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Schleswiger Nachrichten

22. Oktober 2017 | 23:28 Uhr

Schaalby : Der Bärtige mit dem coolen Beiwagen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Sie sind nicht nur Namensvettern, sondern teilen auch die Leidenschaft für Harley Davidsons: Auf seinem Gespann cruist Peter Höhne nun auch durch das neue Musik-Video von Peter Maffay.

shz.de von
erstellt am 23.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Mit der SMS, die Peter Höhne aus Schaalby an einem Sonntagabend bekam, konnte der 59-Jährige zunächst gar nichts anfangen: „Hallo, bist du der Bärtige mit dem coolen Beiwagen? Wäre klasse, wenn du dich bei mir mal melden könntest. Beste Grüße, Volker.“ – Volker? Wer ist das? „Was für ein Spaßvogel, dachte ich“, sagt Höhne heute. Der Biker rief die unbekannte Nummer an und schon war er engagiert – für ein neues Peter-Maffay-Musikvideo. In dem Clip zur Single „Wenn der Himmel weint“ aus dem aktuellen Album „Wenn das so ist“ fährt Höhne nun an der Seite des Musikers auf seiner Harley Davidson über die Reeperbahn, an den Landungsbrücken entlang bis in die Hamburger Speicherstadt. Schön langsam, denn „das ist nicht zum Rasen, sondern zum Cruisen“, betont er.

Volker Wolf, der zusammen mit Martina Heitzig das Casting für das Musikvideo leitete, hatte von Peter Maffay persönlich einen klaren Auftrag bekommen, und zwar „den coolen Typen“ zu finden, der mit seinem schwarzen Gespann ein Jahr zuvor an der Charity-Tour des Sängers für benachteiligte Kinder teilgenommen hatte. Über soziale Netzwerke und Biker-Foren wurde er fündig, in Schaalby, in Peter Höhne. „Ich wollte unbedingt, dass du dabei bist“, begrüßte Maffay Höhne später beim Videodreh auf dem Hamburger Kiez. Der Schaalbyer und ein weiterer Fahrer aus der Hamburger Bikerszene waren die einzigen, die kein Casting für den Videodreh durchlaufen mussten.

Höhne wurde in Böel geboren, ging in Treia zur Schule und fährt eine 1200er Harley Davidson, Baujahr 1957, mit 56 PS. Die Maschine, ein Gespann, hat der Bootsbauer vor neun Jahren völlig neu aufgebaut und modifiziert. „Ich habe neun Monate lang daran geschraubt, fast jede Nacht“, sagt er. Dafür ging es in den umgebauten Schweinestall, Peter Höhnes Reich, in dem die Muttern und Schraubenschlüssel, eine funktionstüchtige Drehbank aus dem Jahr 1956 sowie weiteres Handwerkszeug wohl geordnet an den Wänden drapiert sind zwischen Motorenöl, Werner-Wandmalereien, Pin-up-Postern von nackten Frauen, leeren Dosen und zahlreichen Fotos und Erinnerungsstücken an Bikertreffen, Ausfahrten und Festivals. Die Garage, „mein Schuppen“, wie Höhne sie nennt, gleicht einem Museum – einem Ort, der sein Leben erzählt.

Ähnlich sieht es auch in seiner mehrstöckigen Wohnung aus. Motorräder, Indianer und seine beiden mittlerweile erwachsenen Töchter sind die drei Themen, die dem Schaalbyer am meisten am Herzen liegen und die sich in der bis auf den letzten Zentimeter individuell dekorierten Wohnung in vielen Dingen, darunter viele Mitbringsel von seinen USA–Reisen, widerspiegeln. Den Wohnzimmertisch aus Mahagoni ziert sogar der Schriftzug Harley Davidson, den Küchentisch hat Höhne professionell mit einem ausgegossenen Indianer-Totem verziert – „alles selbst gemacht“, sagt er stolz.

Sein handwerkliches Geschick ist nicht zu übersehen und hat einen positiven Nebeneffekt: „Jede Maschine, die ich gekauft habe, habe ich teurer wieder verkauft.“ Und das waren einige: Mit 16 gönnte er sich eine 50-ccm-Zündapp für 800 Mark, es folgten eine 250er und eine 750er Honda, eine 1000er Kawasaki, dann der erste Oldtimer, eine 600er BMW, Baujahr 53, danach kam eine Harley Davidson Panhead (Bj. 1954) und letztlich sein aktuelles Gespann. In das Basteln und Schrauben wachse man so langsam rein, sagt Höhne. „Die Maschine muss schließlich laufen. Das ist eine Notwendigkeit.“ Woher die Leidenschaft für die Motorräder kommt? Vielleicht von seinem Vater. Dieser hatte in den Fünfzigern „die erste 250er BMW im Kreis Schleswig“, so Höhne.

Das im und am Hamburger „Logo“ gedrehte Video soll im Herbst erscheinen, bevor Maffay 2015 auf Tour geht. Und was hält Peter Höhne von seinem Namensvetter? „Der ist ja so was von zivil. Der hat mit angefasst und angeschoben. Er ist wie du und ich, einer von uns“, sagt Höhne, dem mittlerweile auch Maffays Musik ganz gut gefällt, zumindest die neueren Sachen.

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