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Muazzez Demiryürek : Der Ruhestand muss warten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zum 15. Mal hat Muazzez Demiryürek am Freitag einen Hilfstransport in die Türkei geschickt – weitere sollen folgen.

Mit 66 Jahren sind die meisten Menschen längst in Rente – und auch Muazzez Demiryürek hatte angedacht, nach ihrem 15. Hilfstransport – den sie gestern auf die Reise in die Türkei schickte – kürzer zu treten. „Danach wollte ich nur alle zwei Jahre einen Transport machen“, erklärte sie. Doch daraus wird vorerst nichts, beruhigte sie ihre Familie, Freunde, Helfer und Wegbegleiter, die sie zu einer kleinen Jubiläumsfeier bei Kaffee und Kuchen zu sich in den Solterbeerenhof eingeladen hatte: „Viele Hilfsorganisationen aus Schleswig-Holstein und sogar Dänemark haben mich gebeten, weiterzumachen und wollen mir dabei helfen.“ Darüber sei sie sehr glücklich. „Solange ich gesund bleibe, möchte ich Menschen helfen.“

Während im Hintergrund der türkische Lastwagen bepackt mit Kartons voller Kleidung, medizinischem Gerät und Geschenken für Bedürftige, Flüchtlinge und Waisenkinder auf die Abfahrt wartete, ergriff Mümün Uluç vom Kappadokien-Kulturverein das Wort. Sein Verein engagiert sich für Kunst und Kultur, aber auch für bedürftige Menschen in der mittelanatolischen Provinz Kappadokien, dem Ziel des Hilfstransports. Während viele Leute nur vor dem Fernseher säßen, sei „Mama“ Muazzez Demiryürek anders: „Sie tut etwas.“ Und sie bewegt etwas – nicht nur Hilfsgüter, sondern auch Menschen wie die Besitzer des Transportunternehmens Devnak. „Statt 4000 Euro für den Transport zu nehmen, haben sie letztes Jahr gar kein Geld verlangt“, sagte Uluç, der Muazzez Demiryürek vor zwei Jahren kennen lernte. „Ich moderiere eine türkische Sendung und sie ist unser Fan“, erklärte er.

Als sie ihn angerufen habe, hätten sie sich gegenseitig von ihren Hilfsmaßnahmen erzählt und bündeln seitdem ihre Kräfte. „Das ist jetzt unser vierter gemeinsamer Transport“, so Mümün Uluç weiter. Der Lastwagen fährt erst nach Mühlheim an der Ruhr, wo sein Kulturverein einen zweiten Lkw mit 1000 Kartons Kleidung und 250 Rollstühlen befüllen wird. Dann geht es ab in die Türkei.

Muazzez Demiryürek warf derweil schon einen Blick in die Zukunft: Für September ist der nächste Transport geplant: „Ab Juni nehme ich wieder Hilfslieferungen an.“ Doch zuvor ist sie als Europa-Koordinatorin der Türkei für eine andere Hilfsaktion gefragt: Im Juni wird sie in Kooperation mit Turkish Airlines erneut ein europäisches Ärzteteam und mehrere Krankenschwestern nach Indien schicken. Übrigens: Sie dachte, nach fünf Jahren könne sie ihren Job als einzige deutsch-türkische Koordinatorin für diese Hilfsmaßnahmen an den Nagel hängen – doch das türkische Parlament hat sie erneut gewählt - für weitere fünf Jahre.

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