Gottorfer Masterplan : Der lange Weg bis zum Umbau

Der gläserne Anbau an den Ostflügel soll zum neuen Zentrum der Schlossinsel werden.
Der gläserne Anbau an den Ostflügel soll zum neuen Zentrum der Schlossinsel werden.

Bis 2026 soll Schloss Gottorf mit seinen Landesmuseen in neuem Glanz erstrahlen.

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23. Januar 2018, 07:00 Uhr

So ganz wird der „Masterplan 2025“ seinem Namen wohl nicht gerecht werden. „Aber wenn’s gut läuft, schaffen wir es bis 2026“, sagt Projektleiter Dr. Ralf Bleile (50). Dann, in gut acht Jahren also, soll Schloss Gottorf zu einem modernen Museum umgebaut worden sein. Die Planungen für das mehr als 30 Millionen Euro teure Vorhaben laufen auf Hochtouren. Bis April werde man Klarheit haben, wann die Bagger anrollen können – vermutlich 2023 oder 2024. Von einem möglichen Baubeginn schon im Jahr 2020, den die Schlossherren in ihrer ersten Euphorie erhofft hatten, ist nicht mehr die Rede.

„Das Projekt muss von A bis Z durchgeplant werden“, betont Bleile, der von Haus aus Unterwasserarchäologe ist und sich im vergangenen Jahr extra zum Projektmanager fortbilden ließ. Denn trotz der Umbauarbeiten im Hauptgebäude soll der Betrieb auf der Schlossinsel weiterlaufen. Kunstausstellungen in der Reithalle etwa bleiben durchgehend möglich.

Nur nichts dem Zufall überlassen. In der vergangenen Woche war eine Gottorfer Delegation – angeführt von Stiftungsdirektor Prof. Claus von Carnap-Bornheim und dem kaufmännischen Geschäftsführer Guido Wendt – auf Deutschland-Tournee, um sich ein Bild von ähnlichen Projekten zu machen. Man habe die Berliner Museumsinsel, das Deutsche Museum in München sowie das Historische Museum in Frankfurt besucht, die sich derzeit ebenfalls mit zum Teil noch viel gewaltigeren Investitionen fit machten für die Zukunft. Bleile: „Die Grunderkenntnis lautet: Wir sind nicht schlecht aufgestellt.“ Vor allem komme den Landesmuseen zugute, dass man auf das bald fertiggestellte Zentralmagazin auf dem Hesterberg zurückgreifen könne, um die Exponate aus dem Schloss zwischenzulagern. In München etwa müssten dafür extra Depotflächen angemietet werden.

Der Bund und das Land geben jeweils 15,6 Millionen Euro für den Masterplan. Dabei müssen sich die Zuwendungsgeber zunächst einmal abstimmen, was genau aus dem großen Fördertopf bezahlt werden darf und was nicht. Am heutigen Dienstag trifft sich die Kulturbeauftragte des Bundes, Monika Grütters, in dieser Angelegenheit erstmals mit Vertretern des Landes.

Bis zum Sommer sollen die Architektenverträge geschlossen werden – einer für die Ausstellungen, einer für die Hochbauarbeiten. Im Vergabeverfahren wird zwischen den drei Erstplatzierten des Ideenwettbewerbs entschieden. In diesem Ideenwettbewerb hatte sich das in Berlin und Zürich ansässige Architekturbüro Holzer/Kobler durchgesetzt – und dabei den gläsernen Anbau an den Ostflügel vorgeschlagen. Dieser „Erweiterungsbau“, wie Bleile ihn nennt, soll zum Herzstück des Masterplans werden. Er wird künftig das Foyer mit Ticketverkauf beherbergen. Von dort sollen die Besucher über eine Freitreppe ihren Rundgang durch die neu konzipierten Ausstellungen starten.

Erstes nach außen hin sichtbares Zeichen des Masterplans könnten in diesem Jahr die notwendigen archäologischen Voruntersuchungen vor dem Ostflügel sein. Er würde gerne spätestens im Herbst einen sogenannten Sondageschnitt machen, erklärt Bleile. Anhand dieses drei Meter breiten Streifens ließen sich erste Erkenntnisse über zu erwartende Funde gewinnen. „Und da wird was sein, das ist ja alles Kulturland.“ Und je eher die Funde dokumentiert sind, desto eher könne man mit dem eigentlichen Bauvorhaben beginnen. Für Bleile steht fest: „Das Projekt ist eine Wahnsinnssache. Und es macht unglaublich viel Spaß.“

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