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Schleswiger Nachrichten

17. Oktober 2017 | 13:52 Uhr

Schleswig : Der große Hertie-Frust

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Verhandlungen um das Schleswiger Hertie-Gebäude stocken. Bürgermeister Arthur Christiansen sieht die Schuld beim Immobilienmakler aus Berlin.

von
erstellt am 08.Apr.2015 | 07:43 Uhr

Schleswig | Die Hertie-Ruine im Stadtweg – seit Jahren ist sie ein Schandfleck. Noch im Januar war Bürgermeister Arthur Christiansen guten Mutes, dass endlich ein Investor die Kaufhaus-Immobilie übernimmt und damit auch der Ladenstraße insgesamt neues Leben einhaucht. Zeigte doch das Hamburger Unternehmen AVW Immobilien starkes Interesse an dem Objekt. Aber diese Hoffnungen haben sich zerschlagen – wieder einmal.

Für Christiansen trägt der Stillstand einen Namen: Sebastian Mogos-Lindemann. Das ist der zuständige Projektmanager bei der Firma CR Investment Management, die die leer stehenden Hertie-Häuser in Deutschland vermarktet. „Ich lasse mich nicht länger vergackeiern“, wettert Christiansen und wirft dem Immobilienmakler vor, stur an utopischen Preisvorstellungen festzuhalten.

Drei Millionen Euro verlangt Mogos-Lindemann dem Vernehmen nach für das Hertie-Gebäude. Eine Summe, die auch der Schleswiger IHK-Geschäftsstellenleiter Stefan Wesemann für alles andere als realistisch hält. Im Jahr 2012 sei der Verkehrswert des Gebäudes mit 2,3 Millionen Euro angegeben worden. Seitdem jedoch habe es dort einen Brand gegeben, sei die Immobilie immer weiter verfallen, erklärt Wesemann. Marktgerecht ist aus seiner Sicht eine Kaufsumme von weniger als zwei Millionen Euro.

Es ist das Gebaren von Mogos-Lindemann, das den Verantwortlichen in der Schleistadt sauer aufstößt. Er zeige „null Bewegung“, gehe überhaupt nicht auf die schwierigen ökonomischen Bedingungen in Schleswig ein, findet Christiansen. Und als mit AVW zum Jahreswechsel ein konkreter Investor parat stand, habe sich Mogos-Lindemann anstatt zu verhandeln erstmal für mehrere Wochen in den Vaterschaftsurlaub verabschiedet – ohne für eine Vertretung zu sorgen.

Der Bürgermeister hatte die Causa Hertie schon bald nach seinem Amtsantritt zur Chefsache erklärt und war im April vergangenen Jahres zu Gesprächen mit Mogos-Lindemann nach Berlin gereist. Inzwischen sei er zu der Erkenntnis gelangt, dass der Projektmanager lediglich an einer möglichst hohen Provision interessiert ist. Ein Eindruck, den auch der neue Stadtmanager Rüdiger Knospe nach einem Gespräch mit Mogos-Lindemann teilt: „Er ist in keinster Weise bereit, ein Entgegenkommen zu signalisieren.“

Mogos-Lindemann zeigt sich von den Vorwürfen überrascht. Christiansen habe sich seit seinem Besuch im vergangenen April gar nicht mehr richtig um das Hertie-Haus gekümmert, erklärt er auf SN-Nachfrage. Selbst an einem Treffen von Bürgermeistern aus Hertie-Standorten vor kurzem in Bingen habe der Schleswiger Verwaltungschef nicht teilgenommen. Und: „Bis heute liegt mir kein konkretes Kaufpreisangebot vor.“ Die Firma AVW Immobilien gehöre jedenfalls nicht zu den ernsthafteren Interessenten.

Dass er drei Millionen Euro für die Immobilie verlangt, will Mogos-Lindemann nicht bestätigen. Nur so viel: Das Haus habe nun einmal einen bestimmten Wert. Den Vorwurf, mit CR Investment Management könne man nicht verhandeln, kontert er mit der Aussage: „Wir haben schon 24 Hertie-Objekte verkauft.“

Tatsächlich sind seit Herbst 2012 immerhin 24 Häuser an Investoren abgegeben worden. Zu den verbliebenen acht Standorten der 2008 insolvent gegangenen Warenhauskette gehören Schleswig und Rendsburg.

Eigentümer ist der britische Investor Dawnay Day – inzwischen selbst pleite –, der für jedes Hertie-Haus eine eigene niederländische Gesellschaft gegründet hatte – so auch die „HIDD Schleswig B.V.“ in ’s Hertogenbosch. Zu den Gläubigern zählt unter anderen die Deutsche Bank – und die sieht Christiansen in der Pflicht: „Ich erwarte, dass die sich kümmert und Gedanken macht über die Immobilie.“

Zunächst einmal gilt es für die Eigentümer, ausstehende Zahlungen an die Stadt zu leisten – Grundsteuern, Straßenreinigungsgebühren und andere Abgaben in Höhe von mehr als 60  000 Euro. Christiansen hat deshalb zum wiederholten Male eine Zwangsversteigerung beim Amtsgericht beantragt (Aktenzeichen 6 K 54-11). Vermutlich wird auch dieses Mal die Deutsche Bank als Treuhänderin kurz vor dem Termin die Schuld begleichen.

Doch den Schandfleck am Entree der Ladenstraße werden Einheimische wie Besucher wohl noch lange ertragen müssen. Christiansen will deshalb prüfen, ob man das Hertie-Gebäude mit einer riesigen Plane verhüllen lassen kann. Darauf könnte eine riesige Silhouette abgebildet werden, schlägt er vor. „Das würde auf jeden Fall das Stadtbild verbessern.“

Klar ist, dass von der Zukunft des Hertie-Hauses eine Menge abhängt. So berichtet Stadtmanager Knospe vom Interesse zweier Einzelhandelsfilialisten am gegenüberliegenden ehemaligen Postgebäude. Die warteten jedoch die Entwicklung des Hertie-Hauses ab. Ungewiss bleibt derweil auch, wann der Bau des Ärztehauses an der Ecke Stadtweg/Moltkestraße beginnt. Immerhin signalisierte einer der Grundstückseigentümer, der Apotheker Hermann Wighardt, dass er das Vorhaben ungeachtet der Hertie-Ruine verwirklichen möchte.

 

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