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Luther-Oratorium im Schleswiger Dom : Der Chor gerät ins Hintertreffen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„Luther und der rote König“: Das Pop-Oratorium von Björn Mummert wurde im voll besetzten St.-Petri-Dom aufgeführt.

Nach einer längeren Reise durch Sonderburg, Lügumkloster oder Meldorf kam das Oratorium „Luther und der rote König“ mit Musik aus der Feder von Björn Mummert am Sonntagabend nun auch an die Schlei. Auf der literarischen Grundlage von Martin Schwarz Laustens Buch „Die heilige Stadt Wittenberg“ beschreibt das deutsch-dänische Projekt Pop-Oratorium den Weg der Reformation nach Dänemark.

Am Beginn steht die Freundschaft zwischen Martin Luther und dem im Exil lebenden König Christian II. und seiner Frau Elisabeth. Beide besuchen immer wieder Wittenberg, um das lutherische Gedankengut nach Dänemark zu tragen. Inspiriert durch Luther übersetzt er das Neue Testament ins Dänische. König Friedrich regiert damals das Land von Schleswig aus, und Christian versucht mit vergeblichem Eifer, die Krone Dänemarks zurückzuerlangen. Am Ende wird es das erste Land, das offiziell „lutherisch“ ist: dies dank der dänischen Denkart, Modernes zu wagen.

Unter der Gesamtleitung von Domkantor Rainer Selle erklang im sehr gut besetzten St.-Petri-Dom das 90-minütige Werk. Die dänische Sopranistin Tine Fris als Elisabeth und der ebenfalls aus Dänemark stammende Tenor Christian Svane in der Rolle als Christian II. sowie Martin Backhaus aus Berlin alias Martin Luther hatten jeweils den Solopart inne, wobei letzterer mit seinem volltönenden und erdigen Bass auch ästhetisch die größten Anteile besaß. Der gut aufgestellte Domchor und die Domkantorei hatten zusammen vorwiegend kommentierende Aufgaben, sangen insgesamt neun reformationsprägende und luthernahe Gesänge. Leider geriet der Chorgesang stimmlich ins Hintertreffen, da manche Gesangnummern der elektronisch verstärkten Solosänger allzu sehr dominierten und insbesondere die fremdartigen Klänge am Synthesizer, die Axel Riemann erzeugte, nicht immer richtig austariert waren, sich zeitweise gar als ziemlich übersteuert herausstellten. Zudem geriet zum einen Einiges zu laut, wie die Pseudo-Orgelklänge, die den Chor fast erdrückten. Zum anderen wirkten die meist sphärisch produzierten und polierten Schön-Klänge des Komponisten, die teilweise den Charakter einer meditativen Life-Balance-Musik annahm, als beruhigende Komfortzone.

Klanglich weniger Probleme hatten Nils Rohwer am Vibraphon, Igor Vlassow am Bajan sowie Michael Becker am elektronisch verstärktem Violoncello. Den bläserischen Part übernahmen Justus Reiff und Jakob Borggrefe an den Posaunen sowie die beiden Trompeter Alexander Flamm und Hans Lehmann, die ihrerseits den Posaunenchor symbolisierten. Im beinahe steten Wechsel erhellte der Sprecher Wolfgang Berger in Gestalt des Malers Lucas Cranach von der Kanzel herunter mit brodelndem Klang-Teppich versehen den Verlauf der wechselvollen Geschichte der Reformation im dänischen Norden. Für die Mühe gab’s großen Applaus.

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