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Meltdown-Festival : Der Donner kam nur von der Bühne

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Meltdown-Festival auf der Freiheit blieb vom vorhergesagten Gewitter verschont. Zehn Bands und 750 Heavy-Metal-Fans feierten eine laut-fröhliche Party.

„Viele Autofahrer haben mich gefragt, wo es zu Fips Asmussen geht“, sagte Cara-Jasmine Thom, die unübersehbar ein bordeauxrotes „Crew“-Shirt trug. Doch die junge Frau stand nicht auf der Freiheit, um Besucher zum Auftritt des Witze-Urgesteins in der „Heimat“ zu lotsen (siehe Artikel auf der nächsten Seite). Ihr ging es vielmehr um das dritte Meltdown-Festival des Vereins Kulturnetz. Nur wenige hundert Meter vom Auftrittsort des weißgelockten Komikers entfernt war es so laut, dass jede von Fips Asmussens Pointen ungehört untergegangen wäre. Ohrenbetäubende Metal-Musik, schwarze Klamotten und Männer mit Walle-Walle-Mähne hatten Hochkonjunktur.

Bei den Musikern der zehn Bands sowie ihren 750 Fans schienen lange Haare deshalb so beliebt zu sein, weil sie beim „Headbanging“ – dabei wird der Kopf im Takt der Musik kräftig durchgeschüttelt – besonders Eindruck machen. Das bewiesen auf der Hauptbühne die Lokalmatadore von „Rampage“ und besonders eindrucksvoll die Musiker mit der längsten Anreise: „Woslom“ aus Sao Paulo. Das „Thrash-Attack“-Trio verschwand zeitweise vollständig – nicht nur hinter dem künstlichen Bühnennebel, sondern auch hinter ihren dichten Locken. Das Publikum war nicht nur von der Optik begeistert. „Ich finde es gut, dass hier internationale Bands dabei sind. Ganz wie in Wacken, obwohl ich noch nie da war“, urteilte Christine Kempf. Neben „Woslom“ waren die niederländischen Blackmetaller von „Weltenschmerz“ für „Frost“ eingesprungen, deren Schlagzeuger sich verletzt hatte.

Auch auf der zweiten Bühne im abgedunkelten Saal von Block 35 ging es hoch her. Während „Obskura“ Death-Metal-Musik zum Besten gab, lief das rhythmische Kopfschütteln wie eine La-Ola-Welle durch das Publikum. Einheizen musste ihnen Frontmann Marvin Stange nicht, der angesichts der schweißtreibenden Atmosphäre im Saal fragte: „Ist euch auch warm?“ Woraufhin ihn ein Witzbold aufforderte: „Ausziehen!“ Die Band zog nicht blank – einige männliche Besucher waren weniger zurückhaltend und präsentierten sich oben ohne. Das war angesichts der milden Temperaturen auch dann kein Problem, als sie nach draußen zu „Rampage“ gingen. „Wir bedanken uns beim Wettergott“, rief Sänger Christopher Florian Kraus. Denn trotz anders lautender Wettervorhersagen blieb das Gewitter aus. Donner kam nur von der Bühne. So lieferte das Quartett eine Modern-Metal-Animationsshow vom feinsten ab. „Rampage ist echt geil“, meinte Arvin Döscher, der extra aus Kiel angereist war und es wörtlich nahm, als es hieß: „Ich will euch ein bisschen mehr hier vorne sehen!“ Sofort flogen Köpfe so wild vor und zurück, dass die Haare ins Gesicht vom Nebenmann peitschten. Und am Ende gab Stange das Lob zurück: „Applaus an euch!“

„Den Abend lang lief es so rund, dass ich immer gedacht habe, etwas Schlimmes passiert gleich“, meinte Dennis Brocks vom Kulturnetz. Zusammen mit den Musikern anderer Bands, die ihre Proberäume auf der Freiheit haben, hatte er das Festival seit dem vergangenen Oktober vorbereitet. Im Vorfeld hätten viele Bands abgesagt, doch im Nachhinein fiel sein Fazit rundum positiv aus: „Es ist gut gelaufen, wir sind zufrieden. Beim Wetter hatten wir Glück, und auch finanziell sieht es gut aus. Wir bleiben auf keinen Kosten sitzen.“

Unterdessen wird bereits am Programm für das nächste Meltdown-Festival am 22. August 2015 gebastelt: Zugesagt haben bisher Vladimir Harkonnen, Devariem, Paragon, Injection und Rezet.

 

 

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