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Gymnasium in Schleswig : Der Lornsenschule laufen die Schüler davon

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im neuen Schuljahr wird die Domschule mehr als doppelt so viele Fünftklässler aufnehmen als die Lornsenschule. Woran das liegt, scheint klar.

Mit diesem fast Erdrutsch-artigen Ergebnis hat an der Lornsenschule keiner gerechnet: Die Anmeldezahlen für die fünften Klassen sind dramatisch zurückgegangen. Nur noch 53 angehende Fünftklässler haben sich für dieses G  8-Gymnasium entschieden – das ist ein Schüler-Rückgang von etwa 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2014 waren es 104 Anmeldungen, siehe Grafik). Dazu sagte Lornsenschul-Orientierungsstufenleiter Carsten Schmolling gestern auf SN-Nachfrage: „Wir haben heute am letzten Anmeldetag gehofft, dass noch mehr Eltern kommen, um ihr Kind bei uns anzumelden, aber leider vergeblich.“ Im Lehrerkollegium sei man „überrascht, entsetzt, aber auch sehr traurig“ über diese Entwicklung.

Wie soll es nun weitergehen?

Schmolling kündigt an: „An der Lornsenschule werden wir die neue Lage in den nächsten Tagen genau analysieren und besprechen. Dann werden wir sehen.“

Die Lage für die Lornsenschule, die im Jahre 2008 noch 172 Sextaner-Anmeldungen hatte und sechszügig agieren konnte, wird nicht gerade leichter beim Blick auf die benachbarte Domschule. Dort kann man mit einem wiederum satten Anmelde-Ergebnis aufwarten: 129 angehende Fünftklässler, die gern den neunjährigen Weg zum Abitur gehen wollen. Die Domschule hatte vor vier Jahren eine Kehrtwendung zurück zu G  9 vollzogen. Domschulleiter Georg Reußner zeigt sich angesichts der Zahlen zufrieden, bedauert nur ein bisschen, dass seine Schule lediglich 116 Fünftklässler aufnehmen darf. „Es wäre natürlich netter, niemanden wegschicken zu müssen.“ Die Stadt als Schulträgerin hat diesen Riegel vorgeschoben, um eine relativ gleichmäßige Kapazitätsauslastung ihrer Schulen zu bewirken.

Schleswig bietet die Alternative G  8 (Lornsenschule) oder G  9 (Domschule) an für alle Eltern, die ihr Kind aufs Gymnasium schicken wollen. Doch in keinem Jahr zuvor fiel die Wahl so eindeutig pro G  9 aus als dieses Mal.

Das erschüttert das Lehrerkollegium der Lornsenschule „schon sehr“, wie Schmolling gegenüber den SN einräumt. „Denn wir haben uns an der Lornsenschule stark bemüht, den G  8-Weg für unsere Schüler so sozialverträglich wie möglich zu gestalten, damit sie nachmittags auch ihre Freiräume haben. Außerdem haben wir bei unseren Nachfragen stets positive Rückmeldungen von den Schülern erfahren.“ Auch Domschulleiter Georg Reußner sieht das Anmeldeverhalten als Beleg dafür, dass ein Großteil der Eltern G  9 bevorzugt.

Und an den Gemeinschaftsschulen? Auch dort war gestern offizieller Anmeldeschluss. Das Ergebnis: Unangefochten an der Spitze steht weiterhin die Bruno-Lorenzen-Schule mit 87 angemeldeten Fünftklässern (Vorjahr: 81). „Wir haben mehr Fünftklässler als im letzten Jahr, das übertrifft auch die Prognose der Bildungslenkungsgruppe“, kommentiert Rektor Siegfried Puschmann die Entwicklung und sagt: „Wir sind sehr zufrieden.“

Die Dannewerk-Gemeinschaftsschule hat 60 Anmeldungen (Vorjahr: 64) für das kommende fünfte Schuljahr zu verzeichnen. „Wir freuen uns, dass Kinder aus allen Grundschulen in Schleswig zu uns kommen, insbesondere auch aus Busdorf“, betont Schulleiterin Andrea Schönberg.

Ein beeindruckender Schüler-Einbruch dagegen vollzieht sich an der dritten Gemeinschaftsschule in Schleswig, der Gallbergschule. Nur 28 Kinder haben sich dort bisher angemeldet (Vorjahr: 37). Dazu Schulleiterin Anja Moeskes auf SN-Nachfrage: „Das ist nur ein vorläufiges Ergebnis. Vor dem Hintergrund der rückläufigen Schülerzahlen sind das mehr Anmeldungen, als wir gedacht haben.“

Doch der krasse Unterschied zwischen den neuesten Anmeldezahlen an den Gemeinschaftsschulen lässt die Bruno-Lorenzen-Schule andere Rückschlüsse ziehen. Konrektor Bernd Nissen betont: „Wir sind als größte Gemeinschaftsschule eine echte Alternative zu den Gymnasien – das Thema Oberstufe kann somit noch nicht vom Tisch sein.“ In Anspielung auf die Gallbergschule und das gesetzliche Limit für Gemeinschaftsschulen (nicht weniger als 40 Schüler) meint er: „Einklassige Gemeinschaftsschulen kann es nicht geben.“

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