Mehrweg-Geschirr fürs Stadtfest? : Der Schleswiger Bierbecher-Streit

Mit Plastikbechern prosteten die Country-Rocker von „Straight Back“ ihrem Publikum im Sommer bei „Schleswig swingt“ zu. Wenn des nach den Grünen geht, sollen solche Szenen bald der Vergangenheit angehören.
Mit Plastikbechern prosteten die Country-Rocker von „Straight Back“ ihrem Publikum im Sommer bei „Schleswig swingt“ zu. Wenn des nach den Grünen geht, sollen solche Szenen bald der Vergangenheit angehören.

Die Grünen wollen Mehrweg-Geschirr für Wikingertage und „Schleswig swingt“ – die Veranstalter wehren sich.

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04. Januar 2018, 12:57 Uhr

Mit ihrem Vorstoß, Plastiktüten aus den Geschäften in der Stadt zu verbannen, haben die Schleswiger Grünen bereits beachtliche Erfolge erzielt. Jetzt wollen sie mehr: kein Plastikgeschirr mehr auf Großveranstaltungen. Das Bier bei den Wikingertagen und bei „Schleswig swingt“ soll nur noch in Mehrwegbechern ausgeschenkt werden.

Für die nächste Sitzung des Bauausschusses am 23. Januar im Rathaus hat die Grünen-Fraktion als Diskussionsgrundlage schon eine entsprechende „Satzung zur Müllvermeidung bei Veranstaltungen“ vorgelegt, die sie als „Fernziel“ verstanden wissen möchte. „Gespräche mit Veranstaltern haben aufgezeigt, dass die Bereitschaft, freiwillig vermehrt auf Lösungen zur Müllvermeidung zu setzen, sehr eingeschränkt oder gar nicht in die Praxis umgesetzt wurden“, sagt Grünen-Fraktionschef Johannes Thaysen. Bevor es zu einem Verbot kommt, möchte er dennoch noch einmal das Gespräch mit den Veranstaltern suchen. So sollen Bauausschuss und Ratsversammlung zunächst einmal nicht über den Grünen-Satzungsentwurf abstimmen, sondern nur über die Einberufung eines „Runden Tisches“ mit den Veranstaltern.

Der Widerstand gegen eine Mehrweg-Regelung dürfte dort groß sein. Stadtfest-Veranstalter Ingo Harder ist von der Idee geradezu entsetzt: „Wenn die Grünen die Mehrkosten übernehmen, kann ich das machen, aber ich glaube nicht, dass die so viel Geld im Portemonnaie haben.“ Während des Stadtfestes in diesem Sommer haben Harder und seine Mitarbeiter Getränke in rund 15 000 Plastikbechern ausgegeben. „Wenn ich Mehrweg-Geschirr benutzen würde, müsste ich alle diese Becher in kürzester Zeit spülen – und wieder zu den Ausgabestellen zurücktransportieren – das wäre ein gigantischer Aufwand“, sagt Harder. „Ich bin für Umweltschutz, aber es darf nicht utopisch oder fantastisch sein.“ Sollte die Mehrweg-Pflicht kommen, werde er keine Stadtfeste in Schleswig mehr organisieren, sagt Harder, der als Vertreter der Wählergemeinschaft BfB selbst Mitglied der Ratsversammlung ist.

Nicht nur für „Schleswig swingt“, auch für die Wikingertage wären Mehrwegbecher ein Riesenproblem, sagt Veranstalter Kaj-Uwe Dammann. „Wenn man uns noch mehr Steine in den Weg legt, sind wir weg aus Schleswig“, erklärt er. Das Spektakel auf den Königswiesen sei ohnehin schon schwierig zu finanzieren. In diesem Jahr und vor drei Jahren sind wir mit Verlust rausgegangen.“ Dammann bezweifelt zudem, dass Mehrweggeschirr wirklich spürbar besser für die Umwelt ist und denkt dabei an den Energie- und Wasserverbrauch für das Abwaschen.

Die Grünen verweisen hingegen darauf, dass fast alle Städte um Schleswig herum bereits Regelungen zur Abfallvermeidung auf Großveranstaltungen getroffen hätten und es mittlerweile praktikable Mehrweg-Systeme oder auch biologisch abbaubare Geschirre gebe.

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