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Schloss Gottorf : „Der Schwebende“ geht auf Reisen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Landesmuseen verleihen Bronzeskulptur von Ernst Barlach nach Peking – trotz Problemen beim Abtransport des Kunstwerks.

von
erstellt am 13.Okt.2015 | 07:54 Uhr

Um kurz nach 10 Uhr hatte „Der Schwebende“ Bodenkontakt. Vorsichtig hatte ein kleiner Kran die Barlach-Skulptur von der Decke in der Galerie der Klassischen Moderne auf eine Palette herabgelassen – unter den wachsamen Augen von Uta Kuhl, die auf Schloss Gottorf die Skulpturen-Abteilungen und die Sammlung Horn betreut. „Das ist schon eine spannende Angelegenheit. Es ist schließlich das erste Mal, dass ‚Der Schwebende‘ diese Hallen verlässt“, sagte sie. Bei seiner Premiere geht das Kunstwerk gleich auf eine große Reise – nach Peking. Im National Art Museum of China wird es ab dem 21. Oktober in der Ausstellung „Käthe Kollwitz: Der Mensch – kreatürlich, existenziell, sozial und politisch“ zu sehen sein. Die Skulptur zeigt die Gesichtszüge von Käthe Kollwitz.

Der Abtransport verlief gestern Morgen jedoch zunächst alles andere als reibungslos. Als drei Mitarbeiter der auf den Transport von Kunstgütern spezialisierten Firma Hasenkamp auf der Schlossinsel eintrafen, wartete eine unangenehme Überraschung auf sie. Ihr Kran passte nicht durch die Eingangstür der Ausstellungshalle. „Wir hatten es vorher ausgemessen. Aber irgendjemand muss ein falsches Maß angegeben haben. Es kommt auf jeden Zentimeter an“, sagte Kunstinspektor Roger Langner. Kurzerhand mussten er und seine beiden Kollegen den Kran auseinander- und innen wieder zusammenbauen. Und auch die extra angefertigte Klima-Transportkiste war zwei Zentimeter zu breit. Langner nahm es mit Gelassenheit: „Besser als wenn sie zu klein gewesen wäre. Hauptsache, das Objekt passt in die Kiste.“

Für die Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen ist es eine große Ehre, dass die bronzene Skulptur für die Ausstellung in der chinesischen Hauptstadt angefragt wurde. „Die Ausstellung ist politisch sehr hoch aufgehängt“, erklärte Uta Kuhl. So sei auch die deutsche Botschaft in Peking in den Kunsttransfer involviert. Die Schau umfasst insgesamt 125 Leihgaben deutscher Museen, darunter auch 21 Grafiken, die die Kieler Kunsthalle zur Verfügung stellt. „Das Gesicht der Ausstellung“, so Uta Kuhl, werde aber die 2,17 Meter lange Figur aus Schleswig sein. Die beim gestrigen Wiegen übrigens ein Gewicht von „nur“ 250 Kilo verzeichnete.

Die Anfrage nach der auch als „Schwebender Engel“ bekannten Skulptur hatte Schloss Gottorf nach Angaben von Uta Kuhl relativ kurzfristig erreicht. „Wir haben uns mit allen Kräften bemüht, das möglich zu machen.“ Erst gestern Morgen hielt die promovierte Kunsthistorikerin dann die notwendige Versicherungsbestätigung in den Händen. Die Versicherungssumme beträgt 800  000 Euro. Es sei nicht einfach, den Wert eines solchen Kunstwerks, das auf dem Markt nicht frei verfügbar ist, zu schätzen, so Kuhl. „Es handelt sich jedoch um einen posthumen Guss. Ein Erstguss hätte einen erheblich höheren Wert.“ Die 1987 geschaffene Skulptur ist im Besitz des Kulturrings der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft. Dieser stellt sie Gottorf als Dauerleihgabe zur Verfügung – und musste dem Ausflug nach China jetzt natürlich auch zustimmen.

Per Laster ging es für den „Schwebenden“ gestern zunächst nach Berlin. Von dort startet dann morgen das Flugzeug Richtung Peking. Ende Januar wird die Bronzefigur in Schleswig zurück erwartet. „Viel Aufwand für eine solch relativ kurze Ausstellung“, findet Uta Kuhl, die gestern zudem einräumte: „Ich warte auf den Moment, wo die Kiste unversehrt wieder bei uns ist.“

 

 

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