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Jagd auf der Geest : Der erste Rothirsch seit 150 Jahren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jäger Claus-Friedrich Thiesen gelang es erstmals nach 1860, in Treia einen Rothirsch zu erlegen.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2013 | 19:01 Uhr

Treia | Claus-Friedrich Thiesen ist seit 1967 passionierter Jäger sowie Inhaber eines Jagdscheines und hat allein und zusammen mit anderen Jagdkameraden bei der Ausübung der Jagd, der Hege und Pflege viele schöne Erlebnisse in guter Erinnerung behalten. Was er jedoch jetzt erlebte, übertrifft alles bisherige.

Wie viele Abende in seinem Leben genießt er die Ruhe und Schönheit der Natur von einem Hochsitz in Goosholz aus, einem Ortsteil von Treia, als er seinen Augen nicht traut. In rund 200 Metern Entfernung entdeckt er einen Rothirsch, der gerade einen Knick überwindet. Ein überwältigender Anblick.

Rotwild kommt hier nicht als Standwild vor, vielmehr ist in dieser Gegend Damwild üblich – mit wesentlich kleineren Trophäen. Er überlegt nicht lange und streckt den etwa drei Jahre alten Rothirsch nieder. „ Weitere Arten von Hirschen sind bei uns nicht tragbar. Reh- und Damwild gibt es schon immer hier bei uns, aber zusätzlich noch Rotwild, das ist nicht zu verkraften“, findet Claus-Friedrich Thiesen.

„Außerdem schädigen diese großen Tiere die Wälder, indem sie im Winter die Rinden der jungen Bäume abnagen und auch auf den Feldern große Schäden anrichten“, erklärt Thomas Christiansen, seit drei Jahren Jagdleiter des seit 1910 bestehenden Jagdvereins Treia, in dem sich zwölf Jäger zusammengeschlossen haben. Bei ihnen hatte sich schnell herumgesprochen, dass ein Rothirsch in ihrem Jagdrevier entdeckt und geschossen wurde. Sie wissen, dass die Rothirschbestände in Dänemark immer mehr anwachsen und junge Hirsche, die dort auf den Brunftplätzen vertrieben werden, sich auf der Suche nach weiblichen Tieren auf die Wanderschaft begeben. Davon ist auch Schleswig-Holstein betroffen, vereinzelt wurden auch weibliche Tiere außerhalb der Jagdsaison immer wieder einmal beobachtet. Das werde auch an den entstandenen Wildschäden deutlich.

Der erlegte Rothirsch wurde nach Treia zum Wohnsitz von Claus-Friedrich Thiesen transportiert, wo er auf einem Rasen platziert und, mit üblichem Bruch versehen, verabschiedet wurde, bevor er in einer Schlachterei fachmännisch zerlegt und in der Gastronomie angeboten wird. 126 Kilogramm hat der Rothirsch auf die Waage gebracht.

Claus-Friedrich Thiesen erzählt, dass alle seine Vorfahren Jäger gewesen sind – sogar immer zwei Generationen auf einmal. So ist es auch heute, Sohn Jan (39) ist auch in die Fußstapfen seines Vaters getreten. Bei ihm befindet sich in einer Jagdhütte der Beweis dafür, dass bereits im Jahr 1860, ebenfalls von einem Thiesen, ein Rothirsch erlegt wurde, dessen gewaltiges Geweih sich in Form einer Lampe dort als Schmuckstück befindet. Es soll der letzte Rothirsch in Treia gewesen, bevor dies jetzt nach 153 Jahren noch einmal einem Thiesen gelang.

Der Treianer Chronik ist zu entnehmen, dass in der Vergangenheit Treia wegen seines großen Waldbestandes, seiner Heide- und Weideflächen, Wiesen und Moore ein bedeutendes Jagdgebiet gewesen war. Die Jagd war früher allerdings Sache des Landesherren, zu den Treibjagden hatten die Einwohner Treias die Treiber zu stellen. Die Jagden fanden hauptsächlich auf Wildschweine, Wölfe und Hirsche statt. Wölfe gab es hier bis ins 18. Jahrhundert, Rotwild bis Mitte des 19. Jahrhundert.

Veränderungen in der Landschaft und die landwirtschaftliche Nutzung führten dazu, dass sich der heutige Wildbestand im Wesentlichen auf Hasen, Rehe, Füchse, Enten und Tauben reduzierte, allerdings sei ein nicht unbedeutender Bestand an Damwild hinzugekommen.

Ernst Johannsen, bis vor drei Jahren Jagdleiter, berichtet auch von Marderhunden und Waschbären. Die von ihm ermittelte bejagbare Fläche beträgt 1686 Hektar, davon 63 Hektar Waldanteil, 45 Hektar Wasserflächen und 1578 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Wiederholt seien in der jüngeren Vergangenheit einzelne Wildschweine auf dem Durchzug beobachtet worden, die Waldflächen reichten jedoch für die Ansiedlung eine Rotte nicht aus. Bis zur Flurbereinigung waren auch Fischotter und Eisvogel heimisch.

Der Verkehr auf den Straßen indes, vor allem durch die B201, fordert seinen Tribut. Neben zahlreichen Igeln, Hasen und Mardern werden jährlich mehr als 15 Stück Schalenwild, Damwild oder Wildschweine Verkehrsopfer.

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