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Schleswiger Nachrichten

18. Dezember 2017 | 16:24 Uhr

Der lange Weg ins schnelle Netz

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Glasfaser-Wirtschaftsplan: Kreisweite Lösung ist wirtschaftlich kaum möglich

von
erstellt am 20.Feb.2015 | 13:48 Uhr

Eine flächendeckende Versorgung des ländlichen Raums mit schnellem Internet ist zum Nulltarif nicht zu haben. Inzwischen wissen die Politiker im Kreishaus auch, von wie viel Geld die Rede ist, sollte die von ihnen angeschobene Breitbandstrategie für den gesamten kreis Schleswig-Flensburg umgesetzt werden. Hatte eine überschlägige Schätzung des Tüv im Rahmen eines technischen Gutachtens vor einem Jahr noch eine Summe von 348,5 Millionen Euro für die Vollversorgung mit Glasfaser-Anschlüssen für jedes Haus (fiber to the home, FTTH) ergeben, so weicht der inzwischen vorliegende Geschäftsplan deutlich nach unten ab. Breitband-Manager Wolfgang Held stellte die Daten im Regionalentwicklungsausschuss vor – dabei wurde vor allem deutlich: Die Hausversorgung ist unrealistisch, und von einer einheitlichen Planung für den ganzen Kreis ist keine Rede mehr.

Der wesentliche Pferdefuß neben den horrenden Kosten für FTTH ist die starke Zersiedelung der Region, die es fast unmöglich erscheinen lässt, eigentlich identische Interessen auch schlagkräftig zu bündeln. In den vergangenen Jahren sind von den Ämtern und Gemeinden zwischen Stapelholm und dänischer Grenze bereits so viele individuelle Lösungen für schnelleres Internet umgesetzt worden, dass ein regelrechter technischer Flickenteppich entstanden ist, dessen Löcher – will man denn sämtliche Dörfer mit Hochgeschwindigkeitszugängen versorgen – ebenfalls nur mit Flickwerk geschlossen werden könnten.

Denn ein Gebiet, in dem bereits ein Dienstleister wie die Telekom gefördert aktiv ist, ist für die öffentliche Hand tabu und fällt somit aus einer gemeinsamen Zukunftsplanung für den Kreis heraus. Das wurde bei der Gestaltung des Geschäftsplanes berücksichtigt. Demnach ist die Zahl der potenziellen Anschlussnehmer, die von der abgespeckten Breitband-Initiative profitieren könnten, deutlich niedriger als noch im Gutachten des Tüv ausgewiesen. Daraus wiederum folgt, dass auch die Investitionskosten mit 165,9 Millionen Euro deutlich geringer sind.

Für diese Summe allerdings ist es nicht möglich, tatsächlich jeden Haushalt mit einem Glasfaseranschluss zu bedienen. Stattdessen setzt die Initiative vornehmlich auf FTTC (Fiber to the Curb), das bedeutet: Das Glasfaserkabel endet im Kabelverzweiger (KvZ), der am Straßenrand steht. Von diesem aus werden die vorhandenen Kupferkabel bis zum Kunden genutzt. „Das spart Geld, ermöglicht aber Geschwindigkeiten von bis zu 30 Mbit/s“, betonte Held. Und zudem wäre die Nachrüstung der fehlenden Strecken bis zu den Haushalten mit Glasfaser später immer noch möglich. Zum Vergleich: Noch immer liegen die Internet-Geschwindigkeiten in über 40 Prozent der Haushalte im Kreis deutlich unter 16 Mbit/s, bei fast 20 Prozent unter sechs Mbit/s.

In die Berechnungen des Breitbandmanagers der Wireg wurden nur solche Gebiete einbezogen, in denen es möglich wäre, 85 Prozent der Haushalte tatsächlich mit 30 Mbit/s zu versorgen. Erledigen soll das nicht der Kreis, stattdessen war ursprünglich geplant, dass sämtliche Gemeinden sich an einem Zweckverband beteiligen. Aufgrund der Tatsache, dass sich die bislang unversorgten Gebiete in drei Regionen ballen – vornehmlich südwestlich von Schleswig (Stapelholm), im Bereich Südangeln und im Raum Kappeln/Geltinger Bucht – schlägt Held nun drei Zweckverbände vor.

Diese sollen dann das Glasfasernetz ohne Eigenkapital über Banken finanzieren und aufbauen, um es dann an Netzbetreiber zu verpachten. Dieser Ausbau soll in fünf Phasen von je zwei Jahren erfolgen. Als Betriebsdauer werden 30 Jahre kalkuliert, die Investitionen sollen über die Pacht refinanziert werden. Weil aber die prognostizierte Zahl an Kunden inzwischen deutlich geschrumpft ist, ließen sich die Kosten auf diesem Wege nicht in den Griff bekommen. Ein jährliches Defizit von rund drei Millionen Euro bliebe, so dass auch die Endkunden einen Beitrag zahlen müssten, um das schnelle Internet zukunftssicher aufs Land zu holen.

„Zahlen können einen erschlagen“, sagte Ausschussvorsitzender Thomas Detlefsen (CDU). „Die Menschen erwarten aber keine endlosen Diskussionen, sondern Lösungen.“ Daher soll die Diskussion über die Bildung von Zweckverbänden jetzt zügig auf Gemeindeebene geführt werden – gegebenenfalls auch über die Kreisgrenze hinweg.

Tempo – das ist es, was man auch im Amt Südangeln fordert. Vor wenigen Tagen hat der Hauptausschuss des Amtes seine Skepsis hinsichtlich des präsentierten Planes deutlich gemacht. „Ich bezweifle einfach, dass eine kreisweite Lösung gelingen kann“, sagt der Leitende Verwaltungsbeamte Heiko Albert. „Deshalb wollen wir jetzt für unseren Bereich eine grundstückscharfe Planung vorantreiben.“ Realisiert werden solle dann nur, was auch wirtschaftlich darstellbar sei, sagt er. Zugleich warnt Albert davor, für unterschiedliche Gemeinden verschiedene Anschlussqualitäten zu planen. „Dann ist die Solidarität auch im Hinblick auf mögliche regionale Zweckverbände gleich dahin.“

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