Gottorfer Schlossfestspiele : Der Hauptmann nimmt den Hut

Die Schauspieler mussten ihre Requisiten gut festhalten. Es wehte ein kräftiger Wind durch den Schlosshof.
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Die Schauspieler mussten ihre Requisiten gut festhalten. Es wehte ein kräftiger Wind durch den Schlosshof.

Bei herbstlichem Wetter sind die Gottorfer Schlossfestspiele in ihre vermutlich letzte Saison gestartet. Noch bis zum 6. Juli zeigt das Landestheater der „Hauptmann von Köpenick“.

shz.de von
21. Juni 2014, 12:00 Uhr

Der eisige Wind preußischer Ordnung wehte dem smarten Ex-Knacki Wilhelm Voigt entgegen, als der „Hauptmann von Köpenick“ am Donnerstagabend zum ersten Mal in diesem Jahr wieder auf Schloss Gottorf zu sehen war. Die Gänsehaut-Atmosphäre im Innenhof hatte allerdings nicht nur mit der authentischen Darstellung der Piefkes mit Pickelhauben zu tun, sondern auch mit dem Wetter. Das zeigte sich eher herbstlich bei der ersten von zwölf Aufführungen der voraussichtlich letzten Gottorfer Sommerfestspiele des Landestheaters. Windböen brachten so manches Requisit zum Fliegen, und die kühlen Temperaturen waren wohl der Hauptgrund dafür, dass relativ wenige Zuschauer auf der Tribüne saßen.

Zwar konnte die von Ingo Putz inszenierte Realsatire nach Carl Zuckmayer nicht mit schönem Wetter aufwarten, das tat der guten Unterhaltung jedoch keinen Abbruch. Dafür sorgte schon die Belehrung des Publikums über die sicherheitstechnischen Voraussetzungen: fehlende Eintrittskarte oder die Nutzung des Handys sollte „mit Verbannung oder Erschießung“ bestraft werden. Mit einer Ausnahme: Smartphones durften verwendet werden, um den Schauspielern Tore im Spiel Uruguay gegen England per Handzeichen anzuzeigen.

Diese Mischung aus Tragik und Komik setzte sich während der anderthalbstündigen Metamorphose des arbeitslosen Schusters Wilhelm Voigt, für Schleswiger Ohren herrlich berline-risch dargestellt von Uwe Kramer, zum kostümierten Hauptmann fort. Ausgangspunkt in der Inszenierung war dabei das Gefängnis, wo Jürgen Böhm als Direktor überzeugte, der Voigt und seine Mitgefangenen auf Hockern reitend Krieg spielen ließ. Auch im weiteren Verlauf bestimmten preußische Autoritätsfiguren das Stück, so wie Oliver Nitsche in einer seiner Rollen als Voigts Schwager Friedrich Hoprecht sowie Hauptmann von Schlettow, beeindruckend realistisch verkörpert von Stefan Roschy. Ihnen gegenüber standen der lüsterne Pöbel und der liebenswerte Voigt, der dank der vielgerühmten preußischen Ordnung weder eine Arbeit, noch Papiere erhielt.

Dass die mitreißende Vorstellung wohl eine der letzten gewesen ist, stimmte indes viele Zuschauer traurig. „Es wäre schön, wenn die Festspiele erhalten bleiben könnten“, meinte Eber-hard Kleefeld aus Eckernförde. Und seine Frau Ursula, die schon als junges Mädchen bei den Aufführungen im Schlosshof gewesen ist, wünschte sich, „dass auch das Theater in Schleswig bleibt. Die Ratsherren müssten sich etwas überlegen“. Sie wüssten, dass die Stadt nach einer Lösung suche, „allerdings gibt es neben der Konkurrenz aus anderen Städten ja auch finanzielle Sorgen“. Zu dem Thema meinte Martin Tretbar-Endres aus Rendsburg: „Vielleicht sollte man Sponsoren mit ins Boot holen, denn das Ende der Festspiele ist sehr schade. Sie sind ein Gewinn für ganz Schleswig-Holstein, und gerade für Touristen sollte man sie unbedingt erhalten.“ Zu solchen Touristen zählten Barbara und Rudolf Rohwedder aus dem Schwarzwald, die zusammen mit Margarete Wohlert und Klaus Rathje aus Schleswig nur ein Wort für das nahende Ende hatten: „Schade.“


>„Der Hauptmann von Köpenick“ ist noch bis zum 6. Juli immer donnerstags bis sonntags ab 20.30 Uhr im Innenhof von Schloss Gottorf zu sehen.

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