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Lärmschutzwände : Der Friedrichsberg soll leiser werden

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Husumer Baum, Karpfenteich und Flattenberg: Der Bund investiert in Schleswig 1,3 Millionen Euro für Lärmschutzwände an den Bahngleisen.

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erstellt am 10.Jun.2017 | 08:02 Uhr

Die Bahn AG will darüber informieren, dass sie Millionen Euro Steuergelder in die Hand nimmt, um etwas gegen die Lärmbelastung im Friedrichsberg zu unternehmen – und nur ein einziger der eingeladenen Bürger erscheint. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Bahn-Ingenieurin Sabine Müller. Die Projektleiterin der DB Netz AG war eigens aus Berlin angereist und hatte im Ständesaal des Schleswiger Rathauses eine Präsentation vorbereitet.

Der einzige Besucher, Jens Kreinfeldt aus dem Karpfenteich, hat eine Erklärung dafür, warum alle seine Nachbarn zu Hause geblieben sind. „Die glauben nicht mehr, dass aus den Ankündigungen der Bahn irgendetwas wird.“ Schließlich rummeln die Güterzüge schon seit Jahrzehnten durchs Stadtgebiet. Nirgends in Schleswig gibt es eine Lärmschutzwand. Der Lärm von den Bahngleisen breitet sich ungehindert im Friedrichsberg aus.

In zwei Jahren soll etwas passieren, erfährt Kreinfeldt nun von Sabine Müller. Am Husumer Baum, am Karpfenteich und am Flattenberg werden dann Lärmschutzwände errichtet. Davon sollen auch die Bewohner weiterer Straßenzüge profitieren, zum Beispiel am Erdbeerenberg. Die Wände werden drei Meter hoch sein. Wer am Hang wohnt oder in einem oberen Stockwerk, dem wird das oft nicht viel nützen. Die Bahn hat in Schleswig 127 Wohnungen ermittelt, deren Eigentümer deshalb Zuschüsse beantragen können, wenn sie schallisolierte Fenster anschaffen wollen.

Die Baumaßnahmen für die Lärmschutzwände kosten 1,3 Millionen Euro. Die Bahn AG bezahlt das nicht selbst. Das Geld kommt vom Bund. Grundlage ist ein Programm, das die Bundesregierung 1999 gestartet hatte, um Wohngebiete zu schützen, die besonders stark unter Eisenbahnlärm leiden. Nach und nach werden die am stärksten belasteten Schienenabschnitte mit Lärmschutzwänden versehen. Nach 20 Jahren ist nun Schleswig an der Reihe.

Bei der Entscheidung, welche Standorte den Lärmschutz erhalten, ist vor allem der nächtliche Güterverkehr ausschlaggebend. Dass der auf der Hauptverbindungsachse zwischen Hamburg und Jütland in jüngster Zeit zugenommen hat, das sei nicht zu überhören, sagt Jens Kreinfeldt. Zum Beispiel fahre jeden Abend gegen 22.15 Uhr ein mehr als 700 Meter langer Zug an seinem Haus vorbei, sagt er. „Dann hört man nichts anderes. Wenn wir im Garten grillen, müssen wir eine Gesprächspause einlegen.“ Zu viel jammern will er aber nicht. Schließlich wusste er, worauf er sich einlässt, als er vor dreieinhalb Jahren in sein neues Haus zog. „Wir haben schon gute Fenster“, sagte er. „Personenzüge hören wir drinnen im Haus überhaupt nicht.“

Für die Berechnung, wo Lärmschutzwände erforderlich sind, berücksichtigt die Bahn übrigens nur Häuser, die vor 1974 gebaut wurden. So will es das Gesetz. Das ist der Grund, warum die Einfamilienhaus-Siedlung Pulverholz, die erst in den letzten zwölf Jahren entstanden ist, in den Planungen keine Rolle spielt. Allerdings dämpft hier ohnehin schon ein dicker Wall die Geräusche von den Gleisen.

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