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Schloss Gottorf : Der Burgsee bleibt Seeadler-Revier

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Schleswiger Seeadler-Paar hat zum dritten Mal erfolgreich Nachwuchs großgezogen.

von
erstellt am 10.Aug.2017 | 17:02 Uhr

Da staunten die Gäste im „Occo“ neulich nicht schlecht. Plötzlich landete direkt über ihren Köpfen, in einem Baum unmittelbar am neuen Restaurant auf der Schlossinsel, ein stattlicher Seeadler. „Das ist schon etwas ungewöhnlich, denn eigentlich sind sie sehr scheu. Aber er hat es tatsächlich getan“, sagt Andreas Rau. Gemeinsam mit Friedrich Neujahr teilt sich der Gottorfer Archäologe die Aufgabe als Schleswiger Adlerbetreuer und beobachtet die Greifvögel fast täglich. Jetzt können die beiden verkünden: Das Paar, das seit 2013 am Burgsee beheimatet ist, hat zum dritten Mal erfolgreich Nachwuchs großgezogen.

Bereits in den beiden Vorjahren war es den Adlern gelungen, jeweils zwei Küken aufzuziehen. „Damit sind wir über dem Schnitt, der bei 1,3 liegt“, sagt Rau. Dass Seeadler zwei Junge bekommen, sei häufig der Fall. Oftmals würde aber nur eines davon überleben. In Schleswig also ist das anders. Dabei gehen die Betreuer davon aus, dass jedes Jahr – so auch diesmal – ein Männchen und ein Weibchen geschlüpft sind. „Das scheint die Natur so eingerichtet zu haben. Da wir in allen drei Fällen jeweils einen größeren und einen kleineren Adler gesichtet haben, gehen wir davon aus, dass auch hier die Verteilung 1:1 war“, sagt Neujahr, der dazu erklärt, dass bei Greifvögeln immer die Weibchen größer als die Männchen sind. Letztere würden deshalb übrigens auch Terzel genannt werden. Abgeleitet vom lateinischen Tertium, was Drittel bedeutet. „Denn die Männchen sind etwa ein Drittel kleiner“, so Neujahr, der das Schleswiger Adler-Jahr gemeinsam mit Andreas Rau wieder genauestens dokumentiert hat.

Am 21. Februar hat das Paar mit der Brut begonnen. Der sogenannte Schlupf fand am 29. März statt. Am 1. Juli schließlich startete der erste der beiden Jungvögel zu seinem Jungfernflug über den Burgsee. „Danach war er 24 Stunden lang verschwunden. Offenbar musste er sich von dem Stress erst einmal erholen“, sagt Neujahr. Der zweite Jungadler ging eine Woche später erstmals in die Luft.

Inzwischen sieht man sowohl die Jungen als auch die Alten regelmäßig am Himmel über Schleswig. Noch halten sie sich also alle gemeinsam in ihrem Revier auf. Spätestens im Oktober/November, wenn die Eltern mit der Herbstbalz beginnen und den Horst reinigen und für den nächsten Nachwuchs schick machen, heißt es für die Jungvögel Abschied nehmen. Da sie, wie ihre Vorgänger, nicht beringt werden, weiß man zwar nicht, wo sie sich niederlassen. Allerdings könnten sie hin und wieder mal auf einen Abstecher zum Burgsee zurückkehren. „Wir haben immer mal wieder andere Adler entdeckt, die kurzzeitig im Revier auftauchten. Vielleicht waren das die Jungtiere aus den vergangenen Jahren“, sagt Rau.

Da Seeadler bis zu 30 Jahre alt werden können und das Schleswiger Elternpaar geschätzt noch relativ jung ist, könnten sich die Ornithologen in der Region noch lange über die Anwesenheit der seltenen Greifvögel am Stadtrand freuen. „Es sind zwar nicht mehr so viele Leute wie in den Anfangsjahren, aber es kommen noch immer zahlreiche Menschen auf die Schlossinsel, um die Adler zu sehen“, erzählt Andreas Rau. Dabei gebe es einen richtigen harten Kern von Fans, die regelmäßig vorbeischauten. Manchmal kämen aber auch aus Dänemark Ornithologen nur wegen der Adler nach Schleswig. Es gebe aber immer wieder auch die Fälle, dass Schlossbesucher ganz zufällig die Seeadler entdecken und völlig begeistert sind. „Das ist dann der ,Echt? So etwas gibt es hier wirklich?‘-Effekt“, sagt Rau.

Wer Glück hat, kann die Greifvögel übrigens direkt bei der Jagd nach Fischen oder Blesshühnern, die laut Rau übrigens ihre Leibspeise sind, beobachten. Manchmal könne man auch sehen, wie sie Aas hinüber zu ihrem Horst schleppen. „Im Grunde sind sie faul und nehmen gerne das mit, was sie ohne großen Aufwand kriegen. Das können Kaninchen sein, die totgefahren wurden, oder auch Rehkitze, die Mähdreschern zum Opfer gefallen sind. All das haben wir schon gesehen“, erzählt er.

Auch Friedrich Neujahr hat schon einige Kuriositäten erlebt mit den Seeadlern, in deren Betreuung er auch in diesem Jahr wieder rund 300 Stunden investiert hat. Er freue sich, dass die Schleswiger die Tiere in ihr Herz geschlossen haben, sagt er. „Besonders gut finde ich, dass sie ihre Schutzzone im westlichen Bereich des Burgsees respektieren. Die Adler sind sehr scheu und geben schnell ihre Reviere und auch ihren Nachwuchs auf, wenn sie gestört werden.“ Wenn sie aber weiter in Ruhe gelassen werden, kann sich Schleswig über weiteren Adler-Nachwuchs in den kommenden Jahren freuen. Spätestens im Februar werden sich die Altvögel wieder paaren. Darin übrigens sind sie alles andere als faul, sagt Neujahr. „Alleine ich habe sie in diesem Jahr elf Mal dabei gesehen. Und ich habe keine Ahnung, wie viele Male ich nicht dabei war.“

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