Berender Redder in Schleswig : Der Bus kommt nicht

Die Bushaltestelle am Eingang zum Wohngebiet am Berender Redder: Hier fährt nur dreimal am Tag ein Bus in Richtung Innenstadt.
Die Bushaltestelle am Eingang zum Wohngebiet am Berender Redder: Hier fährt nur dreimal am Tag ein Bus in Richtung Innenstadt.

Familien am Berender Redder sind unzufrieden mit der öffentlichen Verkehrsanbindung. Änderungen sind erst ab 2020 in Sicht.

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30. Juni 2018, 12:00 Uhr

In Lottorf wohnen 240 Menschen. Siebenmal am Tag fährt für sie ein Bus nach Schleswig. In Nottfeld wohnen 124 Menschen. Der Bus nach Schleswig kommt sechsmal am Tag. Daran denkt Nadine Wöhlk, wenn sie sagt: „Jedes Dorf ist besser angebunden als wir.“ Nadine Wöhlk lebt mit ihrer Familie am Berender Redder. Der neue Stadtteil steuert rasant auf die Marke von 1000 Einwohnern zu. Der dritte und letzte Bauabschnitt nimmt in diesem Sommer sichtbar Gestalt an.

Am Eingang zum Wohngebiet befindet sich eine große Bushaltestelle. Dreimal am Tag hält hier der Bus in Richtung Innenstadt. Um 7.25 Uhr, um 12.35 Uhr und um 16.42 Uhr. Jedenfalls von Montag bis Freitag. Sonnabends und am Sonntag kommt gar kein Bus.

Dabei hatte die Stadt Schleswig anfangs ausdrücklich mit dem Hinweis auf die Bus-Anbindung geworben. Der Haken: Die Stadt konnte zwar eine großzügige Bushaltestelle bauen. Die Verkehrsbetriebe Schleswig-Flensburg (VSF) dachten aber gar nicht daran, einfach so ihre Fahrpläne zu erweitern. Die Stadt Schleswig gibt für den Stadtbus-Verkehr schon seit zehn Jahren kein Geld. Entsprechend begrenzt ist ihr Mitspracherecht bei den Fahrplänen. Die VSF sind ein privates Unternehmen, das für den Busverkehr im Kreisgebiet jährlich 1,37 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt bekommt. Was die konkreten Gegenleistungen sind, das ist für die Dauer von mehreren Jahren mit dem Kreis Schleswig-Flensburg vereinbart. Die aktuelle Vereinbarung stammt aus einer Zeit, als am Berender Redder noch kein einziges Haus stand. Erst ab 2020 könnte sich hier etwas ändern.

Die drei Busse täglich, die den Berender Redder jetzt anfahren, tun das nur deshalb, weil die Stadt von ihrem Grundsatz, kein Geld für den Busverkehr zu geben, ein kleines Stück abgerückt ist. Eigens für den Berender Redder bekommen die VSF von der Stadt jährlich einen kleinen Zuschuss. „Wenn die Stadt mehr zahlen würde, würden wir auch mehr Verbindungen anbieten“, sagt VSF-Geschäftsführer Jan-Hendrik Möser. Er bezweifelt zudem, dass es in dem Stadtteil einen hohen Bedarf für mehr Busse gibt. „Das sind überwiegend Einfamilienhäuser mit Haushalten, die oft zwei Autos haben.“

Nadine Wöhlk und anderen Eltern indes geht es insbesondere darum, dass ihre Kinder die Möglichkeit haben sollen, eigenständig in die Stadt zu fahren. Rebecca Meggers, deren Tochter die Bruno-Lorenzen-Schule besucht, sagt, es sei für ihr Kind fast unmöglich, mit dem Bus um 7.25 Uhr pünktlich zum Unterrichtsbeginn um 7.50 Uhr ins Klassenzimmer zu kommen, zumal man am Zob umsteigen müsse. Eine andere Mutter, die namentlich nicht genannt werden möchte, vermutet: „Die Bus-Fahrzeiten sind extra so ungünstig gelegt, damit möglichst wenige Leute mitfahren und man die Linien wieder einstellen kann, weil angeblich kein Bedarf besteht.“

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