Bahnhof Schleswig : Der Eigentümer hüllt sich in Schweigen

Seit fast zwei Jahren in Privatbesitz: Der Schleswiger Bahnhof im Friedrichsberg.
Seit fast zwei Jahren in Privatbesitz: Der Schleswiger Bahnhof im Friedrichsberg.

Die Sanierung des Bahnhofsgebäudes ist für das kommenden Jahr geplant. Die alte Gaststätte ist bereits entrümpelt.

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17. Januar 2015, 08:21 Uhr

Im April ist es zwei Jahre her, dass ein Unternehmensberater aus Freiburg für 182  000 Euro den Schleswiger Bahnhof gekauft hat. Kaum war der Eigentümerwechsel von der Bahn AG zu dem Herrn aus dem Süden, der nach wie vor namentlich nicht in Erscheinung treten mag, vollzogen, setzte er auch schon eine erste Duftmarke: Der zuletzt verwaiste Bahnhofskiosk wurde wieder eröffnet. „Ganz unkompliziert“, wie Pächter Reinhard Lemke seinerzeit berichtete.

Seither jedoch rührt sich so gut wie nichts. Auf Reisende macht das denkmalgeschützte Bauwerk noch immer denselben trostlosen Eindruck wie zu den Zeiten, als er noch der Bahn gehörte. Zu seinen aktuellen Plänen möchte sich der neue Eigentümer gegenüber den SN gar nicht mehr äußern. Immerhin: Kurz vor Weihnachten waren Bauarbeiter im Gebäude und entrümpelten und entkernten den Südflügel – dort, wo sich vor Jahrzehnten einmal das Bahnhofsrestaurant befand. Weil dort etwas Neues entstehen soll, zog der Kiosk im Herbst auf die Nordseite und ist seither nicht mehr von der Bahnhofshalle zu erreichen, sondern nur noch von der Straße aus. In der Halle sorgt seither nur noch das Reisecenter für Leben, das die Deutsche Bahn dort weiterhin betreibt – und dies auch in Zukunft tun wird.

Im Schleswiger Bauamt hatte man im Oktober erstmals Kontakt mit einem Vertreter des neuen Eigentümers. Er besorgte sich alte Bauunterlagen, die er für seine Planung benötigt. Zu jener Zeit sprach er von einem Abschluss der Sanierungsarbeiten möglicherweise schon Anfang 2016, wollte aber „keinen Zeitdruck aufkommen lassen“. Der Unternehmensberater besitzt mehrere Bahnhöfe in ganz Deutschland, unter anderem auch den Bahnhof in Preetz. Dort wolle er die laufenden Bauarbeiten erst zu Ende führen, bis er sich mit voller Kraft dem nächsten Projekt zuwendet, sagte er, nachdem er 2013 bei einer Auktion in Berlin den Zuschlag für den Schleswiger Bahnhof erhalten hatte.

Der Preetzer Bahnhof hat seither tatsächlich sein Gesicht zum Positiven verändert, berichten Bewohner der kleinen Stadt bei Kiel. Um den Vandalismus, der auch dort ein Problem war, einzudämmen, kündigte er an, Überwachungskameras zu installieren. Fertig sind die Umbaumaßnahmen in Preetz indes noch lange nicht. Zuletzt kündigte der Eigentümer an, dort spätestens 2016 einen Weinkeller einzurichten.

Etwas Ähnliches kann er sich offenbar auch für Schleswig vorstellen. Gastronomie oder „etwas aus dem kulturellen Bereich“ hat er als mögliche Nutzungen genannt. Insgesamt sei der Bahnhof trotz seines bescheidenen Zustandes ein attraktives Renditeobjekt, ist er überzeugt.

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