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Schleswiger Nachrichten

22. Oktober 2017 | 00:05 Uhr

leerstände : Der Kornmarkt blutet aus

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Künftiger Bürgermeister Arthur Christiansen und IHK setzen auf Runden Tisch, um die Innenstadt wieder aufleben zu lassen.

von
erstellt am 07.Jan.2014 | 07:45 Uhr

Gut zwei Monate ist es her, dass Till Beyer die Notbremse zog und sein Möbelgeschäft „Formamente“ am Kornmarkt dicht machte. Zu hohe Miete, zu wenig Kunden – das ging auf Dauer nicht gut (wir berichteten). Inzwischen haben weitere Läden zwischen dem östlichen Ende des Stadtweges und dem Gallberg geschlossen. Rund um den Kornmarkt reiht sich Leerstand an Leerstand.

Ein Problem, das auch Schleswigs künftiger Bürgermeister Arthur Christiansen bereits vor seinem Amtsantritt erkannt hat. „Wir müssen dieses Thema schnell angehen. Schleswig wird sich künftig viel stärker als wirtschafts- und kaufmannsfreundliche Stadt präsentieren“, sagt Christiansen. Deshalb möchte er sämtliche relevante Akteure an einen Runden Tisch holen, um insbesondere die Innenstadt für Investoren, aber auch für Kunden attraktiver zu machen: die Vermieter der Ladenflächen, die Kaufleute, Vertreter von der Industrie- und Handelskammer (IHK) und des Tourismus, das Stadtmanagement und nicht zuletzt Politiker und die Verwaltung. Sich selbst sieht Christiansen dabei in der Rolle eines „Coaches oder Moderators“. Gemeinsam müsse man die Potenziale der Stadt besser nutzen, Ziele abstecken, an einem Strang ziehen. „Der Wirtschaft in Deutschland geht es sehr gut, warum soll nicht auch Schleswig davon profitieren?“

Stefan Wesemann von der IHK setzt in diesem Zusammenhang große Hoffnungen auf das Innenstadt-Sanierungskonzept, das auch den Kornmarkt attraktiver machen soll. Durch den Abzug der Bundeswehr und großer Betriebe aus Schleswig sei die Kaufkraft in der Stadt spürbar gesunken. Das Internet und die Verlagerung von Geschäften an den Stadtrand machten es den Geschäften in der Innenstadt ebenfalls schwer. „Deshalb muss man gemeinsam über Konzepte nachdenken, um die Läden dort zu stärken“, sagt Wesemann und spricht von einer möglichen Gründerinitiative. Diese könne, in Zusammenarbeit mit den Vermietern, so aussehen, dass man neuen Kaufleuten in den ersten Monaten die Miete erlässt, Staffelmiet-Modelle erarbeitet „und insgesamt mit den Monatsmieten runtergeht“. Denn die, so Wesemann, sind offenbar in vielen Fällen zu hoch.

Das räumt auch Immobilienmakler Detlef Petersen ein. „Das sage ich den Vermietern auch ganz offen. In vielen Fällen muss man einfach Zugeständnisse machen, wenn man nicht auf dem Läden sitzen bleiben will. Aber ich glaube auch, dass die Banken in diesem Spiel mitspielen und das Kleingewerbe besser unterstützen müssen. Es ist für Existenzgründer unglaublich schwierig, Kredite zu bekommen“, betont Petersen.

Adel Dahmani betreibt am Kornmarkt bereits seit 2005 das „Coffea“. Seitdem hat er zahlreiche Geschäfte in seiner Nachbarschaft kommen und gehen sehen. „Ich habe das Gefühl, es geht immer auf und ab. Zurzeit haben wir leider mal wieder eine schlechte Phase“, sagt der gebürtige Tunesier. Er hofft, dass auf Dauer wieder echte Frequenzbringer, also Läden, die viel Publikum anlocken, an den Kornmarkt ziehen. „Das A und O ist aber, den Konsum zu stärken. Es hilft nichts, dass viele Schleswiger über die Leerstände in nur meckern. Man muss auch selber rausgehen und die Umsätze der Läden ankurbeln. Dann können sie auch überleben.“

Das wiederum sieht auch Harry Ober vom „Wein- und Whisky-Depot“ so, er nimmt aber auch seine Kaufmannskollegen in die Pflicht. „Man bekommt immer die Kundschaft, die man sich verdient hat. Man muss als Verkäufer auch selbst etwas tun, aktiv sein, sich präsentieren“, sagt er. Dennoch beklagt er auch, dass die Mieten für Läden rund um den Kornmarkt deutlich zu hoch sind. Nur wenn diese dem Markt angepasst würden, hätten inhabergeführte Geschäfte eine realistische Chance. „Und gerade die wollen wir ja haben. Kleine Läden, die es nicht überall gibt, ziehen doch Kunden und Touristen an – nicht nur die großen Ketten“, meint Clemens Winter von der Matratzen-Manufaktur „Laroma“ am Gallberg.

Arthur Christiansen ist optimistisch, dass Schleswig, und somit auch der Kornmarkt, in den kommenden Jahren eine Trendwende gelingt. „Was Städte wie Eckernförde und Husum, die in den vergangenen Jahren spürbar aufblühen, hinbekommen haben, das können wir auch.“

 

 

 

 

 

 

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