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Theater auf dem Hesterberg : Der Ort für besondere Veranstaltungen

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wie sich Landestheater-Chef Peter Grisebach die multifunktionale Nutzung des künftigen Kultur-Geländes in Schleswig vorstellt

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2013 | 07:45 Uhr

Der 6. September ist für den Hesterberg ein wichtiger Tag: Dann tagt in den derzeit noch als Volkskunde-Museum genutzten Räumen die Gesellschafterversammlung der Schleswig-Holsteinisches Landestheater und Sinfonieorchester GmbH. Und das nicht ohne Hintersinn. So können sich die 19 Gesellschafter schon einmal vertraut machen mit der Umgebung, in der ab 2017 die Schleswiger Spiel-, Produktions- und Verwaltungsstätte des Landestheaters ihren Platz haben soll.

Doch bevor es soweit ist, muss noch mancher Stein aus dem Weg gerollt werden. Das wichtigste anstehende Stichdatum ist der 4. November – wenn die Schleswiger Ratsversammlung ihren Beschluss zum Bau des neuen Theaters fällen will. Sofern bis dahin dessen Finanzierung definitiv gesichert ist.

Derzeit gibt es dafür noch zwei offene Flanken. Die eine ist die Frage, ob und wieweit der Kreis bei der Finanzierung mitgehen wird. Zwei Millionen Euro sind der erhoffte Beitrag. Die andere sind die laufenden Verhandlungen mit der Kieler Landesregierung wegen der Übernahme der Kosten für die Dekontaminierung von bislang im Landesbesitz befindlichen Gebäude- und Gelände-Teilen. Hier wird eine Größenordnung von 800 000 Euro aufgerufen. Landestheater-Generalintendant Peter Grisebach ist gelassen: „Daran wird das ganze Projekt nicht scheitern.“ Im übrigen soll in das Finanzierungskonzept auch ein Beitrag von „überregionalen Stiftungen“, den man durch eine gezielte Akquise habe ansteuern können, einfließen; dabei dürfte es sich zusätzlich um rund 500 000 Euro handeln.

Antworten auf eine andere Frage sind Grisebach wichtiger: Wie wird die nicht zuletzt von der Schleswiger Ratsversammlung gewünschte multifunktionale Nutzung des künftigen Theater-Areals sichergestellt? Auch der Generalintendant bezeichnet diese Multifunktionalität als eine „Grundbedingung“ des gesamten Vorhabens.

Er verweist darauf, dass derzeit, wie bereits berichtet, die Ausschreibungen vor allem der technischen Gebäudeausstattung und der Architektenleistung laufen. Frist ist der 30. September. Dann werde man beurteilen können, inwieweit dieser „Grundbedingung“ Folge geleistet wurde. Grisebach betont aber schon heute, dass die Aussagen der Machbarkeitsstudie für das angedachte „Theater- und Kulturzentrum Hesterberg“ keine Programmierung der künftigen Gestaltung bedeuten. Die Studie war Ende April von der Hamburger DFZ Generalplaner GmbH vorgelegt worden. Sie sieht unter anderem eine Öffnung der Foyer-Front des neuen Theaters nach Westen vor.

Der Theaterchef dagegen favorisiert einen Haupteingang nach Osten hin. Seine Vorstellung: „Zwischen dem Foyer und dem Körnerhaus sowie den anderen Gebäuden würde dadurch eine Piazza für ganz unterschiedliche Veranstaltungen entstehen.“ Die Westfront des Neubaus, dicht am jetzigen Haupteingang des Volkskunde-Museums gelegen, wäre hingegen ideal für die Anfahrt von Kulissen und Technik.

Das würde bedeuten, dass auch ein neuer Publikums-Haupteingang zum Theater geschaffen werden muss. Grisebach sieht diesen in der Suadicanistraße Richtung Finanzamt. Und er freut sich schon: „Dahinter könnten wir die beiden wunderschönen Kandelaber, die jetzt vor dem Theater stehen, platzieren“ – als nostalgische Begrüßung der Besucher, die „ihr“ Theater im Lollfuß vermissen.

Darüber hinaus soll die Multifunktionalität aber auch durch die vermietbare Fremdbenutzung der Proben- und der Studiobühne gewährleistet werden. Zudem sei im Bühnen-Neubau eine „Bestuhlung mit Seminartechnik“ vorgesehen, sodass Veranstaltungen mit bis zu 300 Personen dort stattfinden können. Man werde dafür gezielt werben, entsprechend der Devise: „Dies ist eine besonderer Ort für besondere Veranstaltungen.“

Die „existentielle Bedeutung“ einer multifunktionalen Brauchbarkeit des Theatergeländes leitet sich, laut Grisebach, noch aus einem anderen Kriterium her. Er betont: „Ich habe die betriebswirtschaftliche Verantwortung für das Landestheater“ – nicht etwa die Stadt Schleswig oder jemand Drittes. Auf rund 200 000 Euro jährlich schätzt er die Nebenkosten, die auf dem Hesterberg entstehen würden. „Und die kann ich nur durch Veranstaltungen jenseits des laufenden Theaterbetriebs hereinholen.“ Das traut er sich zu, ohne zusätzlichen Personalaufwand.

So kann man den Eindruck haben, dass der künftige „Kultur Campus Hesterberg“ mit dem Theater als Mittelpunkt für den Generalintendanten alles andere als ein Luftschloss ist. Die Gesellschafter mögen sich am Freitag von seiner Begeisterung für das Projekt anstecken lassen.

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