Stolk : Der „Eichenhof“ ist weg

Nur die mächtige Eiche erinnert noch an die glorreichen Zeiten des „Eichenhofs“.
Nur die mächtige Eiche erinnert noch an die glorreichen Zeiten des „Eichenhofs“.

Der legendäre Gasthof in wurde abgerissen. Ein Investor will auf dem Gelände jetzt Wohnungen bauen.

shz.de von
04. Mai 2015, 11:22 Uhr

„Endlich verschwindet dieser Schandfleck aus dem Dorfbild“ und „Mit dem Gebäude schwinden die Erinnerungen an schöne Zeiten“ – so unterschiedlich sind in Stolk die derzeitigen Gedanken bei Dorfbewohnern und Durchreisenden.

Seit gut einer Woche ist nicht zu übersehen, dass sich das Ortsbild an der Landesstraße verändert: Täglich fehlte mehr vom legendären „Eichenhof“, inzwischen ist er verschwunden, und in zwei Wochen wird das riesige Gelände platt und aufgeräumt sein. 15 Jahre hat es gedauert, in denen das altehrwürdige Gebäude immer mehr verfiel, bis es der auswärtige Besitzer an einen Investor verkaufte, der jetzt Grundstücke für eine Wohnbebauung herrichtet.

Nur die Eiche mit dem Gedenkstein, der in diesem Monat eine restaurierte Inschrift erhält, erinnert noch an die alten Zeiten, an denen schöne Erinnerungen hängen: Vor allem als Diskothek hat sich der „Eichenhof“ seit dem Ende der 70er Jahre überregional einen Namen gemacht. Freundschaften sind hier geschlossen worden, Ehen haben sich angebahnt, aber auch jugendlicher Übermut hat sich hier Bahn gebrochen.

Doch schon vor dieser Blütezeit war der „Eichenhof“ als eine von damals drei Gaststätten in der Gemeinde ein Ort für Vereins-, Familien- und Kinderfeste, für Verspielen, Wahlen und Sitzungen. Die älteren Stolker kennen auch noch gut den kleinen Kaufmannsladen von Otto und Lene Behnfeld (1950 - 1960) und von Mimi Holub (bis 1965), der zusätzlich zur Gastwirtschaft betrieben wurde.

Bevor 1869 zwei Häuser weiter eine Schule gebaut wurde, waren hier sogar tagsüber die Kinder des Dorfes unterrichtet worden, dann öffnete Lehrer Langholz den Schankbetrieb. Bis Kaufmann Julius Matz das Anwesen 1906 übernahm, war der Gastwirt zugleich Bäcker und Bauer auf damals zwölf Hektar Eigenland.

Doch all das ist aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden – wie die Gastwirte Bartels, Carstensen und Klöpper zwischen 1965 und 1970. Auch an das Antik-Café der Familie Göllner als letzte Nutzung vor dem Verfall erinnert sich kaum noch jemand. Geblieben aber sind in Gedanken Heinz und Anneliese Sawatzki, die die Dorfkneipe 1970 übernahmen und als Diskothek 1991 an Winfried Jese verkauften.

Der Schützenverein von 1909 feierte in ihrem Park unvergessliche Feste und die Sportschützen hatten hier ihr wöchentliches Zuhause, bis die Diskothek 1985 zur Super-Light-Show aufgewertet und das Schießen im Saal damit unmöglich wurde. Anneliese Sawatzkis unübertroffener Kartoffelsalat schmeckte auch noch spätnachts, und Heinz Sawatzki überstand alle kneipentypischen Eskapaden mit ostpreußischer Gelassenheit.

Das alles ist längst Geschichte. Nur die Eiche erinnert noch daran. Doch diese Veränderung hat auch ihr Gutes: In Stolk sieht man einen Schandfleck weniger. Zwei weitere Ruinen im Dorf warten noch auf einen Investor.

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