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Schloss Gottorf : Der Barockgarten wird neu inszeniert

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Hamburger Landschaftskünstler siegt bei Ideenwettbewerb: Skulpturen sollen die Anlage spannender gestalten.

von
erstellt am 07.Okt.2015 | 07:24 Uhr

An rund 150 Skulpturen konnten sich die herzoglichen Herrschaften im 17. Jahrhundert beim Lustwandeln durch den Gottorfer Barockgarten erfreuen. Römische Kaiser waren ebenso zu sehen wie Götter oder Statuen, die gewisse Themen wie etwa das Lebensalter darstellten. „Man hat damals ständig umdekoriert“, erklärt Ulrich Schneider, Leiter des Barockgartens.

In der rekonstruierten Anlage findet der Besucher heute lediglich fünf vereinzelte Skulpturen. Ein langfristiges Konzept, das die besondere Struktur des Gartens besser erlebbar werden lässt, fehlt bislang, räumt Kirsten Baumann, Direktorin des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, ein. „Der Garten verkauft sich derzeit unter Wert.“ Aus diesem Grund hatte das Museum einen Ideenwettbewerb zur Skulpturenausstattung initiiert.

Gestern nun präsentierte der Landschaftskünstler Joachim Jacob sein Siegermodell. Der Hamburger hatte sich gegen sechs Mitbewerber durchgesetzt und darf sich über ein Preisgeld von 2500 Euro freuen. Jacob sagte, dass der Barockgarten in seinem aktuellen Zustand auf ihn wie eine „Rolltreppe mit Wasserfall“ wirke. Eine zugespitzte Formulierung, wie er betonte. Jacob wollte damit verdeutlichen, dass das Spielerische im Barockgarten durch das heutige funktionale Denken ein Stück weit verloren gegangen sei.

Neu geschaffene Achsen sollen den Garten nunmehr inszenieren und die Besucher führen. So schlägt der Landschaftskünstler beispielsweise vor, Fenster in die Hecken zu schneiden. In diesen Fenstern könnten dann Skulpturen stehen. „Man könnte auch die einzelnen Gartenflächen auf den Terrassen bespielen“, so Jacob weiter. Dort könne man temporär Skulpturen zu Themen wie Wissenschaft, Literatur oder sogar Abfall aufstellen. Und den Abschluss auf der höchsten Terrasse, auf der Herzog Christian Albrecht einst ein Lusthaus, die Amalienburg, errichten ließ, sollte eine wie auch immer geartete Architektur bilden.

Jacobs Überlegungen passten wunderbar zusammen mit dem Masterplan, der derzeit für das Schloss erstellt wird, freute sich Kirsten Baumann. „Ich habe jetzt eine relativ gute Vorstellung, wie es einmal aussehen könnte.“ Welche Idee realisiert werden kann, gelte es nun zu prüfen. Aber schon im kommenden Jahr wolle man mit der Umsetzung beginnen.

Unterstützung beim Ideenwettbewerb bekam das Landesmuseum durch den Kulturring der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft. „Im Laufe der Jahre hat der Kulturring viele hundert Bilder und Skulpturen für Schloss Gottorf erworben“, sagte Martin Kayenburg, Vorsitzender des Kulturrings und Ex-Landtagspräsident. „In den nächsten Jahren wollen wir unseren Fokus vor allem auf den Barockgarten richten.“ Alle zwei Jahre wolle man Skulpturen im Wert von 50  000 bis 60  000 Euro für den Garten anschaffen.

Jacob würde derweil am liebsten auch die Buchsbaum-Hecken umgestalten. Gerade auf der oberen Terrasse halte er die Ornamente für „völlig konfus“. Doch der Buchsbaum bereitet den Gottorfer Verantwortlichen aus ganz anderen Gründen Kopfschmerzen. Der hartnäckige Pilz setze den Pflanzen weiter zu, erklärte Schneider. Zum Glück seien die Ersatzpflanzen – Thymian und Ilex – gut angewachsen. Am Buchs wolle man dennoch festhalten, er sei schließlich typisch für barocke Gärten.

 

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