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Der erste Showdown der Bürgermeister-Kandidaten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Großes Interesse an Vorstellungsrunde im Rathaus / Für etliche Bürger gab es nur Stehplätze

Das öffentliche Interesse an der ersten Vorstellungsrunde der Bürgermeister-Kandidaten stellte alles in den Schatten, was das Rathaus in den vergangenen zehn Jahren erlebt hat. Zwischen 300 und 400 Zuschauer drängten in den Ständesaal, etliche von ihnen mussten am Ende mit einem Platz im Foyer vorlieb nehmen. Dr. Arthur Christiansen, Thorsten Dahl, Ronny Haardt, Ingo Harder und Frank Neubauer nahmen sich 130 Minuten Zeit, um sich vorzustellen und ihre Ziele zu skizzieren.

Es war für die Kandidaten die erste Gelegenheit, sich vor einem großem Publikum voneinander abzugrenzen. Und dies taten sie vor allem in Bezug auf Amtsinhaber Dahl, der als unabhängiger Bewerber ins Rennen geht. Insbesondere der von SPD, SSW und den Grünen aufgestellte Christiansen sowie der von der CDU nominierte Neubauer machten wiederholt deutlich, dass wieder Entscheidungsfreude und Führungskompetenz ins Rathaus einziehen müssten. Dass der Bürgermeister sich in den städtischen Ausschüssen nur sporadisch blicken lässt, wurde von Christiansen aufgegriffen. „Ich als Bürgermeister würde in allen Ausschüssen anwesend sein“, sagte er. Und mancher fühlte sich an den jüngsten Streit zwischen Bauamt und Umweltdiensten über die Straßensanierung erinnert, als Christiansen erklärte: „Ich werde mich vor den Sitzungen mit meinen Mitarbeitern abstimmen, wohin die Reise geht.“ Dies griff auch Neubauer auf, der die schleppende Bearbeitung städtischer Projekte kritisierte. Es fehle ein Projektmanagement. Beispiel Schleiwanderweg: Dieser sei immer noch nicht gebaut worden, obwohl Fördergelder bereitstünden.

Dahl ging zwar nicht direkt auf die Vorwürfe ein, versuchte aber zu belegen, dass sich während seiner bisher elfjährigen Amtszeit in Schleswig viel getan habe: Er nannte den Bau und die Umsetzung der Landesgartenschau und die Schaffung neuer Einkaufsbereiche. Zudem habe man die Grundlage geschaffen, ein neues Theater zu bauen. Haardt (unabhängiger Bewerber) und Harder (Bündnis für Bürger) legten einen Schwerpunkt auf die Wirtschaft. Beide würden sich im Falle ihrer Wahl dafür einsetzen wollen, mehr Arbeitsplätze nach Schleswig holen zu wollen. Harder setzte hierbei vor allem auf das produzierende Gewerbe.

Wie sieht Schleswig in zwölf Jahren aus? Bei den Antworten auf diese Frage aus dem Publikum gab es zwar bei den Kandidaten viele Übereinstimmungen (dann wären die Bauarbeiten auf der Freiheit abgeschlossen, die Stadt hätte ein neues Theater, die Innenstadt wäre saniert). In manchen Punkten aber konnten einzelne Kandidaten punkten, Neubauer betonte unter dem Applaus der Zuhörer, dass es nächtliche Umzüge mit Musik noch geben würde, eine Anspielung auf Dahl, der der Holmer Beliebung im Jahr 2008 eben diese Umzüge aus Lärmschutzgründen verboten hatte. Jenes Verbot kassierte das Oberverwaltungsgericht später ein. Diese Bemerkung war die einzige an diesem Abend, die den Bürgermeister aus der Reserve locken konnte. Er berichtete, dass er erst vor kurzem an einem nächtlichem Beliebungsumzug teilgenommen habe. Prompt habe sich ein Bürger über den Lärm beschwert. Dahl machte deutlich, dass er dennoch nichts gegen die nächtlichen Umzüge unternehmen werde. Folge: „Der Bürger wird mich verklagen.“

Bei ihrer ersten Vorstellungsrunde legten sämtliche Bürgermeister-Kandidaten großen Wert auf einen fairen Umgang miteinander. Verbale Tiefschläge gab es keine, man spendete sich für einzelne Redebeiträge sogar gegenseitig Applaus. Auch das Publikum hielt sich mit Meinungsbekundungen zurück und verteilte seine Gunst gleichmäßig, auch wenn im Anschluss an den von Bürgervorsteher Eckhard Haeger moderierten Abend die Anhänger der verschiedenen Lager durchaus Präferenzen für den jeweils eigenen Kandidaten erkannt zu haben glaubten.

Die nächste öffentliche Vorstellungsrunde gibt es am Montag, 26. August, ab 19.30 Uhr im „Hohenzollern“. Der Schleswiger Bürgerverein lädt dazu ein. Die Moderation liegt in den Händen von Landesmuseums-Sprecher Frank Zarp.

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erstellt am 21.Aug.2013 | 00:33 Uhr

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