Schleswig : Der Hertie-Abriss kann beginnen

Das Hertie-Haus im Stadtweg: Vor neun Jahren gingen hier die Lichter aus.
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Das Hertie-Haus im Stadtweg: Vor neun Jahren gingen hier die Lichter aus.

Bis Weihnachten soll vom einstigen Kaufhaus im Stadtweg nichts mehr zu sehen sein.

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12. April 2018, 07:45 Uhr

Jetzt aber wirklich. Noch in diesem Monat soll es losgehen. Das versprach Bürgermeister Arthur Christiansen gestern Nachmittag gemeinsam mit dem zuständigen Bauleiter Jörn Wiese vom Bordesholmer Abbruchunternehmen Glindemann. Die Hertie-Ruine wird abgerissen. Wann der erste Bagger anrollt, das wollte zwar noch keiner der Beteiligten sagen. Spätestens in zwei Wochen werden aber die Sicherungsmaßnahmen beginnen.

Der Abriss war schon mehrfach verschoben worden – weil das Gebäude auf schützenswerte Fledermäuse untersucht werden musste und weil sich herausstellte, dass Wasserläufe am Hang unterhalb der Michaelisallee die Arbeiten komplizierter machen als zunächst angenommen. Im vergangenen August feierten 2000 Schleswiger sogar schon eine Abriss-Party, die den Auftakt zu den Abbrucharbeiten bilden sollte, die dann doch nicht kamen.

Am Freitag und Sonnabend, 20. und 21. April, plant Event-Veranstalter Ingo Harder nun die „Abrissparty 2.0“. Bürgermeister Arthur Christiansen ist sich so sicher, dass nun nichts mehr schief geht, dass er sogar Freibier verspricht. Zur Eröffnung am Freitag um 19 Uhr wird er persönlich an der Zapfanlage stehen und kostenlos Bier ausschenken, bis das erste Fass leer ist. „Ich werde auch den Innenminister einladen, aber ich weiß noch nicht, ob er kommt“, sagte Christiansen. Denn das Kieler Ministerium von Hans-Joachim Grote (CDU) hat mit den Zuschüssen aus der Städtebauförderung einen relevanten Teil dazu beigetragen, dass die Stadt das Hertie-Grundstück für 1,75 Millionen Euro kaufen konnte und es nun für 1,5 Millionen Euro abgerissen wird.

Bis Weihnachten soll der Abriss erledigt sein. Außer dem Hauptgebäude werden dann auch die beiden Häuser Stadtweg 70 und Stadtweg 68 an der Ecke zur Moltkestraße verschwunden sein.

<p>Dieser Mann reißt Hertie ab: Bauleiter Jörn Wiese.</p>
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Dieser Mann reißt Hertie ab: Bauleiter Jörn Wiese.

 

Einen genauen Zeitplan konnte Bauleiter Wiese gestern noch nicht vorlegen, wohl aber die groben Abläufe. Demnach wird zuerst das mittlere Gebäude (Stadtweg 68) weichen, um Platz für die Baustelleneinrichtung zu schaffen. Parallel wird das Hauptgebäude für den Abriss vorbereitet. Unter anderem muss das Fundament mit einem so genannten Flüssigboden aufgefüllt werden, um das Erdreich am Hang zu stabilisieren. Dann folgt die Schadstoffsanierung und die Entkernung. Erst dann kommt der Abrissbagger und reißt die Mauern ein.

Von der Ladenstraße aus wird man lange Zeit nur wenig von den Arbeiten sehen. „Wir werden von hinten anfangen und uns dann nach vorne vorarbeiten“, sagte Wiese. Mit Straßensperrungen sei – wenn überhaupt – nur sehr kurzzeitig zu rechnen.

Nach Weihnachten soll dann eine Sandfläche zurückbleiben – umgeben von einem Bauzaun. Christiansen ist zuversichtlich, dass das kein Dauerzustand bleiben wird. Anfang 2019 soll ein Investor für das Grundstück gefunden sein. „Dabei geht es uns nicht darum, wer den höchsten Kaufpreis bietet, sondern wer das beste Konzept vorlegt“, betont der Bürgermeister. Die Eckpunkte stehen dabei fest. Sie sind im Rathaus gemeinsam mit der Kronshagener BIG-Städtebau entwickelt worden, dem Büro, das die Innenstadtsanierung managt. Auf dem Eckhaus-Grundstück (Stadtweg 70) ist ein kleiner öffentlicher Platz geplant. Auf dem übrigen Gelände soll ein Komplex entstehen mit einem großen Geschäft im Erdgeschoss, das als Magnetbetrieb Kunden in die Innenstadt lockt. In den oberen Stockwerken sind Büros für Dienstleister vorgesehen und eventuell auch Wohnungen.

Der Bürgermeister hofft, dass allein der Abriss des alten Kaufhauses eine Aufbruchstimmung auslöst. „Dass hier so lange nichts passiert ist, das war für viele Menschen ein Symbol für den Stillstand. Der Abriss wird ein Befreiungsschlag für Schleswig.“

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