Schleswig : Der Friedrichsberg soll aufwachen

Im „Quartiergespräch“ äußern zahlreiche Anwohner Sorgen und Wünsche. Eine Erneute Aufnahme in Städtebauförderprogramm könnte beantragt werden.

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02. Mai 2015, 07:08 Uhr

Große Probleme – großes Interesse: So könnte das Fazit lauten des Friedrichsberger „Quartiergesprächs“, zu dem die Stadt am Donnerstagabend Anwohner, Gewerbetreibende und Grundstückseigentümer aus dem Schleswiger Süden ins Stadtmuseum eingeladen hatten. Rund 100 Neugierige folgten diesem Aufruf – und sorgten dafür, dass die bereit gestellten Stühle bei weitem nicht ausreichten. Aber auch die zahlreichen Gäste, die in den sauren Apfel beißen und rund zwei Stunden lang stehen mussten, gingen am Ende nicht unzufrieden nach Hause: Denn auch wenn Bürgermeister Arthur Christiansen ihnen keine konkreten Pläne vorstellen konnte, vermittelte er den Friedrichsbergern zumindest das Gefühl, dass er ihre Wünsche und Sorgen ernst nimmt.

„Wir wissen um die Schwierigkeiten aber auch um die Potenziale dieses Stadtteils. Aber gute Worte reichen nicht aus. Wir müssen ein Ziel haben und anpacken – am besten gemeinsam“, sagte Christiansen, der mehrfach betonte, selbst „aus Überzeugung“ im Friedrichsberg zu wohnen. Im Wesentlichen ginge es ihm an diesem Abend darum, die Dinge offen beim Namen zu nennen. Ein Appell, den viele Anwohner in der anschließenden Diskussionsrunde beim Wort nahmen. Einige berichteten dabei von kleineren Sorgen und wünschten sich hier und da konkrete Veränderungen. Andere hingegen sahen eher das Ganze. „Man kann nicht nur die Hauseigentümer in die Pflicht nehmen, sondern man muss eine Strategie für das gesamte Umfeld haben. Denn so nett und schön es hier auch ist, die Situation wird immer schwieriger“, sagte etwa Ingo Degner mit Blick auf die Zunahme von leer stehenden Läden in der Friedrichstraße.

Zuvor hatte Christiansen insbesondere das „traurige Erscheinungsbild“ einiger Häuser in der besagten Hauptverkehrs- und Haupteinkaufsstraße des Stadtteils kritisiert – und dafür Applaus von den Zuhörern geerntet. „Eigentum verpflichtet. Man kann nicht einfach sein Haus vergammeln lassen. Das zieht die ganze Straße runter“, meinte Christiansen. Gleichzeitig überraschte er mit einer Idee, wie man die Situation zwischen dem kleinen Platz, an dem unter anderem die Volksbank und der Fahrradhändler Voss ansässig sind, und der Ampel an der Ecke Friedrichstraße/Bahnhofstraße verbessern könnte. „Ich finde, man sollte diesen Teil der Straße ganz für den Verkehr dicht machen. Das würde die Häuser in diesem Bereich äußerst attraktiv machen, auch was das Wohnen in der Stadt betrifft“, sagte Christiansen. Gerade in letzterem Punkt sieht der Bürgermeister eine große Chance für den Friedrichsberg. Kurze Wege, Busse und Bahn direkt vor der Tür, ebenso Schulen und Einkaufsmöglichkeiten. „Das wird immer attraktiver. Die Leute wollen weg vom Land. Davon profitieren in erster Linie kleinere Städte. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Stadtteil mit seinen schönen Häusern und Wohnungen in Zukunft ein angesagtes Viertel wird.“

Dazu wiederum soll auch eine Aufwertung des Bahnhofes und seiner Umgebung beitragen. Mehrere Bürger machten ihren Unmut über den aktuellen Zustand der einst so stattlichen Immobile Luft. Zwar konnte und wollte Christiansen aus Rücksicht auf den Investor, der den Bahnhof gekauft hat, auch in diesem Punkt nicht ins Detail gehen. Er zeigte sich aber optimistisch, dass dort in naher Zukunft eine positive Veränderung sichtbar wird. „Wir sind in Gesprächen, hinter den Kulissen läuft einiges zusammen. Spätestens in zwei Jahren, wenn wir dort oben mit dem Bau der Feuerwache beginnen, wird der ganze Bereich rund um den Bahnhof aufgewertet. Dazu zählt auch eine neue Verkehrsführung“, so Christiansen.

Gemeinsam mit Bauamtsleiterin Britta Gutknecht stellte der Bürgermeister am Ende des Abends in Aussicht, dass der Friedrichsberg erneut in ein Städtebauförderprogramm des Landes aufgenommen werden könnte. Entsprechende Signale habe es aus Kiel gegeben. Als der Stadtteil zuletzt Teil eines solchen Förderprogramms war, wurde unter anderem das Einkaufszentrum hinter der Friedrichstraße errichtet. „Ich weiß nicht, was eine erneute Aufnahme konkret bringen würde. Und ich kann auch nicht versprechen, dass wir dadurch alle Probleme des Friedrichsbergs in den Griff bekommen würden. Aber es kann ein Signal sein, nach dem Motto: Wir wollen etwas ändern“, sagte Christiansen, der allen Anwesenden abschließend versprach: „Wir sind dankbar für jeden, der mit Ideen an uns herantritt, die diesen schönen Stadtteil noch lebenswerter machen, als er jetzt schon ist.“

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