Der Hauptmann von Köpenick lässt bitten

Perfekte Kulisse, nur kalt wird es im Schloss-Innenhof wieder werden: Die Zuschauer sollten sich Decken mitbringen.   Foto: Matzen
Perfekte Kulisse, nur kalt wird es im Schloss-Innenhof wieder werden: Die Zuschauer sollten sich Decken mitbringen. Foto: Matzen

Morgen beginnen auf Gottorf die Sommerfestspiele / Insgesamt zwölf Vorstellungen / Noch zahlreiche Eintrittskarten erhältlich

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12. Juni 2013, 03:59 Uhr

Schleswig | Es ist ja nur eine Probe, da darf man mal den Einsatz verpassen. Darf? Von wegen. "Musik!", ruft Ingo Putz. Für eine Sekunde klingt die Stimme des Regisseurs fast genauso barsch und herrisch wie die seiner preußischen Beamten und Soldaten, die er in großer Zahl auf der Bühne der Sommerfestspiele aufmarschieren lässt. Durch den Kommandoton wird der Mann an der Drehorgel sichtlich angetrieben. Die dudelnden Klänge seines Instruments sind wichtig für die Szene. Typische Straßenmusik zur Kaiserzeit.

Seit sechs Wochen probt das Ensemble des Landestheaters auf Gottorf den "Hauptmann von Köpenick". Am morgigen Donnerstag, 13. Juni, 20.30 Uhr, hat das Stück Premiere. Bei den Proben in dieser Woche geht es um den Feinschliff. Regisseur Putz nimmt kleinere Änderungen vor, die die Inszenierung geschmeidiger, spontaner, lebendiger wirken lassen. Um es vorwegzunehmen: Die Eindrücke von der Probe am Montagabend lassen darauf schließen, dass sich für die Zuschauer der Besuch lohnen wird. Hier entsteht ein großes Stück in großartigem Gewand. Putz schöpft aus dem Vollen. Über 30 Profi-Schauspieler und Statisten werden sich auf der Bühne tummeln, die aufwändig gestalteten Kostüme sind eine Augenweide, die Mitglieder der preußischen Militärkapelle haben sogar das Marschieren gelernt.

Und dann dieser Hauptdarsteller! Wo haben die Theaterleute nur diesen hageren, geradezu verhärmt wirkenden Uwe Kramer aufgetan, der schlesisch-näselnd die tragikomische Gestalt des Schusters Wilhelm Voigt so ungemein glaubwürdig verkörpert? Die Antwort: Man hat gar nicht lange nach ihm gesucht, denn seit der Spielzeit 2011 / 2012 gehört Kramer bereits zum personellen Stamm des Theaters. "Man muss ein Stück finden, das zum Ensemble passt", sagt Regisseur Putz, "Uwe macht das richtig gut." Er hat das Zeug dazu, den Schleswigern in ähnlich guter Erinnerung zu bleiben wie in den neunziger Jahren Konrad Krauss in der Rolle des "Jedermann".

Morgen um 20.30 Uhr geht es also los. Vor dem Schloss werden Soldaten marschieren und fein gekleidete Damen flanieren. Ein preußischer Wachtmeister (gespielt von einer Frau) soll sich um die falsch geparkten Droschken der Besucher kümmern; Strafzettel hat er genügend dabei. Ebenfalls reichlich vorhanden: Karten für die Premiere. Über 100 Tickets haben bisher keinen Käufer gefunden - die Schleswiger scheinen dem Braten noch nicht zu trauen oder wollen abwarten, wie das Wetter wird.

In jedem Fall sollte man sich vor der Kühle wappnen, die ab 21 Uhr im Innenhof des Schlosses die Zuschauer zusammenrücken lässt. Decken, Pullover und Mützen müssen niemandem peinlich sein. Und am Ende kann man sich ja immer noch warmklatschen. Wetten, dass diese Inszenierung es verdient hat?

und an der Theaterkasse im Slesvighus, Tel. 2 59 89. Aufführungstermine: Donnerstag bis Sonntag, 13., 14., 15., 16. Juni / 20., 21., 22., 23. Juni/ 27., 28., 29., 30. Juni (Beginn immer um 20.30 Uhr).

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