zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

20. November 2017 | 13:05 Uhr

Schleswig : Der Bahnhof ist wieder offen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Eigentümer sieht die Sperrung als unrechtmäßig: Teile der Wartehalle sind deshalb seit gestern zugänglich.

von
erstellt am 06.Okt.2017 | 07:00 Uhr

Der Akt an sich ist ziemlich unspektakulär. Gegen 11 Uhr nimmt H. Herr gestern einen Schlüssel in die Hand, steckt ihn ins Schloss, dreht ihn um – und schon ist der Schleswiger Bahnhof wieder auf. „Das Gebäude ist jetzt wieder offiziell zugänglich. Wenn es jemandem nicht passen sollte, muss er mir eine richterliche Anordnung präsentieren. Punkt“, sagt der Eigentümer der Immobilie und sieht dabei äußerst entschlossen aus.

Damit ist das nächste Kapitel in „dieser Farce rund um den Schleswiger Bahnhof“, wie Herr es ausdrückt, eröffnet. Nach zahlreichen Unstimmigkeiten zwischen Investor und Behörden (wir berichteten) kam es im April zum vorläufigen Höhepunkt. Damals hatten die DB Station und Service sowie die Stadt das Gebäude sperren lassen, weil es unter anderem Zweifel an der Statik gab. Genau diesen Vorwurf aber kann Herr nicht nachvollziehen. Im Gegenteil: Er hält ihn längst für entkräftigt. Zum Beweis hat er einen prall gefüllten Aktenordner dabei, der sämtliche Korrespondenz mit sämtlichen beteiligten Behörden beinhaltet. So habe die Bahn ihm bestätigt, dass er selbst – nachdem er das Gebäude 2013 gekauft hatte – keinerlei Veränderungen an der Decke der Wartehalle vorgenommen hat. Zudem präsentiert er eine Statikberechnung für die von ihm eingebaute Stahlgalerie, die das Bauamt der Stadt schon seit zwei Jahren vorliegen habe. Und ohnehin hätte allein das Eisenbahnbundesamt das Recht, das Gebäude zu sperren. „Es gibt also keinerlei Gründe für eine Schließung. Also mache ich als Eigentümer meinen Bahnhof jetzt wieder auf.“

Und so können Kunden seit gestern zumindest wieder den rechten Teil der Halle betreten und von dort aus ins Reisezentrum der Bahn gelangen. Der Rest der Wartehalle aber bleibt geschlossen, ebenso wie die Toiletten. „Die kommen bald weg“, sagt Herr und verweist dabei auf mehrere „nicht genehmigungspflichtige Renovierungen“, die seine Mitarbeiter zurzeit im Innern des Gebäudes ausführen. „Hier muss was passieren. Das ist ja kein Zustand so“, sagt er.

Ob er denn noch optimistisch sei, dass sein Eventbahnhof samt Sportsbar, After-Work-Bereich, Restaurant und Kleinkunstbühne tatsächlich eines Tages eröffnen wird? Herr wiegelt ab: „Natürlich glaube ich noch daran. Mein Plan ist, dass wir 2019 eröffnen. Dieses Projekt ist schließlich eines meiner Steckenpferde. Aber ehrlich gesagt, verliere ich langsam die Lust an Schleswig.“ Dass dies bedeuten kann, dass er eines Tages genervt von dannen zieht, verneint er jedoch vehement. „Ich lasse mich nicht vertreiben. Notfalls bleibt das Gebäude die nächsten zehn Jahre geschlossen. Als Abschreibungsobjekt hätte es ja auch noch einen Nutzen für mich“, sagt Herr ganz offen. Sein Wunsch sei aber nach wie vor, dass der Eventbahnhof Realität wird. „Nur habe ich langsam das Gefühl, dass dieses Projekt hier von einigen Leuten nicht erwünscht ist und gezielt sabotiert wird.“ Einerseits, weil er sich nicht der Behördenwillkür unterwerfen wolle. Andererseits könne es aber auch sein, dass man eine Konkurrenz zur „Heimat“, die ja bald von der Stadt betrieben wird, verhindern wolle. „Ansonsten kann ich mir nicht erklären, was hier so abgeht“, meint er. In diesem Zusammenhang erklärt er, dass er auch die Vorwürfe, er habe keinen Bauantrag gestellt oder seine Pläne nicht bei der Denkmalschutzbehörde eingereicht, nicht nachvollziehen könne. Vielmehr betont er immer wieder, dass die Behörden Fristen verschlafen hätten und nun versuchten, ihm den Schwarzen Peter zuzuschieben. „Ich habe alle Nachweise für meine Anträge, und zwar mit Datum.“

Auch deshalb hat sein Anwalt inzwischen viel zu tun. Unter anderem laufe eine Klage gegen die Untere Denkmalschutzbehörde und die Stadt, die ihm Akteneinsicht verweigere. „Aber damit beschäftigt sich jetzt das Verwaltungsgericht.“ Diese Version kann man bei der Stadt derweil nicht bestätigen. „Es wurde Akteneinsicht gewährt“, sagt Rathaussprecherin Antje Wendt auf SN-Nachfrage. Dafür habe der Bahnhofseigentümer aber eine Klage gegen die Sperrung angestrengt – und damit befasse sich jetzt das Verwaltungsgericht. Dass Herr nun von sich aus zur Tat geschritten ist und das Gebäude geöffnet hat, nahm sie mit Verwunderung zur Kenntnis. Wie die Stadt aber insgesamt zum Thema Eventbahnhof steht? Bei dieser Frage verweist sie auf eine Antwort des Bauamtes auf eine Anfrage von Grünen-Fraktionschef Johannes Thaysen, die während der jüngsten Sitzung der Ratsversammlung verlesen wurde. Darin heißt es unter anderem: „Es bestand und besteht nach wie vor die Absicht, das Projekt prinzipiell positiv zu begleiten.“ Es liege allerdings im Verantwortungsbereich des Investors, es im Zusammenwirken mit der Bahn und der Denkmalschutzbehörde voranzutreiben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen