Peter-Härtling-Schule Schleswig : Der Rektor, der nicht so heißen darf

Arne Gräfingschulte möchte das Förderzentrum für geistige Entwicklung enger mit den Grund- und Gemeinschaftsschulen in der Region verzahnen.
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Arne Gräfingschulte möchte das Förderzentrum für geistige Entwicklung enger mit den Grund- und Gemeinschaftsschulen in der Region verzahnen.

Arne Gräfingschulte ist neuer Leiter der Peter-Härtling-Schule – bis zur offiziellen Beförderung muss er noch ein Jahr warten.

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25. Januar 2018, 07:00 Uhr

Seit einem halben Jahr leitet Arne Gräfingschulte die Peter-Härtling-Schule im Friedrichsberg, das Förderzentrum für geistigbehinderte Schüler. Bis er auch offiziell zum Schulleiter ernannt wurde, hat es eine Weile gedauert. Und bis er offiziell den Titel „Sonderschulrektor“ führen darf, wird noch ein ganzes Jahr vergehen.

Das liegt daran, dass Gräfingschulte ein beruflicher Senkrechtstarter ist. Er kann heute seinen 34. Geburtstag feiern. An der Peter-Härtling-Schule arbeitet er erst seit drei Jahren. Vorher war er ein halbes Jahr an der kinder- und jugendpsychiatrischen Tagesklinik „Baumhaus“ in Husum tätig. Beamtenrechtlich reicht das noch nicht für die Beförderung zum Rektor. „So einen Fall gibt es nicht oft, hat man mir im Ministerium gesagt“, berichtet Gräfingschulte.

Intern war dennoch schnell klar, dass der junge Kollege die Nachfolge der im Sommer pensionierten langjährigen Schulleiterin Heidi Koch antreten würde. Er war in den letzten Jahren bereits ihr Stellvertreter. „Ich hätte mir gewünscht, dass Frau Koch noch zwei, drei Jahre länger geblieben wäre, um von ihrer Erfahrung zu profitieren“, sagt Gräfingschulte. Gewappnet für die neue Aufgabe fühle er sich aber auch jetzt schon.

Der gebürtige Wilhelmshavener hat seinen Traumberuf während des Zivildienstes an einer Förderschule in Ostfriesland entdeckt. Um den Traum zu verwirklichen, musste er einen langen Weg zurücklegen. Nach einer Ausbildung zum Verwaltungsangestellten holte er auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nach, studierte Sozialpädagogik und dann in Flensburg Sonderschulpädagogik.

Als Schulleiter möchte er nun unter anderem die Zusammenarbeit mit Regelschulen verstärken. Ganze Klassen aus der Peter-Härtling-Schule könnten dann zum Beispiel im Sport- oder Kunstunterricht gemeinsam mit Grund- oder Gemeinschaftsschülern lernen. Das hält er in den meisten Fällen für sinnvoller als Inklusionsmodelle, in denen einzelne Schüler mit geistiger Behinderung reguläre Schulklassen besuchen und immer wieder erleben müssen, dass sie nicht wirklich dazugehören.

Bevor Gräfingschulte weiter an seinen Zielen arbeiten kann, macht er aber ein paar Wochen Pause. Er ist im Sommer Vater geworden und geht im Februar für einen Monat in Elternzeit. Um danach trotz des neuen Jobs genug Zeit für die Familie zu haben, hat er seiner Frau ein Versprechen gegeben. Bisher sitzt er für die SPD in der Flensburger Ratsversammlung. Bei den Kommunalwahlen im Mai wird er nicht wieder antreten.

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