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Steinfeld : Der Markttreff wird dem Dorf fehlen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Kaufmann verlässt Steinfeld am Jahresende. Bürgermeister Heinrich Buch sucht nun eine Nachfolge-Lösung.

„Für uns ist das eine Katastrophe, furchtbar.“ Sonja Stolley vom Seniorenheim in Steinfeld steht am Obst-und Gemüsetresen des Markttreffs in Steinfeld und füllt ihren Korb mit frischem Gemüse. Es ist praktisch, sie muss nur schnell über die Straße laufen, um die fehlenden Dinge einzukaufen. Auch die Senioren kommen mit ihren Rollatoren in den Laden und bewahren sich damit ein Stück Selbstständigkeit.

In wenigen Tagen aber ist damit Schluss, der 31. Dezember ist der letzte Tag für den Frischemarkt in Steinfeld. Pächter Norbert Matzen hat der Gemeinde die bittere Nachricht bereits Anfang Dezember mitgeteilt. „Wir wussten, dass Matzen am Markttreff nicht mehr interessiert war“, berichtet der sichtlich geschockte Bürgermeister Heinrich Buch. Aber die Gemeinde hatte ja noch ein Jahr Zeit, glaubte man in der kommunalen Vertretung, denn der Pachtvertrag mit Matzen lief ja noch bis zum Ende des nächsten Jahres. Doch der Pächter gibt das Geschäft ein Jahr früher auf.

Jetzt innerhalb weniger Tage einen neuen Pächter zu finden sei unmöglich, berichtet der Bürgermeister. Auch die EWS Group, die im Auftrag des Landes die Markttreffs mit Rat und Tat begleitet, kann keinen Nachfolger aus dem Ärmel schütteln. Man sei sich aber einig, gleich im Januar die Situation mit EWS zu analysieren und nach Möglichkeiten, den Markttreff weiter zu behalten.

Da der Kaufmann im Ort den Laden geschlossen hatte, übernahm die Gemeinde das Gebäude, renovierte es und eröffnete 1999 den ersten Markttreff in Schleswig-Holstein. Der Steinfelder Markttreff war der erste im Lande. Als Pilotprojekt und mit Unterstützung des Landes setzte er Standards für alle folgenden Projekte dieser Art in Schleswig-Holstein. Zunächst hatte ein örtlicher Bäcker den Laden geführt. Bereits 2001 übernahm der Edeka-Markt in Süderbrarup den Markttreff als eigenständigen Filialbetrieb.

Wolfgang Briese: „In Steinfeld gibt es noch mehr Probleme.“
Wolfgang Briese: „In Steinfeld gibt es noch mehr Probleme.“
 

Die Übernahme des Markttreffs wurde den einzelnen Pächtern durch massive Unterstützung relativ leicht gemacht. Eine geringe Pacht, die Überlassung der gesamten Ladeneinrichtung und die Übernahme aller Kosten für die Gebäudeunterhaltung gute Gründe den Laden zu übernehmen. Der Laden wurde zunächst gut angenommen. Auch Bürger aus den umliegenden Gemeinden nutzten die Möglichkeit, im Nahbereich einkaufen zu können, die Wäsche für die Reinigung abzugeben und Lotto zu spielen. In den letzten Jahren vermissten viele Kunden allerdings attraktive Angebote und eine interessante Werbung. Die Folgen waren Umsatzrückgänge. „Leider hat der Pächter die uns gegebenen Zusage, den Markttreff wieder nach vorne zu bringen, nicht eingehalten“, bedauert Bürgermeister Buch. Auch die Bereitschaft der Gemeinde, noch einmal 8000 Euro in ein neues Kassensystem zu investieren, habe den Pächter nicht zum Weitermachen bewegen können, erklärte Gemeindevertreter Wolfgang Hinz.

Sonja Stolley: „Das ist für uns eine Katastrophe, furchtbar.“
Sonja Stolley: „Das ist für uns eine Katastrophe, furchtbar.“
 

Die Gemeinde verliert an Attraktivität, wenn der Markttreff geschlossen wird. Kunde Wolfgang Briese sieht allerdings noch weitere Probleme auf Steinfeld zukommen. „Im kommenden Jahr geht die Grundschule weg – und was dann mit der Sporthalle passiert, weiß keiner.“ Eine Mitschuld an der Entwicklung sieht er auch bei den Steinfeldern selbst. „Wer den Markttreff im Dorf halten will, muss dort auch einkaufen.“

Auch Frank Rieck sieht das Aus für den Markttreff in einem größeren Zusammenhang und verweist auf den Umzug der Grundschule nach Süderbrarup.
Bei aller Skepsis hat Bürgermeister Buch dennoch die Hoffnung, dass im kommenden Jahr mit der Unterstützung der Markttreff-Organisation eine Lösung für das Problem gefunden werden kann.

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