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„Sterndruck“ : Der Herr der Adventskalender

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wolfgang Harm hat im hart umkämpften Druckereigewerbe für seine Schleswiger Firma eine ganz besondere Nische entdeckt.

Sie waren vergangene Woche innerhalb weniger Stunden nach Verkaufsstart vergriffen – die 6000 Adventskalender des Rotary-Clubs Schleswig-Gottorf. Keine Frage, die Kalender sind wie in den Jahren zuvor der Renner. Doch nicht nur aus Sicht der Rotarier, die mit dem Verkaufserlös (fünf Euro pro Stück) soziale Projekte finanzieren. Auch für Wolfgang Harm, den Inhaber des Schleswiger Unternehmens „Sterndruck“. Denn mit dem Produzieren von Türchenkalendern hat der 58-Jährige nach eigener Aussage eine Nische gefunden, um in der harten Druckbranche überleben zu können.

Es sind nämlich längst nicht mehr nur die Schleswiger Rotary-Kalender, die in der Offsetdruckerei im Gewerbegebiet St. Jürgen gedruckt, geklebt und gestanzt werden. Überwiegend für Serviceklubs und Bürgervereine, aber auch für Firmen in mittlerweile 65 Städten in ganz Deutschland sowie in Österreich und der Schweiz stellt „Sterndruck“ Türchenkalender her. „Wir haben gerade die Marke von 200  000 Stück geknackt“, freut sich Harm. Innerhalb der letzten vier Jahre habe er die Zahl seiner Kunden beinahe verdreifachen können. Als vor zwölf Jahren die Gottorfer Rotarier erstmals einen Adventskalender herausgaben und damit von Firmen gesponserte Gewinne unters Volk brachten, habe er sich nicht vorstellen können, was für ein Markt sich hinter solchen Produkten verberge.

„Das Kleben ist die Kunst“, verrät Harm das Geheimnis der Produktionssteigerung. Mussten anfangs die einzelnen Papierschichten jedes einzelnen Kalenders mühsam per Hand verklebt werden, habe man rechtzeitig zum Start dieser Saison mit Hilfe eines befreundeten Ingenieurs eine Maschine entwickelt, die diese Arbeit übernimmt. „Die schafft 2000 Stück pro Stunde.“

Das Prinzip der Kalender ist so einfach wie genial. Hinter jedem Türchen verbirgt sich entweder ein Gewinn oder ein Rabatt oder aber auch nur ein Spruch. So wie beim Adventskalender eines Friedberger Buchstützen-Verlags in Zusammenarbeit mit der „Neuen Zürcher Zeitung“. Dieser versorgt seine Kundschaft in der Vorweihnachtszeit mit Zitaten von Weltliteraten.

15 Prozent seines Jahresumsatzes mache die Produktion von Türchenkalendern inzwischen aus, sagt Harm. Und dabei sei noch viel Luft nach oben. „Wir können auch das Doppelte schaffen.“ Zumal es Rabattkärtchen zum Aufreißen nach ähnlichem Muster in einigen Branchen das ganze Jahr über gebe. Erst vor kurzem habe ein Apotheker wegen entsprechender „Give-aways bei ihm angefragt, berichtet Harm. „Das ist ein Riesenmarkt.“

Kleine Druckereien hätten es immer schwerer im knallharten Wettbewerb mit den Online-Anbietern mitzuhalten, sagt Harm. „Es herrscht viel Frust in der Branche.“ Als Spezialist für Türchenkalender hoffe er nun, seine 15 Mitarbeiter halten zu können. „Meine Leute sind jetzt endlich wieder gut drauf“, freut sich der Druckerei-Chef, der zugleich Vorsitzender des Gewerbevereins St. Jürgen („Die Drachentöter“) ist und der Anfang dieses Jahres von unserer Zeitung mit dem Wirtschaftspreis „Der Löwe von Schleswig“ ausgezeichnet wurde.

Und was ist mit den in der Adventszeit bei Alt und Jung so beliebten Schokoladen-Kalendern? „Damit werden wir uns nicht abgeben. Dafür gibt es andere Spezialisten“, sagt Harm und verweist auf die Vorschriften des Lebensmittelgesetzes und die notwendige Produktion in Reinräumen.

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erstellt am 11.Nov.2015 | 15:15 Uhr

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