnlich. Die Rinder könnten dieses Eiweiß schneller aufnehmen als das bei Gras der Fall sei.

Ist die Sojabohne also für die hiesige Gegend eine Pflanze mit Zukunft? Kreisbauernpräsident Klaus-Peter Dau aus Tetenhusen ist skeptisch. Er sagt: „Ich glaube nicht, dass sich das durchsetzt. In der heutigen Zeit werden in der Landwirtschaft wenig Experimente gemacht.“

Heino Detlefsen ist da ganz anderer Meinung. „Ich prognostiziere, dass wir hier bei uns in zehn Jahren Soja auch dreschen werden.“ Soja biete sich gut als Zweit- oder Drittfrucht an und sei relativ einfach zu handhaben. Zwar vertrage die Pflanze keine Bodenverdichtung, könne aber sehr gut Regen ab – ein Vorteil in unseren Breitengraden. Auch habe das vergangene kalte Frühjahr der Pflanze gut getan.

Allerdings werde es wohl noch einige Jahre dauern, bis man eine möglichst stabile Sorte für die hiesigen Gefilde gefunden habe, glaubt Heino Detlefsen. Er selbst werde in diesem Jahr zehn Hektar Soja anbauen. Zahlreiche Berufskollegen würden ihm nacheifern. So würden nördlich des Nord-Ostsee-Kanals in diesem Jahr voraussichtlich mehr als 200 Hektar Soja für die Silagenutzung angebaut.

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