Ideen für den Stadtteil : „Der Lollfuß ist unsere Straße“

Mit einem farblich bearbeiteten Foto zeigten Stephan Lange (links) und Matthias Vollbehr, wie bunte Fassaden das Gesicht der Straße verändern könnten.
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Mit einem farblich bearbeiteten Foto zeigten Stephan Lange (links) und Matthias Vollbehr, wie bunte Fassaden das Gesicht der Straße verändern könnten.

70 Anlieger beteiligten sich an einem Ideen-Workshop zur Zukunft des Stadtteils zwischen Schloss Gottorf und Ladenstraße.

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10. März 2014, 07:45 Uhr

Aufbruchstimmung statt Gejammer: 70 Bewohner des Lollfußes versammelten sich am Sonnabend „Kukolo“ dem „Kunst-Kontor Lollfuß“, um gemeinsam Ideen für die Zukunft ihrers Stadtteils zu sammeln. Eingeladen hatten die Interessengemeinschaft Pro Lollfuß und Stadtmanagerin Monika Siegel. Viele der Teilnehmer zählten zu den Urgesteinen des Viertels, so auch der Pro-Lollfuß-Vorsitzende Matthias Vollbehr, dessen Eltern hier einst ein Friseurgeschäft betrieben. Er stellte gleich zu Beginn klar: „In den letzten Wochen hat unser Verein mit dem Theaer sehr viel zu tun gehabt, doch das werden wir heute ausklammern.“

Sein Stellvertreter Stephan Lange gab im Anschluss die Marschrichtung vor: „Wir sind hier, um Ideen zu sammeln und den totgesagten Lollfuß zu beleben. Von Ihnen wollen wir hören, was der Lollfuß braucht – aber klar ist: einen Sky-Markt werden wir nicht bekommen.“ Auch sei der Verein „nicht in der Lage, Großes zu tun – aber da liegen wir in Schleswig ja im Trend“. Nach ein paar traurigen Lachern aus dem Publikum forderte Lange: „Statt herumzufantasieren, geht es darum, Dinge anzupacken, die umsetzbar sind. Denn hier arbeiten und leben wir. Der Lollfuß ist unsere Straße.“

Dabei gingen die Vorstandsmitgieder von Pro Lollfuß mit gutem Beispiel voran. In einer Präsentation stellten sie eine Reihe von Ideen vor. So müsse die Verbindung zum Schloss Gottorf geöffnet werden, „denn wenn wir nur einen kleinen Prozentsatz der jährlich 450 000 Museumsbesucher abgreifen könnten, würde uns das schon helfen“, meinte Matthias Vollbehr.

Als weiteren Vorschlag präsentierten sie Fotos farbenfroher Häuser aus Willemstad auf Curaçao – fälschlicherweise vom Publikum mit Husum verwechselt – bis zu eben jener grauen Stadt am Meer, „die bunt geworden ist“. „Die Fassaden im Lollfuß sind toll, aber meist farblos. Mit Farbe kann man sie lebendiger gestalten“, so Vollbehr. Dies bewies er mit Fotos, auf denen die alten Fassaden dank digitaler Aufhübschung durch Stephan Lange farbige Anstriche erhielten – die bei den Zuschauern deutlich besser ankamen, als der gegenwärtige graue Einheitslook. Applaus erntete Lange für sein Angebot, allen Hauseigentümern, die ihm ein Foto ihrer Fassade zukommen lassen, am Computer individuelle Entwürfe zu erstellen.

„Pro Lollfuß“ plant jetzt, einen Fonds einzurichten, in den die Beiträge der Fördermitglieder fließen sollen, um die Veschönderung der Fassaden zu unterstützen. „Der Lollfuß hat die Chance, als bunte Meile ein Alleinstellungsmerkmal in der Stadt zu haben“, meinten Lange und Vollbehr.

Doch auch kleinere alltägliche Veränderungen blieben nicht außer Acht. „Wenn jeder vor seiner Tür guckt und Müll möglichst sofort wegräumt, dann sammelt sich über Nacht nicht ein ganzer Haufen an“, schlug Vollbehr vor. Dasselbe gelte für Graffiti und Hundehaufen: „Das kostet nichts – nur Überwindung.“ Und Stadtmanagerin Monika Siegel stellte die Idee vor, Rosen vor die Häuser zu pflanzen. Einwürfe aus dem Publikum, diese seien in der Vergangenheit zerstört oder gestohlen worden, ließ Stephan Lange nicht gelten: „Wenn wir es alle probieren, müssten die schon mit dem Lkw hier lang fahren.“

Nach dem Vortrag begann die eigentliche Arbeit. In drei Arbeitsgruppen diskutierten 30 Lollfußer Ideen zu Veranstaltungen, Straßenplanung und Verschönerung ihrer Straße. Dabei wurden Zettel gefüllt, Straßenkarten bemalt und Ideen vom Bürgerfest bis hin zu einem Weihnachtsmarkt durchgesprochen. Die Teilnehmer waren so engagiert bei der Sache, dass sich Lange und Vollbehr über „so viele unfassbar gute Ideen“ freuten. Es werde deutlich, „dass wir alle aus einem Mund sprechen und mit unseren Ideen in die gleiche Richtung gehen“. Nun müssten sie sich durch die Vorschläge arbeiten, um beim nächsten Workshop am 10. Mai die Ergebnisse sowie die ersten verwirklichten Projekte vorstellen zu können. Die Initialzündung sei durch das neue Miteinander bereits gschafft.

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