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Schleswiger Nachrichten

26. September 2017 | 22:12 Uhr

Schleswig : Der Holm soll Denkmal werden

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Landeskonservator Paarmann möchte die komplette Fischersiedlung Holm unter Schutz stellen – und stößt damit bei einigen Bewohnern auf Ablehnung.

von
erstellt am 26.Mai.2016 | 07:46 Uhr

Er ist eines der beliebtesten Fotomotive in der Stadt, ein Anziehungspunkt für Urlauber und neuerdings auch eine begehrte Kulisse für Kinofilme wie „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“ oder die „Fünf Freunde“. Und nicht zuletzt ist der Holm eine lebendige Fischersiedlung, die sich viele ihrer Eigenheiten seit dem Mittelalter bewahrt hat.

Viele Besucher sind überrascht, wenn sie hören, dass dieses Ensemble aus pittoresken Häusern rund um den historischen Friedhof nicht unter Denkmalschutz steht. Überlegungen, dies zu ändern, gibt es schon seit 40 Jahren. Jetzt unternimmt Landeskonservator Michael Paarmann einen erneuten Anlauf, und er ist zuversichtlich, dass er diesmal ins Ziel kommen wird. Jetzt informierte der Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege den Schleswiger Bauausschuss über seine Pläne. Als er vor 14 Jahren schon einmal mit demselben Ansinnen im Rathaus vorstellig geworden war, erntete er noch massiven Widerspruch von den Kommunalpolitikern. Diesmal hielten sie sich mit Kommentaren zurück. Ohnehin sagte Paarmann: „Wir werden die Schleswiger Gremien einbinden, aber sie können es schwerlich verhindern, und das ist auch gut so.“

Bisher stehen auf dem Holm nur der Friedhof samt Kapelle und Gitterzaun sowie ganz wenige einzelne Gebäude unter Denkmalschutz. Die meisten Häuser an der Süderholmstraße waren zwar bisher als „einfache Kulturdenkmale“ registriert, diese Kategorie, die nur mit einem vergleichsweise geringen Schutz verbunden war, existiert seit der Neufassung des Denkmalschutzgesetzes jedoch nicht mehr.

Sollte der gesamte Holm zum Denkmalbereich erklärt werden, wie es Paarmann vorschwebt, dann dürften alle Hausbesitzer ihre Gebäude nur noch in enger Abstimmung mit den Denkmalschützern verändern. Auch für Neubauten würden strengere Regeln gelten als jetzt.

Auf dem Holm ist davon längst nicht jeder begeistert. „Ich bin absolut dagegen“, sagt Jörn Roß, der Ältermann der Holmer Fischerzunft. Er hat frische Erfahrungen mit dem Thema, weil seine Familie gerade ein Haus am Eingang zum Holm gebaut hat. Dabei musste er sich bereits mit Paarmann auseinandersetzen, weil das Nachbarhaus eines der wenigen Bauten in der Siedlung ist, die schon jetzt unter Denkmalschutz stehen und für deren direkte Umgebung deshalb ebenfalls besondere Regeln gelten. Zwar sei es richtig, den Holm in seinem gesamten Erscheinungsbild zu erhalten, meint Ross. Die Vorgaben des Denkmalschutzes gehen ihm aber zu weit. „Da muss man zum Beispiel Holzfenster verwenden, obwohl Kunststofffenster inzwischen praktisch genauso aussehen.“ Er wisse von anderen Holmern, die seine Meinung teilten, sagt der Fischer. „Andere fänden es aber auch gut, wenn der Holm unter Denkmalschutz gestellt würde, es gibt dann ja auch steuerliche Vorteile.“

Das Verfahren zur Unterschutzstellung des Holms dürfte etwa sechs Monate in Anspruch nehmen, schätzt Paarmann. Er möchte damit im nächsten Jahr beginnen. „In der Priorität steht es bei uns an zweiter Stelle“, sagt er. Vorher ist Friedrichstadt an der Reihe. „Dort scheint der Veränderungsdruck im Moment noch höher zu sein als auf dem Holm.“

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