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Chance auf Titel : Der Nobelpreis für Traditionen

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Noch bis zum 30. November können sich Gruppierungen in Kiel für eine Auszeichnung als „Immaterielles Kulturerbe“ der Unesco bewerben.

Was das „Weltkulturerbe“ der Unesco – der Kulturorganisation der Uno – bedeutet, wurde spätestens bekannt, als sich Haithabu und das Danewerk in einer multinationalen Aktion um diese Auszeichnung beworben haben. Doch es gibt noch eine andere Unesco-Auszeichnung, nämlich für das „Immaterielle Kulturerbe“, also etwa Tanz, Theater, Traditionen. Und diese Auszeichnung ist im ganzen Land bisher so gut wie gar nicht bekannt.

Am 30. November läuft die Frist ab, bis zu der sich Gruppen und Gemeinschaften für die Verleihung dieses weltweit renommierten Prädikats, den „kleinen Bruder“ des Weltkulturerbes, bewerben können. In Schleswig könnte zum Beispiel eine der jahrhundertealten Beliebungen dafür in Frage kommen. Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) betont: „Lebendige Traditionen sind ein ganz wichtiger Teil unserer kulturellen Identität.“

Doch nach Auskunft von Christina Wiener vom Kieler Kulturministerium sind dort „bislang keine konkreten Anträge aus Schleswig-Holstein“ eingegangen. Allerdings rechne man damit, dass sich diese Null-Bilanz noch verändern könne. Um den Informationsfluss zu verbessern, hat die Deutsche Unesco-Kommission für den 30. Oktober zu einem Symposium über das „Immaterielle Kulturerbe“ nach Berlin eingeladen.

Jedenfalls: Nach Ende der Ausschreibungsfrist trifft das Kulturministerium eine erste Auswahl und übermittelt zwei Vorschläge an die Kultusministerkonferenz. Danach bewertet ein Expertenkomitee der Deutschen Unesco-Kommission die Dossiers. Wenn wiederum die Kultusministerkonferenz und der Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann, die Empfehlungen der Experten bestätigt haben, hat der Bewerber einen Platz im bundesweiten Verzeichnis für „Immaterielles Kulturerbe“ sicher. Das ist doch schon einmal was. Die Eintragung auf der nationalen Liste, so formuliert Benjamin Hanke von der Bonner Unesco-Kommission, habe bereits „einen eigenen Wert“.

Damit muss das typisch mehrstufige Verfahren aber noch nicht abgeschlossen sein. Denn es gibt auch international relevante Notierungen. Das Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung des „Immateriellen Kulturerbes“ sieht sogar drei Listen vor: eine „Repräsentative Liste“(mit derzeit 257 kulturellen Ausdrucksformen aus aller Welt), eine „Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes“ (bisher 31 Eintragungen) und ein „Register guter Praxisbeispiele“ (bislang 10 Projekte). Hier sind die Kriterien für Bewerber strenger als für die nationale Liste. Aber wer das schafft, hat damit sozusagen einen Nobelpreis für „Immaterielles Kulturerbe“ erhalten.

Das entsprechende Abkommen der Weltkulturorganisation war 2003 verabschiedet worden. Inzwischen sind mehr als 150 Staaten der völkerrechtlich verbindlichen Konvention beigetreten. Für Deutschland wurde der Beitritt, nach einem Beschluss der Bundesregierung vom Dezember vorigen Jahres, am 10. Juli 2013 wirksam.

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erstellt am 16.Okt.2013 | 18:11 Uhr

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