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Schleswiger Nachrichten

21. August 2017 | 01:22 Uhr

Eggebek : Der Herr des Energieparks

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Unternehmer Hans-Peter Carstensen treibt die Entwicklung der Konversionsfläche in Eggebek aus eigener Kraft voran. Staatliche Zuschüsse bekommt er im Gegensatz zu Kommunen nicht.

Energie aus Sonnenlicht, Wind und Biomasse wird auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes Eggebek bereits gewonnen. Auch erste Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien haben sich zwischen den ausgedienten Kampfjet-Hangars rund um den Tower angesiedelt. Seit 2009 ist der Unternehmer Hans-Peter Carstensen aus Handewitt Eigentümer des Geländes. Sein Ziel: das 408 Hektar große Areal in einen Energiepark zu verwandeln, moderne Technologie-Unternehmen anzusiedeln und so Arbeitsplätze in der Region zu schaffen.

Doch zunächst muss Carstensen im großen Stil in die Infrastruktur des Geländes investieren. „Wasser, Licht, Straßen und Internet bleiben an mir hängen“, sagt er. Derzeit führt er Verhandlungen mit dem Wasserverband. „Die haben gesagt, sie übernehmen die Rohrleitungen nicht in dem aktuellen Zustand. Sie müssten zunächst vernünftig instand gesetzt werden.“

Auch für die Straßen, die über das Gelände führen, ist Carstensen verantwortlich. Die seien zwar gut in Schuss, hätten Bundeswehr-Anforderungen genügt, für eine zivile Nutzung gelten jedoch andere Regeln. Also ließ der Unternehmer von der Hauptachse mehrere Ausfahrten anlegen, und auch die Radien der Kurven musste er an einigen Stellen den neuen Anforderungen anpassen. 180 000 Euro hat er hierfür gerade erst investiert. Für die nächste Stufe des weiteren Ausbaus des Geländes kalkuliert Carstensen mit weiteren Investitionen in Höhe von 600 000 Euro. „Es ist eine klare Angelegenheit. Ich muss über die nächsten Jahre investieren.“ Angesichts der Größe des Areals rechnet er mit einem Zeitrahmen von fünf bis zehn Jahren.

Dabei muss der Handewitter Unternehmer im Gegensatz zu manchem Gewerbegebiet in kommunaler Hand ohne staatliche Förderung auskommen. Und er bekommt demnächst mit dem interkommunalen Gewerbegebiet Schleswig-Schuby einen ernst zunehmenden Wettbewerber.

Bei all seinen Bemühungen, Unternehmen auf dem Gelände anzusiedeln, muss Carstensen auch eine Auflage, die ihm die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) beim Verkauf des Militärgeländes gemacht hat, im Auge behalten: Der Anteil der Unternehmen, die auf dem Gelände herkömmliches Gewerbe betreiben, darf 20 Prozent nicht übersteigen. 80 Prozent der Fläche sind Unternehmen aus den Bereichen Neue Technologien und Erneuerbare Energien vorbehalten.

Eggebeks Bürgermeister Willy Toft sieht das Engagement von Carstensen als Glücksfall für die Gemeinde. „Das ist eine Herkulesaufgabe, die Carstensen da erfüllt. Die Gemeinde ist froh, einen solchen Unternehmer zu haben“, sagt er. „Wir werden immer im Rahmen unserer Möglichkeiten behilflich sein.“

Den Bau der 83,5-MW-Photovoltaikanlage auf einer Fläche von 130 Hektar bezeichnet Carstensen als bisher größten Erfolg auf dem Flugplatzgelände. Auch die Kooperation mit der Fachhochschule Flensburg, sie betreibt auf dem Gelände eine Windkraftanlage zu Forschungszwecken, ist für den Unternehmer eine Erfolgsgeschichte. Er hofft, eines Tages eine Nebenstelle der FH auf dem Flugplatzgelände etablieren zu können. Eine weitere Idee, die Carstensen gerne realisieren würde, ist die Errichtung eines Gründungszentrums nach dem Vorbild der Flensburger Institution. Gespräche mit der Wireg sollen Klarheit bringen.

Einen Traum würde sich Carstensen gern auf dem Gelände erfüllen: Die Errichtung eines Kombibahnhofs für den Gütertransport. „In Eggebek gibt es für dieses Projekt mehr als genug Platz“, sagt er. Dieses Projekt erfordere aber den Blick weit über die Grenzen der Region und – in Richtung Norden – auch des Landes hinaus. „Dafür müssen alles Akteure mit an den Tisch.“ Dies habe sich in ersten Gesprächen allerdings als schwierig erwiesen. Deutsche Bahn und Verkehrsministerium hätten ihre Gesprächsbereitschaft bereits signalisiert, doch die Dänen, die in Padborg über einen eigenen Umschlagplatz verfügen, zierten sich noch, musste Carstensen zur Kenntnis nehmen. Also lässt er das Projekt ruhen. „Ich bin gegenüber allem offen“, sagt er ganz gelassen in dem Wissen: „Ich habe genug Flächen für 80 Jahre.“

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