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Sturmschäden : Der lange Atem von Orkan Christian

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Sturm vom 28. Oktober 2013 wirkt bis heute nach: Gebäudeschäden belasten Besitzer und Versicherungen. Die Wälder sind hingegen weitgehend geräumt.

Vor fast einem Jahr fegte Orkan „Christian“ übers Land und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Besonders hart getroffen waren die Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg. Hier wurden ganze Wälder flachgelegt und Häuser zerstört. Auch ein Jahr nach dem schweren Unwetter wirkt „Christian“ nach – in den Wäldern, aber auch bei Hausbesitzern wie Daniela Hahn aus Esgrus, deren Therapie-Scheune innerhalb weniger Minuten in einen Schutthaufen verwandelt worden war.

Die 48-Jährige steht in den Trümmern ihres „Geniushofes“, wie sie es vor einem Jahr tat, als sie voller Verzweiflung um Hilfe bat. Drei Jahre zuvor hatte sie den 30 Meter langen und 16 Meter breiten Stall auf der „Schwanburg“ saniert und gerade mit dem Trägerverein damit begonnen, diese Therapiestätte einzurichten. Doch es zogen nicht „Lebensfreude und Integration“ (Geniushof-Motto) ein, sondern am Nachmittag des 28. Oktober „Christians“ Sturmböen darüber hinweg – mit verheerenden Folgen. Der Schaden wurde damals auf eine halbe Million Euro geschätzt, viel zu hoch, als dass der Verein den Wiederaufbau hätte allein stemmen können. Ein Fall für die Versicherung, doch mit der liegt Daniela Hahn im Streit, so dass an dem Gebäude bis heute kein Fortschritt zu erkennen ist.

„Wir sind mit dem im Juni vorgelegten Gutachten überhaupt nicht zufrieden“, sagt Hahn. Ihre Versicherung wolle 330 000 Euro zahlen und gehe davon aus, dass das Gebäude zu reparieren ist. „Mir haben zwei Bauunternehmen und Architekten versichert, dass das nicht möglich ist“, sagt sie und fordert ein neues Gutachten und eine statische Untersuchung der Ruine. Einen Anwalt hat sie auch eingeschaltet, denn nicht nur das Therapiezentrum ruht, sondern auch ihre Pensionsvermietung leidet. Wer will schon Urlaub an einer Ruine verbringen?

Hart getroffen hat es an jenem Montagnachmittag auch Heiner und Elisabeth Schwensen. „Es war wie ein Bombeneinschlag“, sagte der heute 75-Jährige am Tag danach. Der Sturm hatte das Dach der Scheune seines Bauernhofes angehoben und gegen das Wohngebäude geschleudert. Das Haus des Ehepaares erlitt einen Schaden in Höhe von 50 000 Euro und wurde schnell wieder repariert. Die Scheune aber, in der sich Trecker, Wohnwagen und eine Werkstatt befanden, musste komplett abgetragen werden, Schaden: 195 000 Euro. Ob sie das Gebäude wieder aufbauen, wissen die Schwensens noch nicht. Die Versicherung gewährte für die Entscheidung zwei Jahre Bedenkzeit, davon ist ein Jahr um.

Weitgehend beseitigt sind die massiven Schäden, die „Christian“ in den Wäldern im Kreisgebiet hinterlassen hat. Vor allem der Handewitter Forst ist kaum wiederzuerkennen. Rund 30 000 Festmeter Holz – die zehnfache Menge eines normalen Jahres – wurden in dem 580-Hektar-Wald flachgelegt beziehungsweise geknickt. Davon haben wir noch ungefähr 5000 Festmeter abzuarbeiten“, sagt Revierförster Klaus-Dieter Schmidt. Das werde durch eigenes Personal und Eigenwerber im kommenden Winter erledigt, sagt er. Zurzeit werde die Wiederaufforstung von 95 Hektar Wald vorbereitet. Die jungen Bäume werden vom Land aus den Erlösen aus dem Holzverkauf finanziert.

Auch Revierförster Udo Harriehausen, zuständig für 40 Waldstücke (1700 Hektar) in Angeln, kann von weitgehend bereinigte Flächen berichten. Es seien lediglich noch Verkehrssicherungsarbeiten vonnöten, sagt er. Das heißt: In Bäumen hängende Baumreste müssen noch entfernt werden. Dafür ist Spezialgerät nötig; und das, sagt Harriehausen, sei im vergangenen Jahr ausgesprochen begehrt gewesen. Zum Glück sei der Holzmarkt trotz der großen Mengen weitgehend stabil geblieben, sind beide Revierförster froh. Und dank der guten Bahnanbindung in Weiche habe man sogar neue Märkte in Holland und Süddeutschland erschießen können, betont Schmidt.

Tief durchatmen mussten die Mitgliedervertreter der Ostangler Brandgilde, als ihnen der Vorstand im März die Jahresbilanz 2013 präsentierte. „Bis zum 28. Oktober 2013 war die Welt für uns bei der Ostangler noch in Ordnung. Der Schadenverlauf war gut und es zeichnete sich ein wirklich ordentliches Geschäftsergebnis ab. An diesem Nachmittag jedoch wurden innerhalb von drei bis fünf Stunden zirka 350 Millionen Euro Sachwerte in Deutschland zerstört, davon allein rund 15 Millionen Euro versicherte Werte bei der Ostangler Brandgilde“, heißt es im Geschäftsbericht. 4300 Schäden mussten reguliert werden, ein Kraftakt für den traditionsreichen Versicherungsverein, der am Jahresende vor allem aufgrund des einen Sturm-Nachmittags einen Verlust von gut einer Million Euro ausweisen musste. In der Folge entschied sich die Brandgilde, die Eigenkapitalbasis zu stärken, indem sie Anfang 2014 1,38 Millionen Euro in Form von Genussscheinen aufnahm, bereitgestellt durch fünf Geschäftspartner der Ostangler Brandgilde.

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erstellt am 07.Okt.2014 | 12:00 Uhr

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